Bitcoin Classic Proposal: Eine Verdoppelung der Transaktionen pro Block?

Dr. Philipp Giese

von Dr. Philipp Giese

Am · Lesezeit: 5 Minuten

Dr. Philipp Giese

Dr. Philipp Giese arbeitet als Chief Analyst für BTC-ECHO und ist auf die Bereiche Chartanalyse und Technologie spezialisiert. Der promovierte Physiker kann dabei auf jahrelange Berufserfahrung als technologischer Berater zurückgreifen. Zudem ist er zentraler Ansprechpartner im Discord-Channel von BTC-ECHO und pflegt als Speaker und Interviewer den Austausch mit Startups, Entwicklern und Visionären.

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Eine neue Version von Bitcoin Classic, einem Ableger von Bitcoin Core, könnte die Anzahl der Transaktionen pro Block verdoppeln.

Der Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 26. Mai 2019 05:05 Uhr von Mark Preuss

Bitcoin-Nutzer verlassen sich zur Zeit auf verschiedene Versionen von Bitcoin Core, dem Nachfolger des ursprünglich von Satoshi Nakamoto geschriebenen Protokolls. Die aktuelle Blocksize-Debatte öffnete jedoch die Tür zu anderen Implementationen, wie vor einiger Zeit der Aufstieg und Fall von Bitcoin XT verdeutlichte.

Die neue Version von Bitcoin Classic, letztlich eine Umstrukturierung des aktuellen Bitcoin Core, die größere Blöcke akzeptieren würde, könnte eine neue Phase in der Debatte um die Skalierung der Transaktionskapazität der Blockchain sein.

Seit nun über einem Jahr haben Mitglieder der Bitcoin-Community sich ausgiebig und oft auch erbittert über die Block Size gestritten. Das jüngste Proposal, was Bitcoin Classic beinhaltet, plant eine Erhöhung der Block Size von 1MB zu 2MB. Wenn das neue Protokoll aktiviert werden würde, würde das zu einem Split in der Blockchain führen, wobei beide branches seine eigenen abweichenden Transaktionsverläufen ab dem Zeitpunkt der Spaltung beinhalten würde.


Seit der Veröffentlichung letzten Monat hat Bitcoin Classic die Aufmerksamkeit sowohl von Befürwortern als auch von Kritikern erregt. Erstere sehen darin die nächste Phase der Software Entwicklung hinter Bitcoin, letztere eine Bedrohung der Blockchain.

Das Proposal, was wie oben beschrieben die bestehende Geschichte der Bitcoin Transaktionen in zwei Äste spalten würde (einen mit 2MB Block Size, einen mit 1MB Block Size) wird von Startups, die in der Bitcoin-Szene arbeiten, und einigen Bitcoin minern unterstützt.

Diskussionen um dieses Proposal und generell um die Frage nach dem Ja oder Nein hinter der Erhöhung der Block size haben letztlich ein Schisma in der Reddit Community um Bitcoin ausgelöst. Weitere scharfe Debatten gab es auf Twitter und den Slack-Kanälen von Bitcoin Core und Bitcoin Classic.  

Wie geht es mit Bitcoin Classic weiter?

Nun ist Bitcoin Classic also released. Wird es nun auch angenommen? Eine Vorläufige Datenerhebung läßt den Schluß zu, daß die Anzahl der mit Bitcoin Classic arbeitenden Nodes in Zukunft größer wird. Laut der Seite Coin.Dance gibt es zur Zeit etwas über 500 nodes mit Bitcoin Classic – im Vergleich dazu gibt es 4100 Bitcoin core nodes.

Man muß jedoch bedenken, daß eine Aktivierung der Bitcoin Classic Software 751 von 1.000 Minern, die 2MB Blocks unterstützen, benötigt. Erst dann wird eine 28-tätige Übergangszeit beginnen, in der Node-Betreiber und Miner ihre Software mit einer zu Bitcoin Classic kompatiblen austauschen müssen.

Auf einer von Coinbase ausgerichteten Konferenz – Coinbase selbst ist ein starker Befürworter von Bitcoin Classic –  hat Bitcoin Core Maintainer Gavin Andersen gesagt, er vermute, daß die Miner, die nicht sofort Bitcoin Classic unterstützen, bei genügend Support nachziehen würden:

“Sobald 75% der Miner überzeugt sind, wird der Rest sehr schnell nachziehen. Bei ähnlichen Protokoll-Updates ist es genau so geschehen.”

Eine Adoption von Bitcoin Classic hängt von der Mehrheit der Node Betreiber und Miner ab, sie müssen den Schritt unternehmen, sich vom bestehenden Netzwerk abzuspalten. Das gab es so bisher nicht; bisher wurden neue Versionen als Softfork (Prokoll-Versionen, die vollständig abwärtskompatibel sind) von Freiwilligen ausprobiert.

Das Bitcoin Classic Team – zu dem Leute wie Andersen und Bloq CEO Jeff Garzik gehören – sagte, daß es die Veröffentlichung einer neuen Version innerhalb der nächsten Wochen erwarte. Diese neue Version würde auf Bitcoin Core 0.12 aufbauen. Das Entwicklungsteam wird einige Neue Gesichter bekommen (Pedro Pinheiro, Tom Zander und Jon Rumion), während andere nur noch extern tätig sein werden (Jonathan Toomim, Marshall Long und Olivier Janssens).

Die Debatten gehen weiter

Fürsprecher der Erhöhung des Block size limit sagen, daß dies in nächster Zukunft notwendig sein wird; es braucht diesen neuen Raum, um mehr Transaktionen zuzulassen und als Mittel gegen zu hohe Transaktionsgebühren. Freunde von Bitcoin Classic betonen, daß gerade der Wettbewerb zwischen verschiedenen Implementationen des Bitcoin-Protokolls die Entwicklung vorantreiben und die Bitcoin-Nutzer durch Wahlfreiheit an diesem Prozess teilhaben lassen.

Kritker sagen, daß diese Änderungen zu schnell und dementsprechen zu risikoreich durchgeprügelt werden sollen; Es wird die Frage gestellt, wie eine breite Adoption einer Hard Fork überhaupt erfolgreich koordiniert werden soll. Es wäre dann notwendig, daß alle Nodes eine neue Software herunterladen, da sie sonst durch Inkompatibilität vom Netzwerk getrennt wären. Außerdem wird das Governance System von Bitcoin Classic, die Einführung von zwei parallelen Blockchains, und schließlich die Unterstützung von Minern für Bitcoin Classic in Frage gestellt.

Generell scheint es jedoch ein Befürworten einer wie auch immer gelagerten Erhöhung des Fassungsvermögen vom Bitcoin Netzwerk zu geben, was auch die Frage nach der Block Size einschließt.

Bitcoin Core Entwickler und ihre Unterstützer sind eher für Segregated Witness zu haben. Segregated Witness unterscheidet sich von den anderen Vorschlägen darin, daß die Signatur in den Transaktionen geändert wird. Kritiker werfen hier wiederum vor, daß Segregated Witness die Blockchain unnötig kompliziert machen würde.

Die Ganze Debatte ist bissig und hat Spaltungen hervor gerufen. Beschuldigungen, daß Bitcoin Classic eine Art Staatsstreich darstellen würde stehen neben Vorwüfen, daß Bitcoin Core im Dienste des Startups Blockstreams arbeitet und färben die Debatte.
Leider wird das heutige Release an dieser angespannten Situation nichts ändern.

Kommentar BTC-Echo: Auch wenn einige Kreise Bitcoin Classic befürworten würden ist zur Zeit der Konsens unter den großen Mining Organisationen dagegen eingestellt

BTC-Echo

Quelle: Bitcoin Classic Publishes Code That Could Double Bitcoin’s Block Size via CoinDesk

Image Source: Fotolia


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