Ho, ho, hodl (Pt.2): Reunion

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Ho, ho, hodl (Pt.2): Reunion

Nikolaus und K. Ruprecht wollen ihre alte Geschäftsbeziehung wieder aufleben lassen. Ist das von K. entworfene Punishment and Incentive Network (PAIN) die Technologie, die der Weihnachtsmann sich ersehnt hat? 

Als Treffpunkt einigen sich die beiden sich auf das kanadische Ufer des Lake Superior. Nikolaus wollte ohnehin noch vor den Festtagen einen Abstecher in den Süden machen und Ruprecht bereist gerade die USA, um sich vor Ort einen Eindruck von der regulatorischen Lage der US-amerikanischen Krypto-Landschaft zu machen.

Schließlich arbeitet K. gerade selbst an einem Protokoll, mit dem er nicht nur das Weihnachtsgeschäft, sondern langfristig den gesamten Markt des Schenkens und Beschenktwerdens aufmischen will. Sein Projekt, „Punishment and Incentive Network“ (PAIN), baut auf einem gerichteten azyklischen Graphen auf, den Ruprecht aus Marketinggründen „Painchain“ nennt. Die Idee: Der gesamte Prozess, von der Bilanzierung der guten und der schlechten Taten, über die Erstellung des Wunschzettels bis zur Auslieferung der Geschenke respektive der Tracht Prügel soll über die Painchain abgewickelt werden können.

Als der Weihnachtsmann am vereinbarten Treffpunkt ankommt, findet er K. Ruprecht bereits am See sitzend vor. K. blickt von seiner Rute auf, mit deren Zweigspitzen er gerade noch den Dreck unter seinen Nägeln entfernt hat.

„Netter Schlitten.“

„Danke, ist ein Hybrid“

„Ich hab mich schon gewundert, was die vier Huskies sollen. Schön zu sehen, dass du dich endlich von Rudolf, der alten Saufnase, verabschiedet hast.“

Nikloaus blickt betreten zu Boden und setzt sich neben K.

Nach einigen Anekdoten von der guten, alten Zeit dauert es nicht lange, bis das Business zum Thema wird. Nikolaus lässt Ruprecht noch einmal sein PAIN-Projekt pitchen. Der Weihnachstmann ist begeistert. PAIN passt zu seinem Vorhaben wie die Rute auf’s Gesäß.

Wie sich bald darauf zeigt, sind die Pläne des Weihnachtsmanns für PAIN noch ambitionierter als die K. Ruprechts. Er will nicht nur das Belohnungssystem und die Auslieferung über PAIN abwickeln, sondern auch die Geschenkeproduktion. Um die zugunsten des Minings reduzierte Workforce seiner eigenen Produktionsstätten zu kompensieren, soll einem chinesischem Konglomerat aus Firmen der Spielzeug- und Unterhaltungsindustrie eine Partnerschaft angeboten werden. Auf den fragenden Blick Ruprecht erwidert er: „Da sind die Lohnkosten deutlich niedriger als am Nordpol, glaube mir“

Ruprecht erklärt sich einverstanden; schließlich eignet sich die DLT hervorragend für die Optimierung von Lieferketten. Zudem wittert in dem sich anbahnenden Trend autonom agierender Spielzeugroboter einen weiteren Use Case für die Painchain. Auch im Bereich des Maschinellen Lernens könnte PAIN insbesondere das Reinforcement Learning in das Zeitalter der Dezentralisierung führen. Doch das ist die langfristige Perspektive. Zunächst gilt es, Weihnachten wieder groß zu machen – und weitere Investoren an Land zu ziehen. So ganz geheuer ist Ruprecht die polare Mining-Operation seines alten Kollegen nämlich nicht.

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„Nik, überleg dir das mit dem ICO noch einmal. Ich weiß, 2018 war ein verflixtes Krypto-Jahr, diese gottverdammten Scammer sind der Krypto-Gemeinde mit ihren Ponzi Schemes und Exit Scams ordentlich in die Parade gefahren. Aber wir brauchen mehr Funds – vor allem, wenn PAIN um die Funktionen erweitert werden soll, die dir vorschweben. Ich hoffe, dir ist klar, dass ich das unmöglich alleine coden kann. Ich brauche dazu mindestens noch zwei, besser vier, Full-Stack-Entwickler, wenn wir da in absehbarer Zeit Land sehen wollen. Und Marketing –“

„Ruprecht“, unterbrach ihn der Weihnachtsmann unwirsch. „Ich weiß ja nicht, ob es dir schon aufgefallen ist, aber mein Gesicht prangt derzeit auf praktisch jedem Produkt, mein Antlitz geistert durch alle Medien, analog wie digital. Dazu kommt noch die Armee von Doubles, die ich strategisch in Einkaufszentren, Fußgängerzonen und auf Weihnachtsmärkten platziert habe. Kurzum: Ich habe die Reichweite. Mach dir um das Marketing keine also keine Sorgen. Was die Finanzierung angeht… ho… ho… HOTSCHI!“

„Gesundheit.“

„Danke. Also, was die Finanzierung angeht, sehe ich durchaus, was du meinst. Wir müssen die Institutionellen hinter ihren Marmoröfen hervorlocken. ICOs haftet derzeit das Image verbrannter Erde an, die Gründe dafür hast du eben selbst genannt. Völlig richtig ist auch, dass meine Funds nicht ausreichen werden, um dir ein zehnköpfiges Entwicklerteam springen zu lassen. Je mehr ich darüber nachdenke, desto eher bin ich geneigt, 2019 hauptsächlich dem Fundraising zu widmen. Dreimal darfst du raten, worauf ich dabei setze“

„Auf Assassination Markets?“

„Ruprecht!“

„Auf 23, rot?“

„Ruprecht!“

„Wie wäre es, wenn du es mir einfach verrätst?“

„Ist das nicht sonnenklar? Wir warten darauf, dass Security Token Offerings an Fahrt aufnehmen. Das kann bereits im Q1 2019 soweit sein. Vielerorts arbeitet man bereits an STO-Plattformen. Ich bin dafür, dass wir zuerst den US-amerikanischen Markt aufs Korn nehmen – schließlich wurde dort  Weihnachten, wie wir es heute kennen, erfunden. Allerdings muss die SEC hier noch für regulatorische Klarheit sorgen. Du warst doch in Washington. Was waren deine Eindrücke?“

„Naja, langsam merken die selbst, dass ihr Börsengesetz von 1934 bei Kryptowährungen, Blockchain, ICOs, STOs und Co. immer mehr an seine Grenzen stößt. Die Kommissarinnen und Kommissare ringen noch um ein Krypto-Regelwerk, zeigen sich Bitcoin und Co. prinzipiell jedoch aufgeschlossen. Besonders angetan hat es dabei mir eine Kommissarin, die sich bei der Diskussion um die Zulassung von Bitcoin-ETFs als extrem krypto-freundlich geoutet hat.

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„Hester M. Peirce, aka Crypto Mom!“

„Ganz genau. Es ist also durchaus Land in Sicht und ich glaube nicht, dass es sich dabei um eine Fata Morgana handelt. Die Frage ist nur, wie lange es dauert, bis Investoren avantgardistische Projekte wie das Punishment and Incentive Network in einem sicheren regulatorischen Umfeld unterstützen können. Leider, fürchte ich, müssen wir das Weihnachtsgeschäft in diesem Jahr noch Amazon und Konsorten überlassen. Spätestens 2022 heißt es für PAIN dann: MOON“

„Und wie, schlägst du vor, verbringen wir die Zeit bis dahin? Marktforschung, informelle Treffen mit den Großen, aweng Hodln?“

„Ich meine, du bist der Boss. Wenn du ein unfertiges Produkt auf den Markt werfen willst, gut. Wir könnten eine rudimentäre Version des PAIN bereits Weihnachten 2020 lancieren. Ich plädiere jedoch für mehr Zeit.“

„Einverstanden. Ruprecht, ich glaube wir haben da ein ganz großes Ding in der Pipeline. In der Zwischenzeit werde ich meinen Teil dazu beitragen, dass die Krypto-Märkte sich wieder einigermaßen erholen. Als erstes geb ich meinen Elfen eine Gehaltserhöhung. Die sollen sie gefälligst in Bitcoin investieren. Ich möchte bis heute Abend die 4.500 US-Dollar sehen. Alles weitere besprechen wir in Q1 2019. Du kannst dich in der Zwischenzeit ja schon einmal umsehen, wo man patente Entwickler für die Painchain auftreiben kann.“

„Ist klar, Boss. Mach ich. Hab da schon eine gute Anlaufstelle gefunden.“

„Prima. Ich mach mach mich jetzt vom Acker, ist mir zu warm in diesen Breitengraden. Und Ruprecht?“

„Ja, Nik?“

„Frohe Weihnachten!“

Der Weihnachtsmann und K. Ruprecht umarmen sich zum Abschied herzlich und Nikolaus braust auf seinem Schlitten davon.

Obwohl es schon spät geworden ist, verweilt K. noch am Lake Superior und blickt in den sternenklaren Himmel. Plötzlich erscheint eine merkwürdige Silhoutte vor dem beinahe noch vollen Mond: Der Weihnachtsmann und sein ungleiches Gespann aus Rentieren und Schlittenhunden haben schon eine beträchtliche Höhe erreicht. Der Anblick erfüllt Ruprecht mit Entschlossenheit. „Moon… soon“ murmelt er und macht sich seinerseits auf den Weg.

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