Interview: ICORating – Glaubwürdigkeit für ICOs?

Quelle: Brian Kean

Interview: ICORating – Glaubwürdigkeit für ICOs?

ICORating ist ein Start-up, das unabhängige Analysen zu ICOs anstellt, diese bewertet und anschließend ein Rating erstellt. Wir wollen dem Konzept der Bewertung von ICOs einmal genauer auf den Grund gehen. Dazu haben wir mit Brian Kean gesprochen, dem Chief Business Development Officer von ICORating.

Es stimmt schon, dass ein Großteil der Projekte, die jetzt einen ICO gestartet haben, in Zukunft wahrscheinlich keine erfolgreichen Unternehmen sein werden. Der ICO-Markt wächst rasant und ist zu wenig reguliert, daher erscheint es für viele Projekte als schneller und attraktiver Weg, um an Kapital zu kommen. Token solcher Projekte können gehandelt werden und Investoren auf kurze Sicht Geld einbringen, aber die Tendenzen des Marktes zeigen auch, dass solche Token in Zukunft an Wert verlieren werden, da eine nachhaltige Implementierung eines Token in die Infrastruktur des Projekts eine notwendige Bedingung für das langfristige Wachstum des Token-Werts ist.

Offensichtlich ist das Investieren in ICOs sehr riskant und kann für einige Investoren auch in einem Crash enden, aber aus genau diesem Grund benötigen wir ein unabhängiges Evaluationssystem für Projekte. Das Bewerten von ICOs ermöglicht es Investoren, ihre Entscheidungen bei der Auswahl eines Projekts abzuwägen. Allgemein gesprochen würden wir den ICO-Markt nicht als Blase bezeichnen. Wahrscheinlich wird sich die Beschaffenheit des Marktes zukünftig ändern, wenn dieser stärker reguliert und leichter zu verstehen wird.

Also brauchen wir mehr Regulierung? Und wie soll diese aussehen?

Selbstverständlich brauchen wir die, jedoch nicht zu einschränkend. Es ist nötig, eine vorteilhafte, sichere und legale Umgebung zu schaffen, von der sowohl das Projekt als auch der Investor profitieren. Sie sollten nicht nur durch staatliche Gesetze kontrolliert werden, sondern auch durch interne Regulierung wie unabhängige Rating Agenturen – ähnlich wie es auch am traditionellen Markt geschieht.

Unserer Meinung nach müssen Regierungen festlegen, was ein ICO ist, ein Mittel, Kapital zu beschaffen und wie man diesen regulieren kann. Neue Regularien sollen mehr Sicherheit garantieren, jedoch nicht dazu beitragen, eine große Zahl von potentiellen Investoren abzuschrecken.

China hat ICOs bereits verboten, Südkorea ebenfalls. Für wie wahrscheinlich hältst du es, dass weitere Länder diesem Beispiel folgen werden?

Unserer Meinung nach werden die anderen Länder dem Beispiel Chinas nicht folgen und auch China wird sich bald eines Besseren besinnen. Das Problem von Verboten ist, dass sie Kapital aus dem eigenen Land hinausbewegen, was es für Investoren weniger attraktiv macht, in dem Land zu investieren. Dies resultiert dann unter anderem in niedrigeren Steuereinnahmen.

Wir denken, dass in den kommenden drei Jahren alle führenden Nationen eine regulative Handhabung gefunden haben werden, und die Welt sich nach den Schritten ausrichten wird, die die USA, Singapur oder das UK tätigen werden. Wir hoffen, dass dieser Prozess gut ausbalanciert sein wird und sind bereit, in der Ausgestaltung mitzuhelfen und unser Wissen und unsere Erfahrungen zu teilen.

Glaubst du, dass ICOs in 5 Jahren genauso üblich sein werden wie IPOs?

Obwohl die Märkte für ICOs und IPOs ähnlich aussehen, sind sie doch sehr verschieden. Die Mechanismen sind zwar vergleichbar, die Maßstäbe der Investments unterscheiden sich allerdings gewaltig. Zudem ist es wichtig zu verstehen, dass der Hauptunterschied zwischen diesen beiden Fundraising-Optionen der ist, dass in einem IPO der Investor einen Teil des Unternehmens erwirbt und auf diese Weise ein Recht erhält, im Geschäft mitzuwirken; während bei einem ICO der Investor einen Token erwirbt, der dazu verwendet werden kann, ein Produkt des Unternehmens zu erwerben. Zudem sollte der Großteil des Geldes, welches in einem ICO eingesammelt wird, für die Weiterentwicklung des Geschäftsmodells verwendet werden, das genauestens in einem Smart Contract beschrieben ist.

Wir glauben also, dass der zukünftige ICO-Markt, sobald dieser reguliert ist, eine Art „Small-Scale“ IPO werden kann. Außerdem kann ein ICO nicht bloß ein Instrument für die erste Phase eines Fundraising-Projekts sein, sondern auch als Mittel eines Pre-IPO-Geldeinsammelns dienen.

BTC-ECHO

Jetzt in Kryptowährungen investieren: Kryptowährungen kaufen, verkaufen oder traden – wir haben die besten Broker, Börsen und Zertifikate zusammengestellt: Bitcoin kaufen | Ether kaufen | Ripple kaufen | IOTA kaufen | Broker-Vergleich

Mehr zum Thema:

Ähnliche Artikel

Julian Hosp zu Mikrotransaktionen: „Die Nutzerfreundlichkeit ist der Knackpunkt“
Julian Hosp zu Mikrotransaktionen: „Die Nutzerfreundlichkeit ist der Knackpunkt“
Blockchain

Dr. Julian Hosp zählt zu den bekanntesten Köpfen in der deutschsprachigen Bitcoin- und Blockchain-Community. Mit seinen zahlreichen Vorträgen, Büchern und YouTube-Beiträgen hat er sich zum Ziel gesetzt, die Menschen „cryptofit“ zu machen. Entsprechend gehört auch er zu der Gruppe der Publisher, ergo Verlage, Medienplattformen oder Blogger, die Inhalte produzieren, um sie der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. In diesem Kontext stellt sich die Frage, wie Kryptowährungen und Blockchain-Lösungen das Verlagswesen zukünftig verändern können. Wir haben nach seiner Einschätzung gefragt und über die Chancen von Mikrotransaktionen gesprochen.

Litecoin-Halving: Einfluss auf den Kurs?
Litecoin-Halving: Einfluss auf den Kurs?
Insights

Die Belohnung für das Mining von Litecoin wird in drei Tagen halbiert. Statt 25 LTC gibt es bald nur noch 12,5 LTC. Warum manche einen Schock fürchten, andere Einkaufen und Charlie Lee entspannt bleibt.

Newsletter

Die aktuellsten News kostenlos per E-Mail

Aktuell

IOTA veröffentlicht Roadmap für Coordicide
IOTA veröffentlicht Roadmap für Coordicide
Altcoins

Am 29. Mai dieses Jahres hat IOTA den Coordicide angekündet, dahinter verbirgt sich die Abschaltung des Koordinators, der IOTA-Transaktionen überwacht. Nun hat die IOTA Foundation eine Roadmap vorgestellt.

Steve Wozniak: Apple-Mitgründer will nach Malta
Steve Wozniak: Apple-Mitgründer will nach Malta
Tech

Der Apple-Mitgründer Steve Wozniak gab bei einer Podiumsdiskussion seine Zukunftspläne bekannt. Was ihn bewegt, nach Malta zu gehen und welche Unternehmensidee er unterstützen will.

Datenleak bei Bitcoin-Börse QuickBit enthüllt Kundendaten
Datenleak bei Bitcoin-Börse QuickBit enthüllt Kundendaten
Sicherheit

Die Bitcoin-Börse QuickBit hat versehentlich große Datenmengen geleakt. Über Tage kursierten sensible Kundendaten ohne Firewall für jedermann einsehbar im Internet. QuickBit-Kunden wird geraten, ihr Passwort zu ändern.

Deutsche Bundesbank sieht Bitcoin als „spekulatives Nischenprodukt“
Deutsche Bundesbank sieht Bitcoin als „spekulatives Nischenprodukt“
Unternehmen

Für die Deutsche Bundesbank hat das Kursgebaren von Bitcoin & Co. in den letzten Jahren vor allem eines gezeigt: Dass Kryptowährungen weder als Zahlungsmittel noch als Wertspeicher taugen. Anders blickt die Zentralbank auf das Potenzial von Stable Coins. Gegenüber dem Facebook-Coin Libra nimmt die Bundesbank eine argwöhnisch-abwartende Haltung ein.

Angesagt

Trading-App Robinhood sammelt 323 Millionen US-Dollar ein
Invest

Die Trading-Plattform Robinhood sammelt in einer Series-E-Funding-Runde 323 Millionen US-Dollar ein. Damit ist das Unternehmen mit 7,6 Milliarden US-Dollar bewertet. Das Geld soll auch in den Ausbau der Krypto-Sparte fließen, diese ist jetzt bereits in 30 US-Bundesstaaten verfügbar.

Bitcoin-Gerüchteküche: Justin Sun in China angeklagt
Szene

Neues aus der Bitcoin-Gerüchteküche. Gegen Justin Sun soll aktuell ermittelt werden. Die Gerüchte kamen auf, als der Gründer und Vorsitzende der Kryptowährung TRON sein Krypto-Dinner mit Warren Buffet und „Größen“ aus dem Bitcoin-Ökosystem abgesagt hat.

Bitcoin-Börse BitFinex und Tether ziehen sich aus der Verantwortung
Krypto

Der Gerichtsprozess rund um die in Verruf geratene Bitcoin-Börse BitFinex und den Stable-Coin-Anbieter Tether geht in eine neue Runde. Nun sagt einer der Anwälte der Firmen, dass weder BitFinex noch Tether Kunden in den USA betreuen würden.

BaFin genehmigt ersten Immobilien-Token
STO

Die BaFin genehmigt das erste deutsche Security Token Offering (STO) für blockchainbasiertes Immobilieninvestment und das zweite deutsche STO überhaupt. Damit gibt die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht den Startschuss für digitale Wertpapiere im Real-Estate-Bereich. Ein neues Anlagevehikel?

Warte mal kurz ... !

Kennst du schon unseren Newsletter? Wir versorgen dich kostenlos mit den spannendsten News der Krypto- und Blockchainszene: