Konzern-Kryptowährungen: Nach Facebook erhöht nun Walmart den Druck auf die Politik

Sven Wagenknecht

von Sven Wagenknecht

Am · Lesezeit: 4 Minuten

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Sven Wagenknecht ist Chefredakteur von BTC-ECHO. An der Blockchain-Technologie faszinieren ihn vor allem die langfristigen Implikationen auf Politik, Gesellschaft und Wirtschaft.

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Nachdem die erste Welle an kontroversen Diskussionen um die Facebook-Kryptowährung Libra vorbeigezogen ist, meldet sich nun ein weiterer Konzern mit Krypto-Plänen. So hat der US-Handelsriese Walmart ein Patent eingereicht, bei dem es um die Ausgabe einer eigenen Kryptowährung geht. Welche Motive dabei eine Rolle spielen, wie die Chancen auf Zulassung stehen und inwiefern das Vorhaben Einfluss auf den Krypto-Sektor nimmt.

Nach Facebook hat nun auch Walmart in Form eines Patentantrags bekanntgegeben, die Ausgabe einer eigenen Kryptowährung im Stable-Coin-Format zu planen. Genau wie Facebooks Libra soll also auch der Walmart Coin eine Bindung zu Fiatwährungen, wahrscheinlich vorrangig den US-Dollar, haben.

Walmart: Ein unterschätzter Gigant


Mit über zwei Millionen Mitarbeitern ist Walmart nicht nur der größte private Arbeitgeber der Welt, sondern auch der umsatzstärkste. Kein Einzelhandelsunternehmen der Welt wickelt damit mehr Transaktionen ab als Walmart. Das Potential, nicht nur hunderte Millionen US-Dollar an Transaktionskosten zu sparen. Sondern auch die Wertschöpfung des eigenen Ökosystems zu optimieren, eröffnet bislang ungeahnte Möglichkeiten – angefangen bei den zwei Millionen Mitarbeitern, deren Incentivierung über Token-Modelle besser abgedeckt werden kann, bis hin zu Lieferanten- und Kundenkrediten sowie Bonusprogrammen.

Wie bei Facebooks Libra wäre auch hier der Effekt auf die Krypto-Adaption enorm. Ein nicht unerheblicher Teil der Weltbevölkerung könnte so unmittelbar in Kontakt mit einer Kryptowährung kommen.

America first: Vorerst nur auf amerikanischem Boden?

Trotz der globalen Dominanz von Walmart richtet sich das Projekt scheinbar vorerst an die US-Bürger selbst. Während Facebook vor allem Entwicklungsländer im Visier hat, dürften insbesondere die unteren Gesellschaftsschichten in den USA als Zielgruppe angesprochen werden. Es ist davon auszugehen, dass Walmart damit beabsichtigt, weitere Konsum-Anreize zu schaffen, die nicht vom oftmals dauerhaft überzogenen Kreditkarten-Rahmen der Konsumenten ausgebremst werden. Die „Kultur“ der Kreditkarten-Schulden und Bonusprogramme nimmt in den USA bekanntlich einen ganz anderen Stellenwert als in Europa ein.

Zwar fischt damit auch Walmart im Gewässer der Banken und Kreditkarten-Dienstleister, dennoch dürfte hier die Konkurrenz für den Bankensektor geringer sein als bei Facebook. Zumindest versucht man seitens Walmart, die Gemüter der Regulatoren zu beruhigen, indem man die eigenen Pläne tendenziell herunterspielt. Nach den teils heftigen Reaktionen aus der US-Politik zu Facebooks Libra möchte es Walmart schließlich vermeiden, sich unnötig früh ins Visier der Regulatoren und der Öffentlichkeit zu stellen.

Die Büchse der Pandora

Gleichzeitig wächst mit Walmarts Absichtserklärung, eine Kryptowährung herauszugeben, der Druck auf die bis dato überforderte Politik. Wie kann privates Geld – selbst, wenn es sich um US-Dollar gedeckte Stable Coins handelt – neben dem US-Dollar der US-Notenbank Fed existieren? Gefangen zwischen Finanzmarkt-Liberalismus auf der einen und staatlichem Kontrollzwang auf der anderen Seite, hat man Angst davor, die Büchse der Pandora zu öffnen. Natürlich ist die US-Regierung (noch) in der Lage, die einzelnen Pläne einer Konzern-Kryptowährung abzuschmettern.

Dennoch wäre der Preis zu hoch und der Sieg nur ein temporärer. Jede halbwegs aufgeklärte Regierung weiß, dass sie solch übergeordnete Entwicklungen und Innovationen nicht aufhalten kann. Zumal die Verlockung im Falle Facebooks viel zu groß ist, einen neuen Ankäufer für US-Staatsanleihen zu gewinnen. Wie den Plänen zu entnehmen ist, würde Facebook zur Stable-Coin-Deckung auch Staatsanleihen aufkaufen und damit das Staatsschulden-Karussell stabilisieren.

Aktuell lässt sich an der Reaktion der Regulatoren ablesen, dass man den Tag X soweit wie möglich nach hinten schieben möchte. Wenn man ihn schon nicht verhindern kann, dann zumindest Zeit gewinnen. Während noch überhaupt nicht klar ist, wann Walmart einen Coin herausgibt, lässt sich daher ziemlich sicher vorhersagen, dass Facebooks Libra eher später als früher tatsächlich zugelassen wird.

Konzern-FOMO

Dabei sind Facebook und Walmart nicht die einzigen Konzerne, die Krypto-Patente eingereicht haben. Es ist davon auszugehen, dass die größten Unternehmen der Welt derzeit allesamt prüfen, inwiefern Krypto-Features sinnvoll umzusetzen sind. Die Angst, von der Konkurrenz abgehängt zu werden, ist schlichtweg zu groß – Fear of Missing Out lässt grüßen.

Ein besonders spannendes Patent hat beispielsweise der Sportartikelhersteller Nike unter dem Namen Cryptokicks eingereicht. Dieses legt nahe, dass man bald auch Turnschuhe als digitale Sammlerstücke auf der Blockchain verwahren und handeln kann. Ebenfalls gibt es Gerüchte, dass auch Samsung an Plänen zu einer eigenen Kryptowährung arbeitet. Es ist stark davon auszugehen, dass in den nächsten Monaten weitere solcher Meldungen folgen werden.

Dennoch sollte man bei Konzern-Kryptowährungen eines nicht vergessen: Es geht im Gegensatz zu Bitcoin nicht um die Unabhängigkeit der Endverbraucher. In erster Linie sollen die zukünftigen Konzern-Kryptowährungen die Unabhängigkeit der Konzerne gewährleisten und nicht die der Kunden.

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