Klartext: Warum Blockchain-Konferenzen die strukturellen Probleme des ICO-Marktes offenbaren
Blockchain-Konferenzen, Klartext: Warum Blockchain-Konferenzen die strukturellen Probleme des ICO-Marktes offenbaren

Quelle: Young men with microphone via Shutterstock

Klartext: Warum Blockchain-Konferenzen die strukturellen Probleme des ICO-Marktes offenbaren

Als letzten Herbst die Themen Blockchain und Kryptowährungen in der öffentlichen Aufmerksamkeit hochgekocht sind, war die Nachfrage nach Blockchain-Konferenzen enorm und das Angebot an Konferenzen kam dieser Nachfrage kaum nach. Nun, mehrere Monate später, ist das Interesse an der Krypto-Ökonomie zwar immer noch hoch, doch stellt sich eine Sättigung an Blockchain-Konferenzen ein – der Ticketverkauf wird immer schwieriger, die nachträglichen Rabatte immer größer.

Praktisch jede Woche findet irgendwo in Europa eine Blockchain-Konferenz statt, die für sich beansprucht, die größte, tollste, beste zu sein. Das Wettrüsten um die meisten Speaker, die meisten Aussteller, die meisten Investoren ist längst im Gange. Um Wissensaustausch bzw. Wissensvermittlung hingegen geht es auf diesen Konferenzen schon lange nicht mehr.

Das Versprechen ist einfach: Den ICO-Ausstellern wird in Aussicht gestellt, auf viele vermögende Investoren zu treffen und den Investoren wiederum wird versprochen, die aussichtsreichsten ICOs kennenzulernen. Abgerundet werden diese internationalen Networking-Veranstaltungen durch Vorträge und Panels zu den immer gleichen Themen. Der Übergang zwischen objektiver Wissensvermittlung und Pitch des eigenen Projektes ist in Teilen fließend. Auch trifft man immer wieder auf die gleichen Speaker, sodass sich gelegentlich die Frage stellt, ob einige dieser Personen überhaupt noch einer ernsthaften Beschäftigung nachgehen (etwa an einem Blockchain-Projekt arbeiten) oder inzwischen zu hauptberuflichen Blockchain-Speakern geworden sind.

Die Beliebigkeit von Blockchain-Konferenzen

Die Konferenzen werden dabei immer mehr zum Selbstzweck, um die horrenden Marketingbudgets der ICOs zu verpulvern. In der Pre-ICO-Phase werden gerne um die 80 Prozent der eingesammelten Gelder für Marketing ausgegeben, danach sind es oftmals immer noch 30 bis 50 Prozent – viel Geld für Innovation bleibt dann oft nicht mehr. Angetrieben von dieser sich inzwischen verselbstständigten Marketingmaschinerie verschwimmen die Ausstellerstände zu einem optischen Einheitsbrei. Rollup-Banner mit einer Weltkugel als Hauptmotiv und dezentralen Leuchtpfaden zieren die Cover der Werbematerialien. Dazu werden dann zusätzlich Schlagwörter wie: AI, IoT, Big Data oder Peer-to-Peer aufgedruckt und in Kombination mit dem Wort Blockchain gesetzt. Fragt man die ICO-Aussteller, warum es gerade eine Blockchain-Lösung für ihr Businessmodell sein muss oder welche Funktion der Token eigentlich erfüllen soll, bekommt man auswendig gelernte Phrasen zu hören – wirklich klüger ist man danach nur selten. In Marktschreier-Manier wird in den ICO-Ausstellerbereichen um das knappe Gut Aufmerksamkeit gebuhlt, die jedes einzelne Startup dazu zwingt, in Superlative zu verfallen, um zumindest etwas Gehör zu finden – hier offenbaren sich die strukturellen Probleme des ICO-Markts.



Dennoch: Bei aller Kritik und allem Unbehagen haben diese Konferenzen ihre Berechtigung. Es braucht große internationale Treffen, um die globale Krypto-Community physisch an einem Ort zu versammeln. Viele suchen genau diese Networking-Events, um auf Investoren zu treffen und Geschäftsbeziehungen aufzubauen. Als Teilnehmer muss man allerdings wissen, worauf man sich bei solch einer Veranstaltung einlässt – anstatt Blockchain-Konferenz wäre die Bezeichnung ICO-Tupperparty in vielen Fällen jedenfalls deutlich treffender.

Es geht auch anders

Für diejenigen, die nicht nur Geld sparen möchten, sondern auch tiefgründige Gespräche über die Technologie suchen, sind in aller Regel andere Veranstaltungsformate empfehlenswerter. Da wären zum einen die zahlreichen Meetups, die von Startups, Privatpersonen, Co-Working-Spaces, Agenturen und Unternehmen in den großen Städten veranstaltet werden. Hier gibt es zwar kein Buffet oder schicke Tüten mit Giveaways. Aber dafür erwartet einen eine familiäre Atmosphäre in kleinen Gruppen von 20 bis 50 Teilnehmern, zwei bis drei Vorträge zu einem fachlich anspruchsvollen Thema und anschließend eine intensive Diskussion. Vertreter der Fraktion „Lambo“ sind hier deutlich seltener anzutreffen, das Niveau ist tendenziell höher.

Die richtigen Fragen findet man auf Branchen-Konferenzen

Korrespondierend dazu bilden sich immer stärker branchenspezifische Fachveranstaltungen heraus. Diese gehören beispielsweise zum Themenkreis Blockchain im Logistikbereich oder Blockchain im Energiesektor. Das Positive an diesen Branchenveranstaltungen sind die sachlichen und kritischen Einordnungen von Branchenspezialisten. Diese kennen schon seit vielen Jahren die Herausforderungen und Chancen ihres Sektors. Auch wenn hier nicht jeder Teilnehmer Blockchain-Spezialist ist, sind gerade die aufkommenden Fragen nach einer sinnvollen Blockchain-Integration im entsprechenden Sektor enorm wertvoll. Heraus kommt dabei ein Realismus, der bei den ICO-Konferenzen oftmals vollkommen fehlt.



Hochschulen holen auf

Immer stärker drängen auch die Hochschulen auf das Blockchain-Parkett und veranstalten entsprechende Fachkonferenzen. Diese sind zwar nicht sonderlich glamourös, aber dafür deutlich sachlicher und differenzierter als die pompösen Blockchain-Konferenzen in großen Hotelketten. Auch die Blockchain-Technologie muss sich den qualitativen und quantitativen Methoden der Wissenschaft stellen, wenn sie von Politik und Unternehmen anerkannt werden will. In Deutschland haben sich hierbei besonders die Universität Kassel, die HTW Berlin, die Hochschule Mittweida und die Frankfurt School of Finance hervorgetan. Die genannten Hochschulen bieten neben Forschungsprojekten und Lehre regelmäßig Blockchain-Veranstaltungen an, die auch der Öffentlichkeit zugänglich und im BTC-ECHO-Eventkalender zu finden sind.

BTC-ECHO

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