Goldschürfen vs. Bitcoin-Mining: Ein sinnvoller Vergleich?

Leopold Bosankic

von Leopold Bosankic

Am · Lesezeit: 3 Minuten

Leopold Bosankic

Leopold Bosankic hat Wirtschaftsinformatik studiert. In seiner Freizeit bloggt und programmiert er für Researchly (researchly.info), einer Plattform für Blockchain- und Krypto-Research.

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Bitcoin-Mining verbraucht (anscheinend) weniger Energie als Goldschürfen. Macht das Bitcoin zur besseren Wertanlage? Ja und nein.

LongHash, ein Medienhaus und Inkubator für Blockchain-Start-ups, hat kürzlich eine Analyse über Bitcoins Mining-Kosten publiziert. In dieser vergleichen LongHashs Analysten die Mining-Kosten zwischen Bitcoin-Mining und Goldschürfen. Die Autoren argumentieren, dass Goldschürfen ca. 20 mal mehr Energie verbrauche als Bitcoin-Mining. Ein Fazit dieser Analyse ist: „Bitcoins Energieverbrauch ist geringer als der von Gold, daher ist Bitcoin besser als Gold“. Ganz so einfach ist es aber nicht.

Vergleich mit Gold gerechtfertigt?

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Erstens muss man hinterfragen, ob man Bitcoin mit Gold vergleichen soll. Die Verfasser rechtfertigen ihren Vergleich damit, dass sowohl Gold als auch Bitcoin eine Wertanlage sind. Dieser Vergleich hinkt aber, da Gold und Bitcoin neben der Wertanlage auch andere Einsatzgebiete besitzen (z. B. Gold zur Elektrofertigung oder Bitcoin als Zahlungsmittel). Des Weiteren berücksichtigen die Analysten nicht, dass neben Bitcoin auch andere Kryptowährungen Strom verbrauchen und dass Bitcoin-Mining und Goldschürfen zum Teil unterschiedliche Ziele verfolgen (Mining als Block-Generierung bei Bitcoin und Goldschürfen lediglich zur Goldbeschaffung).

Das Spiel mit den Zahlen

Angenommen aber, dass der Vergleich zu Gold gerechtfertigt ist, sollte man diesen Bericht mit anderen Analysen vergleichen. Denn die Ergebnisse dieser unterscheiden sich. Im Gegensatz zu der hier erwähnten Analyse, berichtete Digiconomist im Januar dieses Jahres, dass Bitcoin-Mining mehr Energie verbrauche als Goldschürfen. Je nach Interpretation zwischen zehn- und dreimal so viel. Wie Wired berichtet, gibt es unzählige Variablen (z. B. Annahmen zur eingesetzten Mining-Hardware), welche solche Berechnungen stark beeinflussen und daher Vergleiche hinsichtlich Energieverbrauch erschweren.

Das Problem mit der Relativierung und unterschiedlichen Energiequellen

Geht man aber davon aus, dass der Vergleich zu Gold und die zugrunde liegenden Zahlen gerechtfertigt sind, drängt sich die Frage auf, ob die Berücksichtigung des Energieverbrauchs allein ausreicht. Katrina Kelly-Pitou, eine Forscherin für „Cleantech“ (Technologien welche Umweltauswirkungen minimieren) an der University of Pittsburgh meinte, dass auch wenn der Energieverbrauch von Bitcoin hoch sei, muss für eine faire Analyse zusätzlich auch dessen Umweltbelastung berücksichtigt werden.

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Diese ist laut Kelly-Pitou regional sehr unterschiedlich. In China, wo weitgehend fossile Energie eingesetzt wird, stellt Bitcoin-Mining möglicherweise tatsächlich ein Umweltproblem dar. Im Gegensatz dazu ist Island vorteilhafter, weil dort fast ausschließlich mit erneuerbarer Energie gearbeitet wird.

Problematisch ist außerdem die Relativierung des Verbrauchs. Eine Relativierung macht das Absolute nicht besser; Bitcoins – in Relation zu Golds – hohem Energieverbrauch, ist absolut gemessen vermutlich immer noch hoch.

Fazit

Den Vergleich zwischen Bitcoin und Gold kann man auf zwei Arten deuten. Einerseits kann man die Gegenüberstellungen als Rosinenpickerei interpretieren. Bitcoin wird mit jenem verglichen, dem gegenüber es besser abschneidet. Im auch oft gesehenen „Ländervergleich“ schneidet Bitcoin schlechter ab; darin gleicht Bitcoins Energieverbrauch dem eines Landes. Die alternative Interpretation ist, dass Bitcoin immer mehr als Wertanlage gesehen wird. In diesem Fall hinkt der Vergleich mit Gold zwar auch, macht aber im Kontext von Wertanlagen mehr Sinn. Vermutlich ist aber ein Vergleich ohnehin irrelevant. Nicht nur dass eine Relativierung das Absolute wie erwähnt nicht besser macht. Außerdem ist das Kosten/Nutzen-Verhältnis ausschlaggebend; egal wie klein der Verbrauch, er ist so lange zu hoch, bis er nicht in Relation zum Nutzen steht. Ob dieser Nutzen bei Bitcoin aktuell gegeben ist und damit den Verbrauch rechtfertigt, muss vermutlich jeder für sich selbst entscheiden.

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