ICO-Studie: Investiertes Kapital nimmt in 3 Jahren um 15.000 Prozent zu

ICO-Studie: Investiertes Kapital nimmt in 3 Jahren um 15.000 Prozent zu

In einer Analyse nähert sich das Center for Innovative Finance von der Uni Basel der Entwicklung von ICOs im Zeitraum zwischen 2014 und 2017. Die Analysen von Remo Nyffenegger und Dr. Fabian Schär ergeben unter anderem, dass das investierte Kapital um 15.000 Prozent gestiegen ist. Zudem schlagen die Forscher ein Framework zur Kategorisierung von Token Sales vor.



ICOs sind Fluch und Segen zugleich. Einerseits sind sie ein gefundenes Fressen für Scammer aller Art – die Meldungen über betrügerische ICOs stiegen in den letzten Jahren deutlich an. Andererseits bieten sie ein neues Vehikel zur Finanzierung junger Tech-Start-ups.

Diese letzteren Möglichkeiten weckt auch das Interesse der Wissenschaft – so nahmen sich Remo Nyffenegger und Fabian Schär von der Uni Basel dem Thema an. Das Ergebnis: Das investierte Kapital stieg in den Jahren von 2014 bis 2017 um 15.000 Prozent (!).

Bei der Analyse berücksichtigten die Forscher lediglich Token Sales, die im Zeitraum zwischen dem 01.01.2014 und dem 31.01.2018 erfolgreich abgeschlossen wurden:

„Auffallend ist der enorme Anstieg sowohl bei der Anzahl der Token Sales als auch beim Volumen der Finanzierungen. Während 2014 gerade mal acht Token Sales im Gesamtwert von knapp über 31 Mio. US-Dollar erfolgreich durchgeführt wurden, konnten im Jahr 2017 dreißig Mal mehr solcher Sales beobachtet werden.“

Dieser Anstieg legte laut Studie vor allem ab dem zweiten Quartal 2017 nochmal einen Zahn zu:

„Speziell ab dem zweiten Quartal des Jahres 2017 ist ein extremer Anstieg zu beobachten, der wohl auf die Zunahme des allgemeinen Interesses an der Blockchain-Technologie zurückzuführen ist. Wurden im ersten Quartal 2017 noch um die 20 Mio. US-Dollar in Token Sales investiert, betrug das gesammelte Kapital im zweiten Quartal des Jahres bereits 950 Mio. US-Dollar.“

Rahmenwerk zur Einteilung von Token Sales

Außerhalb des Zuwachses von Investitionen untersuchte die Studie vor allem die Beschaffenheit von Token Sales. Aus ihren Analysen konnten sie letztlich einen Rahmen zur Einteilung von Token Sales ableiten. Hier ein Auszug aus der Studie:

„Unser Framework gliedert sich in vier Dimensionen: Repräsentation, Funktionalität, Deckelung und Veräußerungsverfahren. Die Repräsentation beschreibt die Art, wie ein Token auf einer Blockchain abgebildet wird. Wir definieren hier drei Kategorien [Colored Coins, Smart Contract Token, Neue Blockchain]. Weiter können verschiedene Token in Abhängigkeit von ihrer Funktionalität unterschiedlich verwendet werden. Auch hier werden drei Kategorien unterschieden [Zahlungs-Token-Sale, Nutzungs-Token-Sale, Anlage-Token-Sale]. Sind Repräsentation und Funktionalität eines Tokens definiert, legt der Herausgeber fest, ob er einen ‚gedeckelten‘ (engl. capped) oder einen ‚ungedeckelten‘ (engl. uncapped) Verkauf vornehmen will. Zuletzt wird bestimmt, wie der Token veräußert wird [Holländische Auktion, Schwellenwert-Auktion, Interactive Coin Offering, Auktion mit mehreren Runden]. Dies kann als Verkauf mit fixem Preis und Angebot oder aber durch eine Auktion erfolgen.“

Die Studie bietet mit ihrer Aufschlüsselung von ICOs letztlich eine Orientierung für Unternehmen, die sich künftig mit der blockchain-basierten Finanzierungsmöglichkeit auseinandersetzen wollen.

BTC-ECHO

Über Phillip Horch

Phillip HorchPhillip Horch hat im Oktober 2017 sein Masterstudium in Literatur-Kunst-Medien an der Uni Konstanz abgeschlossen. Bereits während des Studiums arbeitete er bei diversen Redaktionen und ist nun Redakteur bei BTC-ECHO. Im Fokus seiner Arbeit steht das disruptive sozio-ökonomische Potenzial der Blockchain-Technologie.

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