US-Kongress-Bericht verweist auf Blockchain-Potentiale im Energiesektor

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US-Kongress-Bericht verweist auf Blockchain-Potentiale im Energiesektor

Der wissenschaftliche Dienst des US-Kongresses hat die Chancen und Herausforderungen dezentraler Technologien für den Energiesektor unter die Lupe genommen. Laut den Parlamentswissenschaftlern könnte die Blockchain besonders im Betrieb von Stromnetzen zu wegweisenden Änderungen führen. Gleichzeitig beleuchten die Forscher den hohen Stromverbrauch von Mining-Farmen. Um diesen in den Griff zu bekommen, rät der Bericht dem Kongress die Einführung von Effizienzstandards.

Ob über den Klima-Killer Bitcoin oder die Blockchain als Heilsbringer smarter, grüner Netze – viel ist zu den Chancen und Hürden dezentraler Technologien im Energiesektor in der Vergangenheit bereits diskutiert, manch Pilotprojekt bereits angestoßen worden.

Besonders in den USA prescht die Entwicklung staatlich geförderter grüner Technologien dieser Tage voran. Gleichzeitig schießt der Stromverbrauch heimischer Schürfer in die Höhe. Die Preise folgen. Bloß eine Frage der Zeit scheint es daher, bis der Staat solche Entwicklungen in kontrollierte Bahnen lenken und die Vorzüge für sich nutzen wird.

Um einen künftigen Gesetzesrahmen für den Einsatz von Blockchain-Technologien vorzubereiten, widmet sich der jüngste Bericht des Congressional Research Service ganz dem Thema „Bitcoin, Blockchain und der Energiesektor“. Zum einen fasst der wissenschaftliche Dienste des US-Kongresses den aktuellen Debattenstand für die Abgeordneten zusammen. Zum anderen erwägen die Wissenschaftler Gesetzesantworten, um unter anderem den explodierenden Strombedarf zu regulieren.

Gegenüber dem grundsätzlichen Einsatz von Distributed-Ledger-Technologien sind sie sich dabei sicher:

Fortgeschrittene Anwendungen der Blockchain können [in Zukunft] einschneidende Veränderungen für den Energiesektor mit sich bringen.

Als mögliche Anknüpfungspunkte der Technologien loten sie den Betrieb sogenannter Micro-Grids und den damit zusammenhängenden Peer-to-Peer-Handel von Energie aus, bei dem Stromverbrauch einzelner Haushalte von der Solarenergie ihrer Nachbarn gedeckt werden könne. Anstelle vertikal organisierter Stromproduktion, in deren Zentrum die Elektrizitätswerke stehen, könnte mithilfe von Blockchain-Lösungen künftig ein dezentrales organisiertes Stromnetz treten.

Mit dem Nachbarn Solarstrom handeln – dezentrale Stromnetze sollen dies möglich machen

Entsprechende Pilotprojekte wie eine Initiative des New Yorker Start-ups LO3 Energy testen diese Einsatzmöglichkeit der Blockchain bereits seit Jahren. Gemeinsam mit Siemens ermöglicht das Unternehmen Bewohnern des Stadtteils Brooklyn, ihren Solarstrom miteinander zu handeln.

Gleichzeitig brächten solche dezentralen Netze nicht nur Vorteile. Laut dem Bericht würden sie zwar den Wettbewerb zwischen Produzenten erhöhen und die Versorgung effizienter und transparenter gestalten. Zeitgleich könnten smarte Netze und die damit verbundene Speicherung sensibler Daten in dezentralen Datenbanken auch Cyberangriffen die Tür öffnen, geben die Wissenschaftler zu bedenken.

Vonseiten des Kongresses gelte es nun, die Regulierungsbefugnisse der staatlichen Energiebehörde FERC hinsichtlich der Blockchain-Nutzung zu klären. Derzeit gebe es mit Blick auf Datenschutz, der Verknüpfbarkeit von Technologien sowie der Marktstruktur keinerlei staatliche und rechtliche Standards zu deren Einsatz. Dieses Vakuum müsste gefüllt werden.

Die immerwährende Diskussion: Klima-Killer Bitcoin?

Als wichtigen Stolperstein der Blockchain führt der Kongress-Bericht den US-Abgeordneten zudem das Ausmaß der derzeitigen Mining-Aktivitäten – in den Vereinigten Staaten sowie weltweit – vor Augen. So nennt der Parlamentsdienst Schätzungen, laut denen das Schürfen von Bitcoins und der Betrieb von Blockchain-Technologie derzeit bis zu einem Prozent der amerikanischen Stromproduktion verschlinge.

Studien zufolge sollen sich in den gesamten USA derzeit rund 16 Prozent aller weltweiten Mining-Farmen ihren Betrieb angesiedelt haben. Hier zieht es die Schürfer in den hohen Norden an die kanadische Grenze. Glaubt man konkurrierenden Einschätzungen, sollen allein im Bundesstaat Washington bis zu 30 Prozent der weltweiten Mining-Farmen beheimatet sein.

In Angesicht dieser Zahlen deuten die Wissenschaftler auf künftig drohende Probleme und Engpässe im Bereich der Stromversorgung hin. Für einzelne Gemeinden etwa könne der astronomische Verbrauch zur Überlastung bestehender Netze führen. Andererseits könne die hohe Nachfrage Strompreise in der Folge in die Höhe schießen lassen.

Als Beispiel hierfür nennt der Bericht den Fall Plattsburgh. In der Kleinstadt im US-Bundesstaat New York sollen Mining-Betriebe die jährliche Stromrechnung privater Haushalte zuletzt um durchschnittlich 300 US-Dollar erhöht haben. Die Gemeinde antwortete zuletzt mit einem Ansiedlungsstopp für Mining-Betriebe.

Mining-Unternehmen setzen auf Ökostrom

Doch auch von globaler Perspektive sei der hohe Stromverbrauch relevant. So könnten Bitcoin & Co. dadurch tatsächlich zum Klima-Killer werden.

Der mit Bitcoin-Einsatz verbundene Energieverbrauch könnte möglicherweise genug CO2-Emissionen erzeugen, um die weltweiten Durchschnittstemperaturen über die nächsten 30 Jahre auf zwei Grad Celsius ansteigen lassen,

zitieren die Forscher eine Untersuchung aus dem vergangenen Jahr. Langfristig könnte es sich bei den Nachhaltigkeitsbedenken jedoch um ein „vorübergehendes Problem“ handeln.

Nicht zuletzt auch um entsprechender Kritik zu begegnen, setzen Mining-Unternehmen weltweit derzeit vermehrt auf günstigen Ökostrom aus Wasser-, Solar- oder Windkraft. Deshalb zieht es dieser Tage mehr und mehr internationale Schürfer in nordische Breitengrade. Hier winken den Unternehmen zudem neben einem Klima, das die Kühlung der Anlagen erleichtert, teilweise sogar Steuervorteile sowie politisch-stabile Rahmenbedingungen.

Erst in der vergangenen Woche kündigte das Bitcoin-Unternehmen Blockstream an, im kanadischen Bundesstaat Quebec eines der bisher größten Schürfzentren der Region eröffnen zu wollen. Neben institutionellen Investoren wie Banken und Großunternehmen sollen sich hier künftig auch Privatleute einmieten können.

Diesen Nachhaltigkeitstrends zum Trotz bleiben ökologische Bedenken mit Blick auf die andere Seite des Pazifiks und damit auf den Mining-Weltmarktführer China bestehen. So hat sich die chinesische Regierung zwar ebenfalls auf die Fahne geschrieben, ihre Emissionen herunterzuschrauben. Ein Großteil des Stroms im Reich der Mitte stammt jedoch nach wie vor aus Kohle.

Bericht rät Kongress-Abgeordneten zu Effizienzstandards

Mit Blick auf künftige Gesetzesantworten rät der Bericht den Kongress-Abgeordneten abschließend vor allem dazu, Energiestandards für Mining-Hardware einzuführen. Dann dürfte das Equipment beispielsweise nur noch eine bestimmte Menge Strom verbrauchen. Dass das Energieministerium dem Vorschlag nachkommen wird, ist jedoch zumindest in naher Zukunft als unwahrscheinlich zu betrachten. Denn derzeit gibt es keinerlei solcher Richtlinien für Computerprodukte. Für Kühlanlagen wiederum gibt es solche Standards bereits.

Künftig könnten jedoch eine staatlich angeregte Selbstverpflichtung zum Stromsparen sowie Energiestandards privater Datenzentren einen Unterscheid machen. Für staatliche Einrichtungen gelten solche Vorschriften bereits. Allgemeine Richtlinien wiederum könnten einen wichtigen Beitrag leisten, den Energieverbrauch von Bitcoin und Blockchains einzudämmen.

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