Machtwechsel im Bitcoin-Universum? Warum BTC gegenüber BCH und BTG federn muss

Nach den massiven Kursanstiegen der letzten Tage musste Bitcoin in den letzten Stunden ordentlich an Marktkapitalisierung einbüßen. Der Bitcoin-Kurs notiert gegenwärtig bei 16.900 US-Dollar – einem Minus von rund 12 %. Die Bitcoin-Markkapitalisierung rutschte dabei vom Höchststand am 17. Dezember von 336 Milliarden US-Dollar auf heute nun 280 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig konnten die Bitcoin-Abkömmlinge respektive Forkcoins, Bitcoin Cash (BCH) und Bitcoin Gold (BTG), massiv an Wert zulegen. Was steckt hinter diesen Bewegungen?

Mit Blick auf coinmarketcap fällt auf, dass die Bitcoin-Forkcoins die bislang größten Gewinner in den Top 10 der letzten Stunden sind. Bitcoin Cash steht mit souveränem Abstand zu Ripple an dritter Stelle mit einem Plus von über 50 % – aktueller Kurs: 3.500 US-Dollar. Bedenkt man, dass Bitcoin selbst im September dieses Jahres auf gleicher Höhe notierte, dann ist dieser Kurszuwachs mehr als beeindruckend. Aber auch Bitcoin Gold liegt mit einem Plus von 30 % und einem Kurs von 430 US-Dollar über den Erwartungen vieler Anleger.



Die Gründe für diese Marktentwicklung respektive Verschiebung sind vielfältig:

Teure und langwierige Transaktionen

Wie schon so oft vermerkt, kommt das Bitcoin-Ökosystem dem massiven Anstieg der Bitcoin-Nachfrage kaum nach. Die Folge sind hohe Transaktionsgebühren und lange Transaktions-Wartezeiten. Schließlich kann Bitcoin nur maximal 7 Transaktionen in der Sekunde ausführen (theoretischer Wert), sodass der Mempool, indem sich die Transaktionen zur Bestätigung sammeln, überladen ist. Damit eine Transaktion schnell abgewickelt werden kann, müssen enorme Gebühren vom Nutzer zusätzlich entrichtet werden. So kann es bei kleineren Beträgen vorkommen, dass die Transaktionsgebühren den Kaufbetrag übersteigen. Eine Situation, die sich negativ auf den Bitcoin-Kurs auswirkt, auch wenn Lösungen (Lightning Network) in Sicht sind. Bitcoin Cash und Bitcoin Gold stehen diesbezüglich, zumindest gegenwärtig, deutlich besser da, sodass sie als Bitcoin-Alternativen von den Skalierungsproblemen profitieren können.

Bitcoin-Futures

Futures sind so genannte Terminkontrakte mit denen auf steigende, aber auch fallende Kurse gewettet werden kann. Diese Finanzproduktklasse wurde kürzlich an der größten Terminbörse in Chicago für Bitcoin eingeführt. Entsprechend konnten nicht nur Long-Positionen, sondern auch Short-Positionen aufgebaut werden, die auf den Bitcoin-Kurs drücken. Eine Option, die es für andere Kryptowährungen nicht gibt und einigen Bitcoin-Haltern Angst bereitet.

Mining-Difficulty

Die hohe Mining-Difficulty von Bitcoin lässt Bitcoin Cash und Bitcoin Gold im Verhältnis oft attraktiver dastehen. Schließlich wird die Kryptowährung gemint, die am wirtschaftlichsten ist bzw. die höchste Rendite verspricht. Folglich können die Forkcoins immer wieder davon profitieren, dass die Miner auf sie ausweichen, da ihre Mining-Difficulty im Verhältnis zu Bitcoin höhere Renditen ermöglicht – der Kurs von Bitcoin Cash und Bitcoin Gold lässt, zum Nachteil von Bitcoin, danken.

Dienstleister-Akzeptanz und technische Alternative

Immer mehr Händler und Wallet-Anbieter akzeptieren die Bitcoin-Forkcoins, allen voran Bitcoin Cash. So hat der weltweit größte Bitcoin-Zahlungsanbieter, Bitpay, bekannt gegeben, auch Bitcoin Cash zu akzeptieren. Die niedrigeren Transaktionskosten bzw. geringeren Skalierungsprobleme im Vergleich zum Bitcoin-Urgestein, könnten eine weitere Adaption bei Bitcoin-Dienstleistern befeuern. Zudem gibt es viele Anhänger der alternativen Ansätze von Bitcoin Cash.

Unbestimmtes Marktverhalten und Gewinnmitnahmen

Neben den oben dargestellten Sachargumenten, gibt es auch immer Kursimpulse, die im Marktverhalten der Teilnehmer begründet sind. So ist davon auszugehen, dass größere Bitcoin-Halter Teile ihrer Bitcoin-Positionen verkauft haben. Ob diese größeren Verkäufe nun aus einer reinen Gewinnmitnahmeabsicht zustande gekommen sind oder durch eine klare negative Haltung gegenüber Bitcoin ist nur schwer nachzuvollziehen. Erfahrungsgemäß sollten daher auch, im Rahmen der massiven Volatilität, Kurskorrekturen von Minus 13 % wie bei Bitcoin nicht überbewertet werden – genauso wie Kursanstiege von 50 % wie bei Bitcoin Cash.

Fazit

Wer schon etwas länger am Kryptomarkt dabei ist, weiß wie schnell sich die Stimmung drehen kann. Es ist gut, wenn es nach massiven Anstiegen auch mal zu größeren Korrekturen kommt – alles andere wäre gefährlich. Entsprechend gibt es keinen Grund nun alle seine Bestände in Bitcoin Cash oder Bitcoin Gold umzuwechseln. Wie schon in mehreren Artikeln vermerkt, stehen wir immer noch ganz am Anfang, was die Massenadaption im Bitcoin-Investmentbereich anbelangt. Es wird auch in den nächsten Wochen und Monaten sicherlich noch viel Geld in Bitcoin fließen. Zudem schließt sich eine Koexistenz von Bitcoin und Bitcoin-Forkcoins nicht zwangsläufig aus – kurz um: ruhig bleiben und Tee trinken.

BTC-ECHO

Über Sven Wagenknecht

Sven WagenknechtSven Wagenknecht ist Chefredakteur von BTC-ECHO und verantwortet neben der redaktionellen Planung auch den Bereich Business Development. Nach seiner Ausbildung zum Bankkaufmann hat er Politik und Wirtschaft in Münster studiert und verschiedene berufliche Stationen, etwa in einer der führenden Unternehmensberatungen und im Bundeswirtschaftsministerium, absolviert. An der Blockchain-Technologie faszinieren ihn vor allem die langfristigen Implikationen auf Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. Als Speaker, zuletzt etwa auf dem St. Petersburg International Economic Forum 2017, referiert er über das makroökonomische Potential der Blockchain.

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