Martin Walker über Blockchain: „Es ist egal, ob es irgendwo hinführt“

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Martin Walker über Blockchain: „Es ist egal, ob es irgendwo hinführt“

Am 01. Mai fand vor dem britischen Parlament eine Anhörung zu Blockchain und Kryptowährungen statt. Martin Walker, seines Zeichens Financial Software Product Manager beim Center for Evidence-Based Management, fand wenig gute Worte über die Blockchain-Technologie im Finanzsektor. Er bezeichnete sie als Mode-Erscheinung ohne größeren Mehrwert. Zeit, die Blockchain und ihre Anwendungsgebiete mal wieder unter die Lupe zu nehmen.

Die Aufgabe von Martin Walker ist es unter anderem, beim Center for Evidence-Based Management Entscheidungsprozesse zu optimieren. Wie es aussieht, hat er sämtliche Entscheidungen bezüglich der Einschätzung der Blockchain-Technologie im Finanzbereich bereits getroffen. Sein hartes Urteil: Blockchain ist eine Mode.

„Was vorzeigbare Vorteile angeht“, meinte Walker bei der Anhörung, „gibt es wenig bis nichts.“ Ferner sei es ein Problem der Blockchain-Szene, dass sich viel im Bereich der Mutmaßungen und der Theorie abspiele:

„Es gibt ein großes Problem in der Welt der Blockchain, da man gerne das Wort ‚könnte‘ mit ‚ist [so]‘ verwechselt. […] Alles, was es braucht, um eine glaubhafte Idee in eine Mode zu verwandeln, ist es, dass Menschen ihr Gehirn ausschalten und aufhören zu denken.“

Das Hauptproblem, so Walker weiter, sei es, dass innovative Ideen bereits genügten, um erfolgreich zu sein. Es sei dahingehend nicht nötig, tatsächliche Lösungen anzubieten – Hauptsache, die Idee überzeugt. Um im „Innovations-Theater“ erfolgreich zu sein, genüge es, Proof of Concept mit der Blockchain zu verbinden: „Es ist egal, ob es irgendwo hinführt“.

Hier bezieht sich Walker wohl vor allem auf die Welt der ICOs. Da mag er bisweilen nicht Unrecht haben; so ist der vorgeschobene Use-Case oft Mittel zum Zweck. Das Motto scheint tatsächlich oft zu sein: Erst einmal Geld einsammeln, dann sehen, ob und wie es weitergeht. Dass hier vor jedem Investment eine fundierte Analyse notwendig ist, ist klar. Doch ist die Blockchain tatsächlich so nutzlos, wie Martin Walker findet? Wir glauben nicht.

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Blockchain-Anwendungen geben Martin Walker Unrecht

Sicher, Walker kommt aus dem Finanzbereich und hat auch seine Aussagen hauptsächlich darauf bezogen. Doch auch da gibt es Lösungen, die die Infrastruktur optimieren können. Wie wir kürzlich berichteten, stellt die spanische BBVA ihre Darlehen über die Blockchain aus. Doch ist es vor allem der Blick über den Finance-Tellerrand, der die Blockchain-Technologie so wertvoll machen kann.

So wendet UNICEF Australien die Blockchain-Technologie bereits an, um Spenden fürs Kinderhilfswerk einzusammeln. Man besucht einfach die Homepage und stellt seine Rechenleistung für Mining zur Verfügung – die Spenden werden direkt übertragen.  Ein ähnliches Einsatzgebiet haben die Vereinten Nationen gefunden – mit Hilfe der Blockchain verteilen sie über „Building Blocks“ Hilfsgelder an syrische Geflüchtete. Auch im Kampf gegen Kinderhandel setzen die Vereinten Nationen auf die Blockchain-Technologie. Sollte es sich hier tatsächlich um eine Modeerscheinung handeln, ist es wohl eine, die man getrost mitmachen kann.

Auch im Bildungssektor findet die Blockchain-Technologie bereits Verwendung. So speichert die Universität Basel Kurszertifikate für „Bitcoin, Blockchain und Kryptoassets“ in Zukunft auf der Ethereum-Blockchain. Dadurch erspart sich die Uni nicht nur Kosten und Aufwand, sondern gewährleistet auch Fälschungssicherheit. Diesen Vorteil der Blockchain hat auch die schwedische Regierung für sich entdeckt. Seit 2017 wird die Blockchain dort genutzt, um Eintragungen im Grundbuchamt zu verwalten.

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Mit ein wenig Recherche ließen sich im „Innovations-Theater“ dann doch ein paar Manegen finden, auf denen die Blockchain sinnvoll tanzt. Sofern man bei all den Hütchenspielern nicht einfach „sein Hirn abschaltet“, kann man dann auch herausfinden, ob das Theater „irgendwo hinführt“.

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