Kryptowährungen: Wertanlage oder Wettanlage?

Kryptowährungen: Wertanlage oder Wettanlage?

Nicht nur Bitcoin, sondern Kryptowährungen generell sind in letzter Zeit stark angestiegen. Blase oder Wertanlage? Eine Betrachtung der Investmentanlage Altcoin.

Gerade nach dem Christi HimmelfahrtsWochenende steht für viele die Frage im Raum, ob der Kursanstieg der letzten Monate ein Zeichen größerer Akzeptanz der breiten Masse oder nur größerer Spekulation eines kleinen Kreises von Enthusiasten ist.

Und die Frage stellt sich natürlich: innerhalb eines Jahres hat sich bis 25. Mai das gesamte Marktkapital der Kryptowährungen mehr als vervierfacht. Der große Dump letzter Woche verblasst ob dieses Anstiegs: selbst nach diesem war immer noch ein Anstieg von 350% zu verzeichnen.

Anstieg der Kryptowährungen

In den letzten Monaten sind sehr viele Kryptowährungen unglaublich stark angestiegen. Über die großen drei (BTC, ETH und XRP) wurde schon viel gesprochen, in einem aktuellen Artikel habe ich die Wildcards NEM und Bytecoin diskutiert. Doch ein Blick auf die Charts zeigt: zum Teil unglaubliche Anstiege können auch Kryptowährungen zeigen, die zumindest als Experiment (42coin) oder gar Shitcoin (Infinitecoin, no offense) gesehen werden können.

So toll derartige Anstiege auch sind, so verständlich sind auch alle Bedenken, die in dieser Entwicklung eine Blase vermuten.

Tulpen reloaded? Betrachtung der Bedenken hinsichtlich einer Blase

So vermuten manche hinter diesem Wachstum, dass es primär durch ein Wieder-Investieren von zuvor erwirtschafteten Geld in neue digitale Assets ist, dass also nicht eine stärkere Akzeptanz, sondern nur größere Whales den Preis nach oben treiben.

Ob viele dieser jetzt stark im Wert gewachsenen diesen halten können kann bezweifelt werden, auch wenn Anlagen wie Ethereum oder Bitcoin sicherlich anders zu bewerten sind als die genannten 42Coin oder Infinitecoin.

Letztlich kann man hier gewisse Parallelen zur Südsee-Blase oder zur dotcom-Bubble aufzeigen: es gibt ein erstarkendes Interesse, welches sich zu einem Rausch entwickelt, der alle Vernunft und Nüchternheit, die im Investment notwendig sind, außer acht lässt.

In der Hinsicht kann man schon feststellen, dass teilweise eine Blase vorliegt; Währungen, über deren fundamentalen Wert man streiten kann, gewinnen mehr an Wert als etablierte Kryptowährungen bzw. digitale Assets, die einen realen Gegenwert besitzen.

Es ist auch verständlich: der Mythos Bitcoin hat sich im Fall Ethereum wiederholt: Anleger rufen “hätte ich doch früher investiert!” “Hätte ich doch mehr investiert!” “Hätte ich nicht so früh verkauft!”.

Wie jemand so passend auf Facebook schrieb: Hätte, Hätte, Blockchain-Kette. Statt dies zu bereuen hoffen Anleger nun auf den Black Swan, welcher aus den eher unbekannten Kryptowährungen aufsteigt. Daraus entsteht besagte Rallye, Transaktionen für den Kauf von irgendwelchen Kleinstwährungen nehmen zu – um entweder durch einen brutalen Dump oder Probleme an Börsen eine jähe Zäsur zu erfahren. Das wiederum führt zu einem riesigen Sellout und die partielle Blase platzt.

Neues Wachstum aus platzenden Blasen

In dem Zusammenhang wird oft ein Bild präsentiert, welches mein Kollege Danny vor einigen Tagen nutzte. Doch dieses Bild schließt bei allem tiefen Fall nach einer Blase versöhnlich ab, ist doch der Langzeit-Trend weiter aufwärts gegangen – ein Aspekt, der selten diskutiert wird.

Letztlich werden nicht alle Anleger enttäuscht abspringen. Manche der unbekannten Währungen finden doch eine interessierte Community und erleben dadurch längerfristig bzw. Wieder einen Push – Dogecoin ist hier ein Beispiel (such wow).

Damit zusammenhängend muss betont werden, dass nicht nur techie-internes Pumping stattfindet, sondern verschiedene Leute und Institutionen mit viel Geld in Kryptowährungen investiert haben und investieren. Geld – und nicht wenig davon – wird also nicht nur innerhalb der Kryptosphäre herumgeschoben, sondern fließt von außen ins System.

Nimmt man dazu noch die aktuellen Entwicklungen in Japan, China und verschiedenen Schwellenländern ist nicht mehr pessimistisch von einer Blase zu sprechen. Und durch das Wachstum verschiedener Altcoins wurde zwar der relative Marktanteil von Bitcoin kleiner, aber genau dadurch wurde aus einer Wette mit genau einem Pferd letztlich eine eigene Investmentklasse, in der man durchaus abgesicherte Portfolios aufbauen kann.

BTC-ECHO

Über Dr. Philipp Giese

Dr. Philipp GieseDr. Philipp Giese arbeitet als Chief Analyst für BTC-ECHO und ist auf die Bereiche Chartanalyse und Technologie spezialisiert. Der promovierte Physiker kann dabei auf jahrelange Berufserfahrung als technologischer Berater zurückgreifen. Zudem ist er zentraler Ansprechpartner im Discord-Channel von BTC-ECHO und pflegt als Speaker und Interviewer den Austausch mit Startups, Entwicklern und Visionären.

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