ICOs: Woran hakt es momentan?

Chiara Bachmann

von Chiara Bachmann

Am · Lesezeit: 4 Minuten

Chiara Bachmann

Chiara Bachmann studiert im Master Wirtschaft & Recht mit Schwerpunkt Finance an der Hochschule Aschaffenburg. Sie interessiert sich nicht nur für Anwendungen in der Finanzbranche, sondern auch für den gesellschaftlichen Wandel, den die Blockchain mit sich bringen kann. Es ist ihr eine besondere Herzensangelegenheit auch Frauen für die Thematik zu begeistern.

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Quelle: Selective focus of a pencil being used for writing via Shutterstock

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Im vergangenen Jahr stieg das durch ICOs eingebrachte Kapital recht stetig an. Klar ist auch warum: Es ist eine einfache Form, die eigene Business-Idee zu finanzieren.

Der Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 30. Juni 2019 05:06 Uhr von Tanja Giese

Wirft man nun einen Blick auf die Zahlen für 2018, so wird sofort klar: Das investierte Kapital nahm rapide ab. Man könnte nun noch entgegenwirken und die Behauptung aufstellen, dass die investierten Gelder im April immer noch über denen von November liegen. Bei einer genaueren Betrachtung wird man jedoch feststellen, dass ca. die Hälfte des April-Kapitals durch den EOS-ICO abgedeckt wird. Telegram (TON) sowie EOS beeinflussten beide auch das Februar-Hoch zu einem maßgeblichen Teil. Worauf nun dieser erhebliche Rückgang zurückzuführen ist, wollen wir einmal genauer unter die Lupe nehmen.

ICO – der Kugelfisch unter den Vermögensanlagen?

Es ist nicht von der Hand zu weisen: Eine hohe Anzahl an ICOs entpuppen sich als Scam. Lediglich 8 Prozent der ICOs sind erfolgreich und werden auf Exchanges gelistet. Dass das die Regulatoren aufhorchen lässt, ist selbstverständlich. Im Juli letzten Jahres veröffentlichte die US-amerikanische SEC den „DAO Report“, welcher offenbarte, dass es sich bei einigen ausgegebenen Token nach dem Securities Act von 1933 um einen Investmentvertrag handelt. Danach fallen diese Token unter die Regulierung der SEC. Diesen Beschluss setzte die SEC auch vier Monate später im Fall Munchee Inc. durch. Diese Ereignisse führten dann zu einigen Vorladungen und Vollstreckungsmaßnahmen Anfang dieses Jahres.

Total Capital Raised by ICOs via Medium

In Summe führen diese Ereignisse dazu, dass weniger Kapital in ICOs investiert wird, wie auf der obenstehenden Grafik zu sehen ist. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass durch den Würgegriff der SEC ein ICO als Finanzierungsform für Gründer uninteressanter wird.

Vorteile von ICOs nicht von der Hand zu weisen


Grundsätzlich hat ein ICO viele Vorteile gegenüber dem Venture Capital, was man als klassische Finanzierungsform in der Gründerszene sieht. Möchte man als Gründer einen Venture-Capital-Investor finden, so kommen viele weitere Aufgaben wie Pitch Decks, Executive Summaries, Due Diligences etc. auf einen zu. Außerdem besteht die Möglichkeit, dass man Firmenanteile an Investoren abtreten muss. Um dies rechtlich korrekt durchzuführen, bedarf es weiterer Anwälte, die wiederum Geld kosten.

Ein ICO erscheint für viele Gründer der leichtere Weg: Man kann auf einfache Weise, schneller mehr Kapital einholen, als es beim Venture Capital der Fall ist. Außerdem wird man im besten Fall finanziell von Menschen unterstützt, die die gleiche Vision haben.

Auch für Investoren gibt es einige Vorteile: Während man beim Venture Capital nur mit sehr hohen Beträgen investieren kann, kann man an den meisten ICOs mit wenigen 100 Euro teilnehmen. Bei beiden Investitionsformen herrscht ein hohes Risiko. Beim Venture Capital ist das Geld jedoch meist auch für mehrere Jahre gebunden. Außerdem wird eine Management Fee fällig, die man bei einem VC-Investment leisten muss.

Fakt ist: ICOs als Kapitalbeschaffungsform hat Schattenseiten, aber auch einschlägige Vorteile. Es werden innovative Geschäftsideen gefördert, hohe Wertsteigerungen sind möglich und man kann am Erfolg des Unternehmens partizipieren. Da die Welt auch hier nicht einfach nur weiß und schwarz ist, wird man sich auf einen Mittelweg einigen müssen, um langfristig ICOs nicht „weg zu regulieren“.

Ein möglicher Lösungsweg

Es ist unumgänglich, dass für ICOs eine gewisse Regulierung herrschen muss. Dass ein Rechtsrahmen für derartige Investments existiert, ist grundsätzlich sowohl für Gründer als auch für Investoren ein Vorteil. Eine Möglichkeit für einen Kompromiss wäre das sogenannte Proportionalitätsprinzip. Dies ist bereits in den MaRisk (Mindestanforderungen an das Risikomanagement), einer Verwaltungsanweisung der BaFin, die sich an Kreditinstitute richtet, implementiert.

Das Proportionalitätsprinzip besagt, dass kleinere Institute weniger Anweisungen zu befolgen haben. Unternehmen mit einem höheren Risiko müssen sich dementsprechend strengeren Regularien unterwerfen. Dieses Proportionalitätsprinzip könnte man analog auf ICOs anwenden und das benötigte Kapital als Richtwert zugrunde legen. Für Unternehmen, die beispielsweise weniger als 1 Million Euro einnehmen möchten, gelten sodann weniger Richtlinien. Dies würde im Umkehrschluss auch einen Anreiz schaffen, den Kapitalbedarf mit einem spitzen Bleistift zu kalkulieren.

Um Innovation zu fördern und ambitionierten Gründern die Chance auf eine Umsetzung ihrer Idee zu geben, ist es unerlässlich, dass die Einfachheit trotz Regulierung bestehen bleibt. Andernfalls wird die Anzahl an ICOs weiter abnehmen.

BTC-ECHO


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