Grazer Kollektiv bringt die Blockchain aufs Kunsthaus

Sven Wagenknecht

von Sven Wagenknecht

Am · Lesezeit: 3 Minuten

Sven Wagenknecht

Sven Wagenknecht ist Chefredakteur von BTC-ECHO. An der Blockchain-Technologie faszinieren ihn vor allem die langfristigen Implikationen auf Politik, Gesellschaft und Wirtschaft.

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Die Blockchain verstehen und Token erspielen: Beleuchtete Fassade des Grazer Kunsthaus sammelt Geld für Privacy-Organisationen.

Beim sorglosen Surfen im Netz werden eine Unmenge an persönlichen Daten hinterlassen und von Internet-Unternehmen kommerziell verwertet. Die Blockchain, eine neue Technologie, die das Internet revolutionieren soll, ermöglicht die Wahrung von Privatsphäre und Anonymität im World Wide Web.

Die Blockchain im Spiel erfahren


In den nächsten Wochen bis zum 27. Oktober kann jeder ein Zeichen für Privacy setzen. Denn das Kunstprojekt Play4Privacy (P4P) bringt im Rahmen der Ausstellung play! einer breiteren Öffentlichkeit die Blockchain spielerisch näher – im wahrsten Sinne des Wortes. So wird die beleuchtete BIX-Fassade des Kunsthaus Graz täglich von 19 bis 22 Uhr zum Spielbrett des Strategiespiels Go.

Interessierte aus der ganzen Welt spielen in zwei Teams einen Monat lang jeden Abend über das Internet Go. Auf Basis eines computergenerierten gemeinschaftlichen Konsenses setzt jedes Team alle zwanzig Sekunden einen Stein. Alle die mithelfen, den nächsten Spielzug mitzuentscheiden, erhalten dafür als Belohnung einen so genannten PLAY-Token der gleichnamigen Kryptowährung. Diese kann jeder kostenlos und anonym auf www.play4privacy.org erspielen.

Mit der Blockchain zu mehr Transparenz und Privacy

Die Blockchain verspricht einen umfassenden Schutz der eigenen Privatsphäre und der persönlichen Daten im Internet. Genau das möchten die Initiatoren des Projekts, die Grazer Genossenschaft lab10 collective eG mit Play4Privacy einer breiten Öffentlichkeit vermitteln. „Unser Ziel ist es, das Wissen um Privacy & Blockchain in der Bevölkerung zu fördern“, erklärt der Projektleiter für P4P Thomas Lechner .

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Jedes Spiel kann man sich als Aneinanderreihung von Entscheidungen vorstellen, die – einmal gesetzt – nicht mehr umkehrbar sind. Genauso ist es auch in der Blockchain. Sobald die Entscheidung getroffen ist („Konsensus“), wird sie endgültig als neuer Block in die Blockchain eingefügt und kann nie wieder verändert werden („Finalität“).

Darüber hinaus soll der Öffentlichkeit das Konzept der „transparenten Anonymität“ spielerisch nähergebracht werden. Alle Spielzüge werden im öffentlichen Raum sowie im Live-Stream transparent dargestellt und sind somit für die Allgemeinheit direkt nachvollziehbar. So wird für jeden, egal ob Spieler oder Zuseher, erlebbar, wie die Blockchain funktioniert – nämlich als anonymes, verteiltes Netzwerk mit einer öffentlichen Datenbank, die keiner zentralen Kontrolle unterliegt.

Spielen für einen guten Zweck

Egal ob man zum Schluss als strategischer Sieger aus dem Spiel gehen wird, alle SpielerInnen bekommen für ihren Einsatz „virtuelle Token“ namens PLAY geschenkt. Darin liegt auch die technische Innovation der Grazer Blockchain-Entwickler. Denn anstatt – wie bei der Blockchain meist üblich – Elektrizität für Computerrechenleistung zu verbrauchen, dient bei Play4Privacy menschliche Kreativität und Spielzeit (Proof-of-PLAY) als Rohstoff dieser neuen Kryptowährung „Made in Graz“. Diese virtuellen Münzen können als Andenken und Investition auf eine vielleicht schon vorhandene virtuelle Geldbörse (Wallet) geladen werden.

Aber es profitieren nicht nur alle Mitspieler vom aktuellen Blockchain-Boom. Denn außerdem wird für jeden Spielzug ein weiterer Token generiert und zugunsten von Initiativen zur Stärkung der Privatsphäre im Internet gespendet. Nach Ende der Ausstellung wird dieser Pool an zusätzlich geschürften PLAY-Token an Spender verteilt. Der Gesamterlös dieser Spendenaktion kommt gemeinnützigen Organisationen zugute, die sich in der Zivilgesellschaft für Datenschutz einsetzen.

PLAY for Privacy! Ab 27. September 2017 – täglich von 19 bis 22 Uhr auf www.play4privacy.org.

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