Meinungs-ECHO KW39 – Bitcoin-Bug und Büßermütze

Christopher Klee

von Christopher Klee

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Christopher Klee

Christopher Klee hat Literatur- und Medienwissenschaften sowie Informatik an der Universität Konstanz studiert. Seit 2017 beschäftigt sich Christopher mit den technischen und politischen Auswirkungen der Krypto-Ökonomie.

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Ein Schuldbekenntnis auf Twitter, ein krypto-skeptischer Programmierer und ein Vater-Sohn-Gespann aus unbeirrbaren Bitcoin-Bullen. Das Meinungs-ECHO.
Kein Bug, sondern ein Feature

Der Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 26. Mai 2019 05:05 Uhr von Tanja Giese

Kein Bug, sondern ein Feature

Berichte über Marktmanipulationen und technische Probleme bei Bitcoin & Co. haben bei einigen Hodlern das Vertrauen in die digitalen Währungen erschüttert. Zu diesem Schluss kommt Ross Hartshorn in der New York Times. Generell sieht Softwareentwickler Hartshorn Kryptowährungen weit davon entfernt, dem ursprünglichen Anspruch von Bitcoin – nämlich ein elektronisches P2P-Bezahlsystem zu schaffen – gerecht zu werden.

Nach Hartshorns Ansicht sind Kryptowährungen in einem höheren Maße von dem Vertrauen in eine vermittelnde Institution abhängig als der US-Dollar. Für diese Institutionen macht Hartshorn zwei Kategorien auf: die Kryptobörsen und die Erschaffer neuer Kryptowährungen. Über dezentralisierte Kryptobörsen, in denen viele die Zukunft des Krypto-Handels sehen, verliert Hartshorn indes kein Wort. Sowieso sei der raketenhafte Aufstieg von Bitcoin mit Argusaugen zu betrachten:

„Wenn eine neue Technologie exponentiell wächst, sollte uns das misstrauisch machen und nicht begeistern.“


Hartshorns zieht hier Vergleiche mit Facebook, das eine vergleichbar schnelle Erfolgsgeschichte vorzuweisen hat und sich mittlerweile ebenfalls von seinem Ursprungsideal entfernt habe:

„Es gibt da so ein Gefühl, das ich bekomme, wenn ich mich bei Facebook einlogge und von Clickbait-News, übermäßig aufdringlichen Anzeigen und einer verwirrenden Unfähigkeit, meinen Feed so zu konfigurieren, dass er mir die Updates von Freunden zeigt, derentwegen ich hierher nach Facebook gekommen bin. […] Facebook ist weniger frei als ein gewöhnliches Gespräch aus dem wirklichen Leben geworden, nicht trotz sondern wegen der Möglichkeit, sich mit jemandem zu verbinden.“

Es bräuchte bei neuen Systemen wie Bitcoin oder Facebook Zeit, um deren Probleme zu adressieren. Technologien, die sich „zu schnell“ entwickeln, bergen die Gefahr der verfrühten Adaption ohne ausreichende Kenntnis ihrer Schwachstellen. Der Begriff „viral“ sei nicht ausschließlich positiv konnotiert.

Etablierte Systeme wie regulierte Fiatwährungen mögen ihre Einschränkungen haben, so die Schlussfolgerung Hartsthorns, doch seien diese keine Schwächen, sondern ein Leistungsmerkmal:

„Viele der sogenannten Beschränkungen staatlich regulierter Währungen sind Features und keine Bugs. “

Büßermütze und Bitcoin-Bug

Definitiv ein Bug war indes der Fehler im Bitcoin-Protokoll, der bereits vorletzte Woche für Furore gesorgt hatte, die auch in der vergangenen Woche noch nicht abgeklungen sind. Der Bug mit dem griffigen Namen „CVE-2018-17144“ hätte es Angreifern ermöglichen können, neue Bitcoin „aus dem Nichts“ zu erschaffen.

Auf Twitter setzte sich der Bitcoin-Core-Entwickler John Newbery dafür die Büßermütze auf:

„Ich bin für den Bug CVE-2018-17144 verantwortlich.“

Nicht etwa, weil er den Fehler selbst programmiert hätte; sondern weil dieser ihm nicht ins Auge gestochen ist, obwohl Newbery tägliche seine Nase im Bitcoin-Code hat – welcher er lieber gefolgt wäre, als sich auf andere zu verlassen:

„Ich verbringe meine Tage damit, die Bitcoin-Core-Codebasis zu lesen. Es besteht keine Chance, dass ich CheckTransaction() nicht gelesen habe. Als ich es las, hätte mir der Kommentar ‚…also überspringen wir es in CheckBlock‘ auffallen sollen. […] Anstatt es selbst zu verifizieren, habe ich mich darauf verlassen, dass andere, klügere Menschen sich der Sache schon annehmen würden. […] Es tut mir leid, ich schäme mich.“

Newberys Tweet traf auf verständnisvolle Kommentatoren, von denen viele auf die Notwendigkeit gründlicherer Code-Reviews durch die Bitcoin-Community verwiesen.

In dieses Horn stößt auch der Softwareentwickler Pierre Rochard. Er sieht jeden Hodler in der Pflicht, sich mit dem Bitcoin-Code auseinanderzusetzen:

„Jeder Bitcoin-Holder, der über entsprechende Mittel verfügt, und jedes Bitcoin-Unternehmen, das profitabel ist, sollte die volle Verantwortung für die Bitcoin-Codeüberprüfung übernehmen; sei es durch die selbständige Durchführung der Überprüfung oder durch die Beauftragung von Entwicklern, dies für sie tun. Ehrlich gesagt gibt es keine Ausrede dafür, es nicht zu tun.“

Ansonsten liefert Pierre Rochards Twitter-Account ein Potpourri an bullishen Meldungen.

Wie der Vater, so der Sohn

Tim Draper würde sich hier sicherlich wohlfühlen. Gemeinsam mit seinem Sohn Adam hat er gegenüber Forbes seine These, Bitcoin erreiche bis 2022 die 250.000-US-Dollar-Kursmarke, abermals bestätigt. Der „Permabulle“ Tim und sein Kalb Adam möchten außerdem beide weiter in Blockchain-Unternehmen investieren. Doch selbst Draper sieht, dass es gerade im Bereich neu erschaffener Kryptowährungen viel Ausschussware gibt:

„Wir sehen einige, die nur Bitcoin-Kopien sind und keinen Grund zur Existenz haben. Wir sehen andere, von denen wir glauben, dass sie tiefgreifende Auswirkungen auf Industrie und Regierung haben werden.“

Auf die Frage, was heutzutage die größte Herausforderung für die Blockchain-Technologie sei, antwortet Adam:

„Das größte Problem in der Blockchain ist heute die Schaffung eines echten Mehrwerts für den Endverbraucher und die Benutzerfreundlichkeit der Produkte.”

Vater Tim geht weniger auf die Probleme ein, sondern malt lieber ein Bild von einer BTC-Ökonomie, wie er sie sich wünscht:

„Es braucht Zeit, um zu reifen und damit all diese Kreativität zum Tragen kommt. Ich freue mich darauf, Unternehmen in Bitcoin finanzieren zu können, die ihre Mitarbeiter und Lieferanten in Bitcoin bezahlen, sodass die gesamte Buchhaltung automatisch auf der Blockchain durchgeführt wird. Ich freue mich auch darauf, meine Rechnungen in Bitcoin zu bezahlen. Und ich freue mich darauf, dass alle meine Rechtsverträge ‚be smart‘ (bei Software) Verträge sind. Ich freue mich darauf, dass sich die geografischen Grenzen auf der ganzen Welt auflösen.“

Es gibt sie also noch, die BTC-Maximalisten. Und das ist auch gut so.

BTC-ECHO


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