Mit Ethereum gegen Zensur: #metoo-Bewegung auf der Blockchain

Fabian Kaul

von Fabian Kaul

Am · Lesezeit: 2 Minuten

Fabian Kaul

Fabian Kaul hat Neuere Deutsche Literatur in Göttingen studiert. Seit März 2018 schreibt er als freier Redakteur für BTC-ECHO. Sein Hauptinteresse gilt den Chancen und Risiken, die sich aus dem Themenkomplex Blockchains und Kryptowährungen für die Gesellschaft ergeben.

Quelle: Asian black ribbon with closed mouth via Shutterstock

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Nach dem Selbstmord einer Studentin an der chinesischen Universität Peking werden Vergewaltigungsvorwürfe gegen einen Professor laut. Auf Nachforschungen reagiert die Universität mit Zensur. Studenten verbreiten Nachrichten daraufhin auf der Ethereum-Blockchain.

Der Anstoß der aktuellen Debatte ist ein Suizid aus dem Jahre 1998. Kommilitonen der verstorbenen Studentin erheben heute Vorwürfe gegen den Professor Shen Yang, die Studentin vergewaltigt zu haben. Shen Yang bestreitet die Vorwürfe. Er ist nicht mehr an der Universität in Peking tätig.


Die Studentin Deng Yuzhen griff den 20 Jahre zurückliegenden Vorfall auf. Sie veröffentlichte einen Artikel, indem sie sich besorgt über den „Shenyang-Vorfall“ äußerte. Gemeinsam mit anderen Studenten beantragte sie schließlich die Offenlegung des Falles bei der Universität. Eine entsprechende Petition unterzeichneten zahlreiche Studenten.

Zensur und Schikane durch die Universität

Wie die Universität auf die Forderung reagierte, erzählt die Studentin Yue Xin auf der Ethereum-Blockchain nach. Sie ist eine von acht Studenten, die die Offenlegung des Shenyang-Vorfalls bei der Universität beantragt haben. Yue Xin schreibt in dem Ethereum-Dokument (lesbar per Klick auf Convert To UTF8), dass sie eingeschüchtert und schikaniert worden sei. So befragten sie Angehörigen der Fakultät mehrfach bis spät in die Nacht. Außerdem musste sie die Petition zerstören sowie alle Informationen zum Shenyang-Vorfall von ihrem Computer und Smartphone löschen. Gleichzeitig teilte die Universität ihr mit, dass „der Inhalt zur öffentlichen Überprüfung von Shenyang aufgrund von Arbeitsfehlern im Chinesischen Institut nicht gefunden wurde.“ Folgt man den Behauptungen in Yue Xins Dokument, gibt sich die Universität Peking alle Mühe, den Vorfall zu vertuschen.

Die Blockchain als Helfer

Blockchains speichern nicht nur Transaktionen, sondern können auch versteckte Botschaften enthalten. Wie das funktioniert, haben wir hier erklärt. Yue Xin hat den Inhalt eines offenen Briefes codiert und mittels einer Transaktion auf der Blockchain gespeichert. Mitglieder von mindestens drei chinesischen Universitäten haben sich diesem Vorgehen inzwischen angeschlossen und mittels Blockchain Unterstützung bekundet.

Das Umgehen von Zensur zeigt eine der großen Stärken der dezentralen Blockchain-Technologie. Einen Schwachpunkt gibt es allerdings bei Blockexplorern auf zentralisierten Websites. Zwar können Informationen nicht direkt auf der Blockchain gelöscht werden, der Zugriff auf notwendige Websites kann jedoch blockiert werden. Um das Potenzial der Blockchain als zensur-resistentes Kommunikationsmedium vollständig zu entfalten, braucht es also noch einfachere Methoden, die Blockchain zu erkunden. Hier sind die Entwickler gefragt.

BTC-ECHO

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