Indischer Bundesstaat Maharashtra setzt auf großangelegte Blockchain-Initiative

David Barkhausen

von David Barkhausen

Am · Lesezeit: 3 Minuten

David Barkhausen

David Barkhausen hat als freier Journalist bereits für mehrere Tageszeitungen, Funk, Fernsehen und nebenbei seinen eigenen Blog geschrieben. Seit 2017 widmet sich der Master-Student der Politikwissenschaften der Universität Heidelberg dem Themenkomplex Blockchain. In diesem Zusammenhang fokussiert er sich vor allem auf die Bereiche Regulierung, Gesellschaft und Wirtschaftspolitik.

Mumbai (Symbolbild)

Quelle: Shutterstock

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Maharashtra, der zweitgrößte indische Bundesstaat, will mit einer großangelegten Initiative dem Einsatz von Blockchain-Technologien den Weg ebnen. Helfen soll dabei eine sogenannte „Regulatory Sandbox“, die innerhalb der kommenden Monate eingerichtet werden soll. Künftig will die Regierung Blockchain-Technologien unter anderem im Agrarsektor sowie in der öffentlichen Verwaltung einsetzen.

Wer hierzulande den weltweiten Vormarsch von Blockchain-Technologien verfolgt, der kommt um den Blick nach Osten nicht herum. Doch nicht nur ostasiatische Technologievorreiter wie Japan, Südkorea oder China haben die Potentiale der Technologien fest im Blick. Dass auch Indien seine Augen auf die Blockchain richtet, beweisen die jüngsten Nachrichten aus dem aufstrebenden Schwellenland.


Nachdem in der Vergangenheit bereits der indische Bundesstaat Andhra Pradesh die Möglichkeiten dezentraler Netzwerke für sich getestet hat, setzt mit Maharashtra nun die nächste Regionalverwaltung auf Blockchain-Technologien.

Im Zuge einer großangelegten Technologieinitiative will der westindische Bundesstaat künftig Blockchain-Lösungen in Lieferketten, der Agrarwirtschaft sowie in der öffentlichen Verwaltung – in der Registrierung von Fahrzeugen und offiziellen Dokumenten – zum Einsatz bringen. Gelingt dies, will man die Nutzung ausweiten. Von entsprechenden Pläne berichtete das englischsprachige Nachrichtenportal DNA an diesem Montag, dem 19. August.

„Regulatory Sandbox“ soll offizielle Nutzung vorbereiten

Damit der breite Einsatz der Technologien glückt, will die Regierung nun innerhalb der kommenden Monate zunächst eine sogenannte „Regulatory Sandbox“ einrichten. Darunter versteht man eine Art Experimentierraum. In diesem können Unternehmen ihre Software in einem bestimmten Zeitraum und unter Anleitung und Aufsicht zuständiger Behörden testen. Oft müssen sie dabei nicht alle gesetzlichen Auflagen erfüllen. Dies soll ihnen helfen, einerseits die Potentiale ihrer Technologielösungen, andererseits deren Baustellen bereits vor Markteintritt und der offiziellen Nutzung ausloten.

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In Maharashtra will die Regierung innerhalb der nächsten zwei Jahre nun bis zu 140 Millionen Rupien [rund 1,8 Millionen Euro] ausgeben, um die Entwicklung der Blockchain-Technologien voranzutreiben. In den vergangenen Monaten hätte man bereits zahlreiche Pilotversuche durchgeführt und damit einen „umfassenden Einsatz“ vorbereitet, berichten Regierungsvertreter gegenüber DNA.

[Mit der Blockchain] setzt die Landesregierung eine Spitzentechnologie ein, um die Effizienz der Regierungsführung zu verbessern […]. In den kommenden fünf bis sechs Monaten wird nun eine Regulatory Sandbox eingerichtet, die den gemeinsamen Rahmen für die Einführung der Blockchain-Technologie darstellt,

fasst der zuständige Generalsekretär des IT-Ministeriums SVR Srinivas den Vorstoß der Regierung zusammen.

Trotz Vormarsch der Blockchain droht bei Kryptowährungen Stillstand

Mit seinen 114 Millionen Bewohnern ist Maharashtra nicht nur das zweitgrößte Verwaltungsgebiet des südasiatischen Landes. Zudem beheimatet der indische Bundesstaat mit Mumbai das Wirtschafts- und Finanzzentrum Indiens. An Einsatzmöglichkeiten entwickelter Blockchain-Lösungen abseits der offiziellen Nutzung vonseiten der Regierung wird es hier künftig nicht mangeln. Einzelne Unternehmen haben die Blockchain wiederum bereits in den Blick genommen.

Eines dieser Krypto-Enthusiasten ist der Riesenkonzern Reliance Industries, der zu den wichtigsten Wirtschaftsmotoren sowohl Mumbais als auch gesamt Indiens zählt. Erst in der vergangenen Woche hatte dessen Haupteigentümer und Geschäftsführer Mukesh Ambani angekündigt, in den kommenden Jahren „eines der größten Blockchain-Netzwerke weltweit“ ins Leben rufen zu wollen. Mit dem Projekt will der laut Forbes reichste Mann Asiens vor allem der heimischen Agrarindustrie unter die Arme greifen. Zudem soll das Netzwerk helfen, die persönlichen Daten der indischen Bürger zu schützen.

Während Blockchain-Anwendungen damit dieser Tage immer beliebter zu werden scheinen, droht Kryptowährungen in Indien derweil Stillstand. Im Kampf gegen Steuerhinterziehung will das Parlament bis zum Ende des Jahres über einen Gesetzentwurf entscheiden, der Bitcoin & Co. gänzlich verbieten soll. Beobachter fürchten riesige Verluste für die Wirtschaft des Landes.


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