Kontensperrungen in Brasilien: Konflikt zwischen Banken und Bitcoin-Börsen

Haben brasilianische Banken die Konten von Bitcoin-Börsen gesperrt? Dies werfen diverse Börsen den südamerikanischen Geldinstituten seit geraumer Zeit vor. Demnach haben die Banken ohne nachvollziehbaren Grund seit 2015 immer wieder Konten von Börsen für Kryptowährungen eingefroren oder eingeschränkt. Die Zahlungsinstitute wiederum behaupten, die Ursache sei die mangelnde Transparenz der Exchanges in den Handelsregistern gewesen. Zudem hätten viele Handelsbörsen den Banken bei der Konteneröffnung ihr Geschäftsfeld nicht eindeutig mitgeteilt. Der Konflikt zwischen Banken und dem Bitcoin-Ökosystem geht in die nächste Runde.

Wer in Brasilien ein Konto eröffnet, muss der Bank eindeutig mitteilen, zu welchem Zweck er dies benötigt – so ist es dort gängige Praxis. Hier haben Banken offenbar Lücken bei der Konteneröffnung diverser Exchanges festgestellt. Die Folge war die wiederholte Sperrung von Konten, über die sich die Krypto-Börsen wiederum lautstark geäußert haben – so lautstark, dass das brasilianische Wirtschaftsinstitut CADE, (Administrative Council for Economic Defense) sich nun gezwungen sieht, die Vorgänge aufzurollen.

Beide Seiten sind in der Erklärungspflicht

Die Banken mussten sich in der Vergangenheit bereits für die Sperrung der Konten erklären. Nun sind die Krypto-Börsen an der Reihe. Das Regierungsinstitut hat ihnen einen umfangreichen Fragenkatalog gesandt. Die Nichtbeantwortung würde eine Strafe von bis zu 25.000 US-Dollar nach sich ziehen. Der Fragebogen umfasst, neben der allgemeinen Schilderung der Vorgänge, auch den möglicherweise entstandenen wirtschaftlichen Schaden, den die Bitcoin-Börsen durch die Kontensperrungen hinnehmen mussten. Noch scheint nicht klar zu sein, welche Position die Regierung zu den Anschuldigungen einnehmen wird. Wie an vielen Stellen der Welt scheint das Rechts- und Bankensystem in der Findungsphase zu sein und selbst noch nicht so genau zu wissen, welchen Platz Digitalwährungen und der Handel mit selbigen im Rechtssystem einnehmen wird.

Banken und die Bitcoin-Welt – eine Hass-Liebe?

So recht weiß man nicht, wie man die Banken und die Krypto-Welt unter einen Hut bekommt. Bitcoin und Blockchain, als Alternative zu den Banken angetreten, wird nun einerseits von selbigen gefördert und immer mehr Blockchain-Anwendungen werden im Bankensystem selbst implementiert. Bitcoin-Traditionalisten und Cypherpunks hätten guten Grund, dies als Unterstützung von der falschen Seite zu werten.

Andererseits zeigt sich auch starker Widerstand, wie nun in Brasilien. Natürlich ist jedes Land, jedes Rechtssystem und jedes Geldinstitut gesondert zu betrachten. Eine Simplifizierung auf „die Banken“ und „die Krypto-Welt“ würde der komplexen Materie nicht gerecht. Dennoch ist oft zu beobachten, dass Banken sich insbesondere gegen eine unregulierte Bitcoin-Welt wehren – sofern diese sich jedoch an die alten Spielregeln hält, scheint es viele Anknüpfungspunkte zur traditionellen Bankenwelt zu geben.

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