Interview mit Robert Maier – Wirtschaftsforum der SPD Teil 2

Tobias Schmidt

von Tobias Schmidt

Am · Lesezeit: 5 Minuten

Tobias Schmidt

Tobias Schmidt ist seit August 2017 als Redakteur im Team von BTC-ECHO tätig. Sein Fachgebiet im Krypto-Bereich sind die vielen verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

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Am Rande der Arbeitssitzung zum Thema Kryptowährungen des SPD-Wirtschaftsforums hatten wir die Möglichkeit, mit zwei Vertretern der Sozialdemokraten zum Themenfeld Blockchain und Kryptowährungen zu sprechen. Im zweiten Teil dieses Interview-Zweiteilers stellen wir Robert Maier, dem Mitgründer und Vizepräsidenten des SPD-Wirtschaftsforums, unsere Fragen.

Das fällt mir gar nicht so leicht zu beantworten und ist in jedem Fall schon einige Jahre her. Ich habe 2015 als Business-Angel in das Start-up Bitbond investiert, eines der ersten Start-ups, die sich mit dem Thema beschäftigt haben. Ich würde mich selbst nicht als Experten bezeichnen, aber die Thematik begleitet mich schon seit vier oder fünf Jahren. Aber wie genau ich das erste Mal davon gehört habe, weiß ich ehrlich gesagt gar nicht mehr so genau. Ich erinnere mich aber, dass ich zunächst über die Anwendung Kryptowährungen auf die Blockchain als Technologie gekommen bin. Wobei ich mittlerweile die Technologie spannender finde.

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Im nun ausgehandelten Koalitionsvertrag kommt ganze sieben Mal das Wort Blockchain vor. Das klingt zunächst viel. Wie optimistisch dürfen wir denn sein, dass die neue Regierung sich des Themas auch wirklich ernsthaft annimmt?

Also ich bin sehr optimistisch. Es wird erkannt, dass es in Bezug auf Kryptowährungen Regulierungsbedarf gibt, der jedoch von einem positiven Ansatz getrieben ist. Kryptowährungen werden eben auch als Chance gesehen. Generell habe auch ich persönlich immer dafür plädiert, Digitalisierung als Chance zu begreifen, was auch im Koalitionsvertrag angekommen ist. Auch die Möglichkeiten der Blockchain sind erkannt worden. Es wird jetzt einen Meinungsbildungsprozess geben, den auch wir vom SPD-Wirtschaftsforum begleiten wollen, indem wir Experten aus Wirtschaft und Politik zusammenbringen. Das grundsätzliche Bewusstsein ist da, insbesondere in Bezug auf den Kryptowährungsaspekt – bei manchen werden hier auch Assoziationen zum neuen Markt geweckt. Dementsprechend besteht auch die Sorge, dass das Thema schnell „verbrennen“ könnte, wenn man die Verbraucher eben nicht auch schützt.  Natürlich wird man schauen müssen, ob es eher ein Thema für die europäische Ebene ist. Nationale Gesetzgebung und Regulierung kann manchmal schneller sein. Bevor wir 10 Jahre auf europäische Initiativen warten, sollten wir auf nationaler Ebene voranschreiten. Prinzipiell ist das Thema jedoch europäisch, eigentlich sogar global zu behandeln, denn Technologien machen nicht an Ländergrenzen Halt.

Die beiden Hauptaugenmerke des Koalitionsvertrags sind eben auch die Implementierungsmöglichkeiten der Blockchain-Technologie und die Regulierung von Kryptowährungen. Was glauben Sie, welche der beiden Punkte ist wichtiger und dringender.

Ich glaube, die Regulierung von Kryptowährungen ist kurzfristig das wichtigere Ziel, um Schaden von der gesamten Technologie abzuhalten. Wir sehen schon jetzt einzelne Betrugsfälle, die zu Totalverlusten geführt haben. Hier müssen Marktteilnehmer geschützt werden, denn wenn der Markt einmal verbrannt ist, dann ist er nur schwierig zurückzugewinnen. Ich habe die Hoffnung, dass eine vernünftige Regulierung Vertrauen schaffen und auf der Basis dessen der gesamte Bereich auch weiter wachsen kann. Prinzipiell halte ich das Thema Blockchain jedoch für den viel größeren und wichtigeren Markt. In der eben erfolgten Diskussionsrunde (mit Dr. Jens Zimmermann und Radoslav Albrecht, Anm. d. R.) klang an, dass wir uns über die Tokenisierung von Assets Gedanken machen müssen. Jemand brachte etwa das Beispiel einer Schreibtischlampe aus Holz, bei der man nachvollziehen kann, dass dieses Holz nicht im Regenwald abgeholzt wurde, sondern aus nachhaltiger Herstellung kommt. Ebenso kann man Token einsetzen, die aus erneuerbaren Energien stammen. Volkswagen oder die Lufthansa können Blockchain beispielsweise auch in der Transparenz von Lieferketten nutzen, um zu zeigen, dass nur Originalteile eingesetzt werden. Diese Beispiele fand ich ganz passend. Abseits des Hypes muss man jedoch auch überlegen, an welchen Stellen Intermediäre einen Sinn erfüllen. Bei einem Hauskauf kann es beispielsweise durchaus sinnvoll sein, dass dort ein Notar sitzt, der dem Kunden den Prozess erklären kann – auch wenn die reine Abwicklung auch ohne Notar über die Blockchain möglich wäre.

Mit dem Blockchain-Bundesverband existiert seit dem letzten Jahr auch eine Interessenvertretung der deutschen Blockchain-Szene. Welchen Einfluss hat das auf die Entscheidungsfindung in der Politik?

Grundsätzlich sind Interessenvertretungen der richtige Weg, denn so verschafft man sich Gehör und bietet Austauschmöglichkeiten an. Prinzipiell haben solche Verbände immer die Möglichkeit, Einfluss zu nehmen, womit ich nicht meine, im negativen Sinne Partikularinteressen durchzusetzen, sondern vielmehr das Wissen der Politik zu vergrößern. Niemand erwartet von mehr als 700 Abgeordneten, dass diese in jedem Thema Experten sind. Es gibt jedoch den Wissensdurst in den Fachausschüssen und den Ministerien, sich genauer mit der Thematik zu beschäftigen. Gerade wir vom SPD-Wirtschaftsforum wollen ja einen solchen Austausch fördern. Wichtig ist nur, dass die Politik den Eindruck erhält, dass es sich hier um einen ehrlichen Austausch handelt, bei dem gleichermaßen Chancen und Risiken aufgezeigt werden.

Zum Abschluss: Was hoffen Sie und was glauben Sie, wo wir am Ende der jetzt beginnenden Legislaturperiode stehen werden?

Ich glaube, dass wir am Ende der Legislatur eine Regulierung der Kryptowährungen haben werden. Das bedeutet nicht automatisch, dass etwas komplett Neues ausgearbeitet wird, womöglich werden Kryptowährungen auch einfach in Asset-Klassen oder ähnliches eingeordnet und so Klarheit durch die Regulierung geschaffen. In Bezug auf die Blockchain generell erwarte ich, dass die gesellschaftlichen Vorteile genauer herausgearbeitet worden sind, da vielen vermutlich noch gar nicht bewusst ist, was in diesem Bereich überhaupt möglich ist. Deshalb sollte man sinnvolle Use-Cases auch tatsächlich konkretisieren und im reellen Leben zum Einsatz bringen. Ich habe auch das Gefühl, dass hier weniger Regulierung als vielmehr eine steigende Akzeptanz in der Bevölkerung der Schlüssel zum Erfolg ist. Hier müssen also die konkreten Vorteile für die Menschen herausgestellt werden.

In welchen Bereichen ist das denn realistisch?

Die konkretesten mir bekannten Beispiele sind in der industriellen Fertigung, also im Bereich Logistik. Hier stellt sich die Frage, wie man sicherstellen kann, wann welches Produkt wo gewesen ist und wann welche Transaktion stattgefunden hat. Dort kann etwas vorangehen, da wir dort auch weitestgehend von der breiten gesellschaftlichen Akzeptanz unabhängig sind. Wenn ein Konzern wie Volkswagen sich entscheidet, einzelne Fertigungsteile über die Blockchain verfolgen zu lassen, kann dies relativ reibungslos geschehen.

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