Goodbye FUD #4 – Der dezentrale Blockchain-Staat

Goodbye FUD #4 – Der dezentrale Blockchain-Staat

Die letzten Wochen und Monate waren alles andere als rosig für den Kryptomarkt. Fallende Kurse und schlechte Nachrichten haben stark auf die Stimmung im Krypto-Ökosystem geschlagen – das Schlagwort FUD (Fear, Uncertainty and Doubt) schlug hohe Wellen. In manch einer Berichterstattung konnte schnell der Eindruck gewonnen werden, dass die Krypto-Ökonomie am Ende ist. Wir halten dies für eine Fehleinschätzung und möchten in unserer 10-teiligen Artikelserie skizzieren, warum sich 2018 zu einem herausragend guten Jahr entwickeln kann. Heute: der Blockchain-Staat.

Goodbye FUD #1 – Abkühlung tut gut

Goodbye FUD #2: ICOs & Scams – aus Fehlern lernen

Goodbye FUD #3 – Raus aus den Kinderschuhen!

Goodbye FUD #4 – Der dezentrale Blockchain-Staat

Goodbye FUD #5 – Prof. Dr. Blockchain: Kryptos an der Uni

Goodbye FUD #6 – Ein Lob auf den Kryptowinter

Goodbye FUD #7 – Blockchain-Jobs: Absolventen heiß begehrt

Goodbye FUD #8 – Die ewige Skalierungsdebatte: Lösung in Sicht

Goodbye FUD #9 – Institutionelle Investoren: Das große Geld wartet um die Ecke

Goodbye FUD #10 – Gekommen, um zu bleiben

Man stelle sich einen Staat vor. Einen Staat, dessen Länder überall auf der Welt verteilt sind. Einen Staat, der dezentral organisiert ist – der Blockchain-Staat. Schauen wir ihn uns an, den Blockchain-Staat und seine Länder.

Eins vorneweg: Momentan ist die Lage im Blockchain-Staat noch recht chaotisch. Einige Länder ordnen sich unter, manche passen sich an, andere haben gar keine Ahnung. Doch so ist das mit jungen Staaten  – sie müssen sich erst formen.

Ein Blick ins nächste Umfeld zeigt verschiedenste Positionen. Während Länder wie Liechtenstein, Malta und die Schweiz längst die Zeichen der Zeit erkannt haben, hinkt Deutschland noch hinterher. Zwar spricht man im Koalitionsvertrag immer wieder von „Blockchain”. Doch so richtig Ahnung haben offenbar die wenigsten deutschen Politiker.

Bedenken first, digital second

Das erkannte laut Welt auch Frank Schäffler von der FDP: „Die Bundesregierung stochert bei ICOs und Blockchain im Nebel. Das ist kein gutes Signal für Deutschland […] Für die Regierung gilt: Bedenken first, digital second.“ Außerdem wisse niemand, wie viele ICOs es in der Bundesrepublik überhaupt gebe. Auch das Hinweisschreiben der BaFin ist recht undurchsichtig – im Prinzip können Kryptowährungen alles sein, man müsse da im Einzelfall entscheiden.

Dabei sind die Anwendungsfälle vielfältig, gerade für Regierungen ist die Blockchain und diese ominösen digitalen Währungen, über die man im Einzelfall entscheiden muss, attraktiv. Wahlen auf der Blockchain, Verwaltung von Immobilien und Regierungsdokumenten – jegliche Form von Infrastruktur lässt sich über die Blockchain regeln. Und damit kann man eine große Menge Papier und Arbeit einsparen. Bis das ins Bewusstsein der Bundesregierung rückt (und dann auch noch umgesetzt wird), kann es etwas dauern.

Nachbarstaaten erkennen Zeichen der Zeit

Ein Blick in die Nachbarschaft eröffnet da schon andere Perspektiven. So gründete der Schweizer Bundesrat bereits im Dezember letzten Jahres eine Blockchain-Taskforce, die im Januar ihr erstes Treffen hatte. Man wolle schnellstmöglich die Grundlagen verankern, um Blockchain-Start-ups auch rechtlich abzusichern. So kamen dann auch erste Richtlinien für ICOs im Februar, die lediglich für mehr Sicherheit bei ICOs sorgen sollen – von Verboten keine Spur. Solche tummeln sich bereits in der Idylle des neutralen Landes. Das Krypto-Valley Zug ist nicht erst seit gestern Anlaufstation für Tech-Start-ups. Selbst an ausgesuchten schweizer Unis kann man mit Bitcoin bezahlen.

Blockchain-Hotspots formen sich

Doch es herrscht noch Uneinigkeit unter den Ländern des Blockchain-Staats. Letztes Jahr gab es das ICO-Verbot in China, die Handelsbörsen bekamen rechtliche Probleme. Die Börsen zogen kurzerhand um, man bewegte sich nach Singapur, Hongkong und Japan. Aber auch in Japan kam es in den vergangenen Monaten zu Problemen: Ankündigungen von Regulierung und Verboten sorgten für miese Stimmung am Kryptomarkt. Mit erhobenem Zeigefinger jagte man Binance aus dem Land. Nun machen sie es sich in Malta bequem – die Inselgruppe im Mittelmeer will sich die ökonomischen Vorteile, die Kryptobörsen mitsichbringen, offenbar nicht entgehen lassen. In Liechtenstein sieht es ähnlich aus: Auch hier wolle man Blockchain-Hotspot werden. Unter anderem hat dort das Start-up Aeternity von Ethereum-Gründer Yanislav Malahov seinen Hauptsitz.

Einen der wohl größten Schritte bisher wagte Venezuela. Mit einer landeseigenen Kryptowährung und einem dazugehörigen ICO sammelte das südamerikanische Land in der ersten Runde offenbar 735 Millionen US-Dollar ein. So umstritten das Projekt auch sein mag – es zeigt, dass Kryptowährungen gerade für krisengeplagte Länder attraktiv sein können. In Zeiten hoher Inflation und schwachen Landeswährungen kann das Krypto-Ökosystem Linderung bringen. Das bestätigt sich mit einem Blick auf Simbabwe: Dort bewegen die schlechten ökonomischen Verhältnisse immer mehr Menschen dazu, Bitcoin zu verwenden, um die horrenden Gebühren der Banken zu umgehen und grenzüberschreitende Zahlungen zu tätigen.

Goodbye FUD #4: Der letzte Punkt

Diese kurze Umschau zeigt, dass sich das Bitcoin-Ökosystem und die Blockchain-Technologie auf dem Globus verbreitet. Nachdem er sich etwas abgekühlt, aus seinen Fehlern gelernt hat und die Kinderschuhe ausgezogen hat, kann er also kommen, der Blockchain-Staat. Dafür braucht er keinen Ort. Kein Grund zur Panik also.

BTC-ECHO

Über Phillip Horch

Phillip HorchPhillip Horch ist Chef vom Dienst von BTC-ECHO und für die Strukturierung und Planung der redaktionellen Inhalte verantwortlich. Er sammelte während des Studiums mehrjährige Redaktionserfahrung und war danach als freiberuflicher Journalist tätig, bevor er im Januar 2018 begann, als Redakteur bei BTC-ECHO zu arbeiten. Phillip hat einen Master in Literatur-, Kunst- und Medienwissenschaften, für den er an der Uni Konstanz und an der Universidad de Valparaíso studierte.

Ähnliche Artikel

Chinas Zensurbehörde CAC will Blockchain-Unternehmen regulieren

Wie am vergangenen Freitag, den 19.10.2018, bekannt wurde, plant die “Cyberspace Administration of China” (CAC) neue Regulierungsentwürfe für Blockchain-Unternehmen. Die Behörde erhofft sich so eine größere Kontrolle über den dezentralen Sektor. Chinas oberste Internetbehörde will Unternehmen im Blockchainbereich stärker regulieren. Am Freitag veröffentlichte die CAC die “Verordnung zur Verwaltung von Blockchain-Informationsdiensten” über ihren offiziellen Web-Auftritt. […]

Ethereum-Mining: Die umweltschonende Variante aus Island

Es ist so simpel wie genial: Eine Mathelehrerin aus Island nutzt überschüssige Energie von Farmern zum Ethereum-Mining. Die Isländerin Hannesdóttir kauft den Landwirten ihren überschüssigen Strom ab und betreibt damit Mining-Anlagen, meist sogar in den Räumen der Bauern selbst. Die Mining-Rigs wiederum heizen die Gebäude auf, wodurch die Landwirte Heizkosten sparen. Es ist eine Win-Win-Win-Situation. […]

Tether Limited: Macht sich das Unternehmen aus dem Staub?

Tether Limited, das Unternehmen hinter dem Stable Coin USDT scheint sich langsam aufzulösen – zumindest sprechen dafür einige Bewegungen auf ihrem Konto. Um zu verstehen, was da gerade passiert, muss man zwei Dinge verstehen: das Omni-Protokoll und Arbitrage. Über den (vermeintlichen) Stable Coin Tether wurde in letzter Zeit häufig debattiert. Die aktuellste Vermutung: Das Unternehmen […]

Trade.io: TIO im Wert von 7,8 Millionen US-Dollar aus Cold Storage entwendet

Die Plattform Trade.io registrierte am vergangenen Sonntag, dem 21. Oktober, ungewöhnliche Kontobewegungen auf ihrer Firmen-Wallet. Nach kurzer Zeit ist klar: Die Schweizer Firma ist Opfer eines Hacks geworden. Unbekannte entwendeten dabei 50 Millionen Einheiten des ERC-20-Token TIO. Das entspricht einem Fiatgegenwert von etwa 7,8 Millionen US-Dollar. Krypto-Börsen sind nicht vor Hacks gefeit. Diese Erkenntnis ist […]