Größte Bank Russlands ersetzt 3000 Mitarbeiter durch virtuelle Anwälte

Dr. Philipp Giese

von Dr. Philipp Giese

Am · Lesezeit: 4 Minuten

Dr. Philipp Giese

Dr. Philipp Giese arbeitet als Chief Analyst für BTC-ECHO und ist auf die Bereiche Chartanalyse und Technologie spezialisiert. Der promovierte Physiker kann dabei auf jahrelange Berufserfahrung als technologischer Berater zurückgreifen. Zudem ist er zentraler Ansprechpartner im Discord-Channel von BTC-ECHO und pflegt als Speaker und Interviewer den Austausch mit Startups, Entwicklern und Visionären.

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Richterhammer und Gesetzbuch - Russland

Quelle: © Zerbor - Fotolia.com

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Virtuelle Anwälte: Durch Smart Contract und Blockchains sind viele Berufe, nicht nur unter den Geringverdienern, gefährdet.

Immer mehr Firmen beginnen, künstliche Intelligenzen für Routineaufgaben einzusetzen. Mit virtuellen Anwälten sollen Rechtssysteme kosteneffizienter werden. Doch diese Entwicklungen kommen mit einem Preis.

Mensch gegen Maschine


Die Sberbank, die größte Bank Russlands hat bekanntgegeben, dass sie einen virtuellen Anwalt für die Bearbeitung von Beschwerden einsetzen will. Diese Innovation wird jedoch für ungefähr 3000 Experten die Entlassung bedeuten.
Der stellvertretende Vorstandsvorsitzender der Sberbank, Vadim Kulik sagte dazu, dass der “Robot Lawyer” Ende 2016 gelauncht wurde und Anfang 2017 fertiggestellt werden soll.

“Durch diesen virtuellen Assistenten wurden 3000 Experten von dieser Arbeit befreit. Und wir wollen diese Assistenten in noch größeren Kontexten einsetzen.”

Laut Kulik werden Spezialisten durch diese Innovation von Routinetätigkeiten befreit. In Zukunft soll die gesamte rechtliche Dokumentation automatisiert werden, so dass Juristen sich nur noch um ernsthafte rechtliche Prozeduren kümmern sollen.

Die Mitarbeiter, die bisher diese Routinetätigkeiten durchgeführt haben, sollen die Möglichkeit haben, sich durch spezielle Trainingskurse weiterbilden zu können. Kulik möchte in diesem Zusammenhang untersuchen, wo diese Fachkräfte in Zukunft sinnvoll eingesetzt werden können.

Virtuelle Anwälte: Von Knöllchen bis zum Konkursverfahren

Die AI-Software könnte bald etwas ganz normales sein. Letztlich hat es schon begonnen. Es ist noch nicht lang her, dass das Unternehmen ROSS Intelligence ihre Software in unterschiedlichen Kanzleien (beispielsweise BakerHostetler) innerhalb der Vereinigten Staaten installiert hat. ROSS nutzt die Rechenleistung vom Supercomputer IBM Watson, um so komplexe Konkursfälle zu behandeln und große Mengen an Daten zu behandeln.

Ein anderes Beispiel ist DoNotPay: Schon 20105 hat Joshua Browder einen Chatbot geschrieben, mit dem Nutzer ihrer Meinung nach ungerechtfertigten Parktickets automatisch widersprechen können.

Leider werden durch diese Technologie einige Leute ihre Jobs verlieren. Aus Sicht der Unternehmen überwiegen jedoch die Vorteile sowohl für das Unternehmen selbst als auch für für die Kunden überwiegen. In den USA können sich 80 Prozent, die einen Anwalt brauchen, keinen leisten. Mit Programmen wie ROSS können Kanzleien deutlich niedrigere Gebühren verlangen.

Für klassische Kanzleien wird es eng

Generell könnte künstliche Intelligenz zu einer großen Sache für das Rechtswesen werden. Programme wie ROSS oder DoNotPay sind lernfähig, so dass sie immer komplexere Fälle mit der Zeit bearbeiten können. Je mehr Fälle die Software bearbeiten muss, desto mehr Fehler kann sie korrigieren, so dass sie irgendwann besser als große Expertenteams arbeiten könnte.

Es wird zwar lange dauern, Gerichte und Anwälte von den Vorteilen zu überzeugen. Große Teile des juristischen Tagesgeschäfts wurden jedoch schon automatisiert und optimiert: Dokumentenreview, juristische Recherchen und der Entwurf von Gesetzestexten wird mehr und mehr von Software unterstützt. Mit künstlichen Intelligenzen wird dieser Trend weitergehen.

Und die Blockchain? Auch diese spielt hier eine Rolle. Gerade wenn wir an Smart Contracts – Verträge, die ohne Rechtsgelehrte sich selbst ausführen – denken wird diese Rolle einem klar. Hinzu kommt die dezentrale Speicherung von jenen Smart Contracts, wodurch diese unabänderlich, kontrolliert transparent und automatisiert abgelegt werden können.

Das Doppelgespann Blockchain und AI kann auch viele Spezialisten komplett aus dem Wettbewerb drängen, da so der Bedarf an vertrauenswürdigen Mittelsmännern verschwindet und durch eine offene, transparente und direkte Interaktion ersetzt wird.

Jene Unternehmen und Institutionen, die die aktuelle technologische Revolution willkommen heißen, werden zukünftig mit einem großen wettbewerblichen Vorteil belohnt. Dementsprechend werden mehr und mehr Unternehmen bestehende Expertisen mit aufkommenden Technologien zusammentun, um so das meiste aus den disruptiven Trends zu holen. Doch wie kümmert man sich um jene, die durch die neue Technologie ersetzt werden?

BTC-ECHO

Englische Originalversion von Alicia Naumhoff via CoinTelegraph

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