Meinungs-ECHO KW 35: Wolf of Wallstreet und die Lämmer

Christopher Klee

von Christopher Klee

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Christopher Klee

Christopher Klee hat Literatur- und Medienwissenschaften sowie Informatik an der Universität Konstanz studiert. Seit 2017 beschäftigt sich Christopher mit den technischen und politischen Auswirkungen der Krypto-Ökonomie.

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Sind wir alle gehirngewaschene Naivlinge, auf bestem Wege, einem gigantischen Betrug zu erliegen? Dieser Meinung ist jedenfalls John Belfort, aka „The Wolf of Wallstreet“. In einem Interview mit dem US-Fernsehsender CNBC prophezeit der erfahrene Scammer den Untergang des Bitcoin. Das Meinungs-ECHO für die Kalenderwoche 35.

Der Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 26. Mai 2019 05:05 Uhr von Phillip Horch

Belfort sieht die meisten Hodler von Bitcoin als Lämmer auf dem Weg zur Schlachtbank. Er könne es sich nicht vorstellen, dass die Zentralbanken jemals Kryptowährungen den Bitcoin gutheißen. Deren Struktur lade geradezu ein, betrügerische Absichten zu verfolgen.

“Warum jetzt etwas zulassen, das eine anonyme Münze ist, die sich dazu anbietet, Geldwäsche einfach zu machen[…]. Es ist nicht im Interesse [der Regulierungsbehörden], das zu tun. Ich glaube nicht, dass es auch nur die geringste Chance gibt, dass sie das zulassen.”

Die Mühlen des Gesetzes mahlten zwar langsam, doch wenn die Wahrheit ans Licht komme, würde die Welt sehen, welches Ausmaß der Betrug mit Kryptowährungen wirklich habe. Die bisherigen regulatorischen Unklarheiten bildeten  nur die Spitze des Eisbergs. Er könne sich nicht vorstellen, dass Regierungen jemals zu dem Punkt kommen werden, an dem sie sagen: „Na klar geben wir die Kontrolle über das Geld aus der Hand.“

Narretei und Energieverschwendung


Der einzige Grund, in Bitcoin und Co. einzusteigen, bestünde in Profitgier, argumentiert die einstige Geldwaschmaschine weiter und spielt damit auf die „Theorie des größeren Narren” an, ein beliebtes Argument von entschiedenen Krypto-Gegnern wie Howard Marks, Bill Gates und Warren Buffet. Dabei handelt es sich um die pseudo-informierte Einschätzung, dass es bei Kryptowährungen nur darum ginge, seine Coins mit Gewinn an den nächstgrößeren Deppen zu verscherbeln.

Der Wolf sieht auch in dem hohen Energiebedarf des Bitcoin einen Grund, warum dieser sich früher oder später „wie eine Fata Morgana auflösen“ werde. Er stößt damit in ein Horn, das bei Krypto-Kritikern herumgereicht wird wie anderswo ein Joint. Dabei gibt es durchaus auch reflektiertere Meinungen zu dem Thema Bitcoin-Mining und Energieverbrauch. So fordert etwa die Energieforscherin Katrina Kelly-Pitou bereits in der Überschrift eines auf thecvonversation veröffentlichten Artikels:

“Hört auf, euch darüber Gedanken zu machen, wie viel Energie Bitcoin verbraucht”

Kelly-Pitou sieht die Bedenken bezüglich der Energiebilanz des Bitcoin nur teilweise als begründet an.  Zwar sei es richtig, dass vor allem in China ein Großteil der für das  Bitcoin-Mining aufgebrachten Energie aus fossilen Brennstoffen stammt. Doch sei es irrig zu glauben, dass die Energie sonst nicht verbraucht worden wäre. Ein Problem der erneuerbaren Energien ist deren Speicherung. Doch könnten gerade Kryptowährungen dabei helfen, den Energiesektor zu dezentralisieren und mittels Tokenenisierung das Problem des Energieüberschusses lösen. Die bloße Kritik am Bitcoin-Mining greife zu kurz:

“Die Diskussion über Energieverbrauch und Bitcoin ist, glaube ich, ungerecht, ohne die Energieintensität neuer Technologien insgesamt zu diskutieren, insbesondere in Rechenzentren.”

Energieverbrauch hin oder her — aus John Belfort klingt die Stimme eines Wolfes, den der Hunger nach Lämmern treibt. Und deshalb heult, während die Lämmer an ihm vorbeiziehen.

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