„Kalkuliertes Risiko“ – Wie Goldman-Vize Chris Matta und andere den Sprung ins Digitale wagen

David Barkhausen

von David Barkhausen

Am · Lesezeit: 3 Minuten

David Barkhausen

David Barkhausen hat als freier Journalist bereits für mehrere Tageszeitungen, Funk, Fernsehen und nebenbei seinen eigenen Blog geschrieben. Seit 2017 widmet sich der Master-Student der Politikwissenschaften der Universität Heidelberg dem Themenkomplex Blockchain. In diesem Zusammenhang fokussiert er sich vor allem auf die Bereiche Regulierung, Gesellschaft und Wirtschaftspolitik.

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Nur zwei Tage nach seiner Beförderung zum Vizepräsidenten verließ Chris Matta im vergangenen Dezember den Investmentriesen Goldman Sachs, um sich stattdessen ganz seinem Kryptofonds Crescent Crypto Asset Management widmen. So ungewöhnlich sein Schritt anmuten mag, so sehr macht der Wechsel vom höchsten Parkett des Bankenwesens in die Kryptowelt Schule. Dieser Tage wagen immer mehr Banker den Sprung in die noch unerschlossene Branche der Kryptofinanzen – unter ihnen zahlreiche Ehemalige aus dem Haus Goldman-Sachs.

Der Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 30. Juni 2019 05:06 Uhr von David Barkhausen

Für eine Zukunft im Digitalen der Wall Street den Rücken kehren – manch ein Finanzveteran wird bei diesem Gedanken müde den Kopf schütteln. Dennoch scheint dies lange kein ungewöhnliches Bild mehr.

Einen solch rigorosen Sprung, wie ihn Chris Matta im Dezember wagte, trauen sich jedoch die wenigsten. Nur zwei Tage nach seiner lukrativen Beförderung zum Vize des Investmentriesen Goldman-Sachs strich er in die Segel und setzte neuen Kurs. Gemeinsam mit ehemaligen Kollegen widmet er sich seitdem ganz dem 2017 gegründeten Investmentfonds Crescent Crypto Asset Management. Diesen hatten sie im vergangenen Jahr auf dem bisherigen Höhepunkt der Bitcoin-Euphorie ins Leben gerufen:

„Man kann guten Gewissens behaupten, dass man eine ordentliche Summe Geld liegen lässt, wenn man Goldman verlässt. Aber ich habe das als kalkuliertes Risiko gesehen“,

beschreibt Matta gegenüber  CNBC die vor allem finanziell folgenreiche Karriereentscheidung, vor der viele Banker stehen.

„Sie haben den Geschäftsführer gerufen und er meinte im Grunde ‚Bist du verrückt? Ist dir bewusst, welches Risiko du eingehst? Du lässt deinen Bonus liegen!’”


Matta jedoch ließ sich nicht beirren.

Krypto-Schmiede Goldman-Sachs

Allein jedoch ist er mit seiner Entscheidung, der Wall Street den Rücken zu kehren und sich in Richtung des derzeit wilden Westens des Finanzwesens zu wenden, nicht.

Immer mehr Goldman-Banker wagen dieser Tage den Schritt weg von der Sicherheit und dem großen Geld, hin zum digitalen Geschäft mit Kryptowährungen. Den Schritt ins Digitale vorgemacht hat unter anderem Investment-Legende Mike Novogratz. Er leitet derzeit seine eigene Kryptobank, Galaxy Digital.

Das wohl namhafteste Mitglied dieser Riege ist zudem kein geringerer als Ex-Goldman-Vize und Trump-Berater Gary Cohn. Wie in der vergangenen Woche berichtet, plant der ehemalige Leiter des Nationalen Wirtschaftsrates wie sein ehemaliger Kollege eine eigene Bank für Kryptowährungen. Nach seinem Abgang von der Wall Street hatte er Zwischenstation im Weißen Haus eingelegt, jedoch im März seinen Rücktritt verkündet.

Während immer mehr Banker ihr Glück im Digitalen suchen, vollzieht sich die Wanderung jedoch auch in die entgegengesetzte Richtung. Derweil setzen Banken, allen voran Goldman, entschieden darauf, das Geschäft mit Kryptowährungen nicht tatenlos an sich vorbeiziehen zu lassen. Ende April etwa hatte die führende US-Investmentbank mit Justin Schmidt erstmals einen Trader direkt aus der Kryptobranche rekrutiert und damit Spekulationen über einen Einstieg in den Handel mit den digitalen Bezahlalternativen wieder auflodern lassen. Solche waren vergangenes Jahr laut geworden. Berichten zufolge plante die Bank eine eigene Handelsabteilung für Kryptowährungen, Goldman hingegen bestritt dies.

Matta: „Die aufregensten Monate meines Lebens“

Monate nach seiner Entscheidung sehen die Kurse von Bitcoin & Co. weitaus weniger rosig aus, als die Euphorie Crescent Cryptos erster Stunde erhoffen ließen. Dennoch ist Matta von seiner Entscheidung überzeugt. Auch trotz einer beschwerlichen ersten Jahreshälfte 2018 sei man guter Dinge, dass sich der Sprung bezahlbar machen wird, so Matta.

„Entweder landen wir bei Null oder weit darüber. Ich bereue den Schritt überhaupt nicht. Ehrlich gesagt, waren die letzten Monate die aufregendsten meines Lebens.“

Gelingt sein Experiment, wird Chris Matta nicht der letzte Banker bleiben, der die Wall Street zu Gunsten von Kryptowährungen im Rücken lässt.

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