The Block: 5 Experten der Runde im Blockchain-Interview

Mark Preuss

von Mark Preuss

Am · Lesezeit: 9 Minuten

Mark Preuss

Mark Preuss ist Gründer und Geschäftsführer von BTC-ECHO. Nach seinem Wirtschaftsstudium in den Niederlanden und in China führten ihn verschiedene berufliche Stationen im Finanzwesen zunächst in die Schweiz und schließlich nach Düsseldorf. Schon früh begeisterte er sich für digitale Währungen und die Blockchain-Technologie. In Ermangelung einer Anlaufstelle im deutschsprachigen Raum entschied sich Mark schließlich Ende 2013 dazu, mit BTC-ECHO eine eigene Medienplattform zu digitalen Währungen und Blockchain ins Leben zu rufen. Seither hat er BTC-ECHO zur reichweitenstärksten deutschsprachigen Plattform für Kryptowährungen entwickelt.

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Quelle: © kwanchaift - Fotolia.com

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Die Blockchain kann als Teil der vierten industriellen Revolution betrachtet werden. Genau wie das Internet der Dinge und andere Innovationen der Digitalisierung, soll auch die Blockchain unsere Wirtschaft und unser Leben massiv verändern. 

Der Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 30. Juni 2019 05:06 Uhr von Mark Preuss

Gerade in den Bereichen Finanzen, Energie, Industrie, Mobilität und Supply-Chain-Management gibt es bereits konkrete Ansätze, um bestehende Probleme zu lösen und Prozesse zu optimieren.

Mit diesen und vielen weiteren Themen beschäftigt sich auch die Blockchain-Konferenz “The Block“, die am 14. Juni im Hafven in Hannover stattfinden wird. BTC-ECHO wird als Medienpartner ebenfalls vor Ort sein und berichten.

Als kleiner Vorgeschmack auf die Veranstaltung sind fünf der Teilnehmer, darunter Fabian Vogelsteller, Ricardo Ferrer Rivero, Joachim Lohkamp, Frank B. Sonder und Dr. Nina-Luisa Siedler auf drei Kernfragen der Veranstaltung eingegangen:

  1. Welche Konsequenzen ergeben sich für das Ansehen der Blockchain-Technologie im Bezug auf den aktuellen Hypetrend? Chance oder Risiko?
  2. Ist die Blockchain-Technologie schon reif, um in den produktiven Einsatz zu gehen?
  3. Welche Aktivitäten würden helfen, um die Blockchain-Technologie schneller zum weltweiten Erfolg zu verhelfen?

Fabian Vogelsteller (Ethereum)

Fabian Vogelsteller ist Softwareentwickler, Autor und ein starker Befürworter der Open-Source-Software. Seit fast zwei Jahren arbeitet er als Dapp-Entwickler an der Low-Level-JavaScript-API, DApps und Ethereum’s Wallet und den Mist-Browser.

1) Welche Konsequenzen ergeben sich für das Ansehen der Blockchain-Technologie im Bezug auf den aktuellen Hypetrend? Chance oder Risiko?

Wie jede neue, und besonders jede distributive Technologie gibt es den Gartner Hype-Cycle mit einem starken Hype in den ersten Jahren einer Technologie. Genau das gleiche finden wir gerade bei der Blockchain-Technologie.

Diese Phase ist wichtig, denn sie schafft ein Bewusstsein für die Technologie und ihr Potential. Und das ist gerade bei so etwas wie Blockchain Tech wichtig, da diese konzeptuell anders funktionieren als wir das Internet und andere Technologien bis jetzt erlebt haben.

Sie ermöglicht sozioökonomische Interaktionen und Business Modelle, die vorher einfach undenkbar waren.

Gleichzeitig gibt es natürlich das Risiko, dass die Technologie und ihr aktueller Stand überschätzt wird, was dann auch der Grund für die “Despair”-Phase im Gartner Hype-Cycle darstellt. Den auch wenn Blockchain Tech durch Ihre Eigenschaften ein unendlich großes Potential erzeugt, ist sie noch nicht so Skalierbar oder Privatsphären schützend wie man sich das wünschen würde.

2) Ist die Blockchain-Technologie schon reif, um in den produktiven Einsatz zu gehen?

Das kommt ganz auf den Anwendungsfall an. Bei Transaktionszahlen von 10-40 Transaktionen pro Sekunde funktioniert das für viele Anwendungsfälle ziemlich gut. Geht es jedoch um Dinge wie Supply-Chain Tracking auf der Blockchain, dann  muss wohl mit intelligenten architektonischen Umwegen gearbeitet werden.

Auch stellt Privatsphäre ein Problem auf öffentlichen Blockchains dar, kann aber durch Pseudoanonymität und Benutzen von Digitalen Fingerabdrücken umgangen werden.

3) Welche Aktivitäten würden helfen, um die Blockchain-Technologie schneller zum weltweiten Erfolg zu verhelfen?

Ich weiß gar nicht, ob ich eine noch schnellere Verbreitung bevorzugen würde. Diese Industrie und der Markt entwickelt sich in einer rapiden Geschwindigkeit.

Was aber helfen würde, wären einfachere Zugänge zu Kyptowährungen, wie z.B. die Möglichkeiten Bitcoin-Coupons in Kiosken zu kaufen.

Auf der anderen Seite werden viele Prozesse unter der Oberfläche auf Blockchains laufen, oder mit diesen kommunizieren, was der Benutzer vermutlich in vielen Anwendungsfällen gar nicht merken wird. Prozesse werden einfach schneller und reibungsloser Laufen.

Ricardo Ferrer Rivero (PEY)

Als Serial Entrepreneur gründete Ric in den vergangenen sechs Jahren einige Unternehmen, darunter den Coworkingspace Edelstall (fusioniert in Hafven), den Cloud-Storage-Dienst doctape (verkauft an Atlassian), die Investmentgesellschaft 533 AG, VRTX Labs, ein Experimentierfeld für Echtzeit-Datenvisualisierungen in Virtual-, und Augmented-Reality und PEY, ein blockchain-basiertes mobiles Zahlungssystem und Blockchain-Beratungs-Unternehmen.

1) Welche Konsequenzen ergeben sich für das Ansehen der Blockchain-Technologie im Bezug auf den aktuellen Hypetrend? Chance oder Risiko?

Ich denke, dass es eher ein Risiko ist, weil die Erwartungen durch den Hype automatisch höher werden. Viele Menschen denken, dass es ein Allheilmittel ist. Das könnte dazuführen, dass die Technologie bei Projekten eingesetzt wird, wo sie gar kein Vorteil bringt und zu Enttäuschungen führt.

2) Ist die Blockchain-Technologie schon reif, um in den produktiven Einsatz zu gehen?

Für viele Anwendungen schon. Es werden immer neue Funktionen dazu kommen, die getestet werden müssen. Die große Herausforderung ist meiner Meinung nach die Blockchain-Technologie in bestehende Strukturen einzubinden und die etwas undefinierte gesetzliche Lage.

3) Welche Aktivitäten würden helfen, um die Blockchain-Technologie schneller zum weltweiten Erfolg zu verhelfen?

Die komplexe Blockchain-Technologie muss unsichtbar gemacht werden. Das schafft man, indem man sich auf die neuen Produkte und Geschäftsmodelle konzentriert, die diese Technologie ermöglicht. Wichtig dabei ist zu schauen, was die Kunden davon haben. Wir brauchen viel Bildung bei Organisationen in den betroffenen Branchen, um gute Anwendungen gestalten zu können. Zur Zeit ist Blockchain ein nerdiges Nischenthema. Erst wenn es eine Killer-App für die breite Masse gibt, werden wir anfangen das Potenzial  zu erreichen.

Joachim Lohkamp (BlockchainHub)

1) Welche Konsequenzen ergeben sich für das Ansehen der Blockchain-Technologie im Bezug auf den aktuellen Hypetrend? Chance oder Risiko?

Grundsätzlich ist ein Hype nicht unbedingt wünschenswert, schon gar nicht wenn die Technologie noch so jung ist und als Allheilmittel angesehen wird. Doch es steht natürlich nicht in unserer Macht den Hype zu kontrollieren. Der Hype ist da, und die Frage ist wie man mit dieser Situation umgeht. Blockchain steht nicht zuletzt für Vertrauen, und um dies sicher zu stellen und vor allem auch nicht zu gefährden sehe ich Transparenz als einen essentiellen Faktor. Transparenz erlaubt es uns schneller zu lernen und zu verstehen was man mit Blockchain machen kann, wie sie funktioniert, wo ihre Stärken und Schwächen sind, aber natürlich auch die Technologie weitaus schneller zu verbessern und zu integrieren.

2) Ist die Blockchain-Technologie schon reif, um in den produktiven Einsatz zu gehen?

Es hängt sehr von dem Use-Case ab, für den Blockchain verwendet werden soll. Bitcoin und andere Coins zeigen ja schon, dass konkrete und funktionierende Blockchain-Anwendungen gibt. Auch im Bereich Identity kann ich mir relativ bald eine Marktreife vorstellen. Andere Bereiche müssen sicher noch etwas Geduld zeigen bis die Blockchain deren unterschiedliche Anforderungen erfüllen kann. In jedem Fall ist es jetzt die Zeit Pilotprojekte zu realisieren, um die Blockchain zu verstehen, und in Unternehmen sowie im öffentlichen Sektor die Grundlagen für eine mögliche Implementierung zu schaffen und Kompetenzen auf zu bauen. Hierzu bietet sich die Zusammenarbeit mit Blockchain-Startups an.

3) Welche Aktivitäten würden helfen, um die Blockchain-Technologie schneller zum weltweiten Erfolg zu verhelfen?

Äußerst wichtig erscheint mir die rechtlichen Voraussetzungen zu schaffen dass Startups und Unternehmen mit der Blockchain arbeiten können. Als Sofortmaßnahme sollte ein Sandboxing eingeführt werden, verbunden mit einer Taskforce die Deutschland als Innovationsstandort für Blockchain sicher stellt. Dies hätte natürlich auch eine weltweite Signalwirkung.

Frank B. Sonder

Als erfahrener Unternehmer, Redner und Consultant fokussiert sich Frank auf die Mensch-Computer-Interaktion und die Auswirkungen der Digitalisierung auf unsere Gesellschaft. Er ist Co-Autor des FintechBook über die finanztechnische Disruption und die Möglichkeiten, die darin liegen. Seine Themen reichen vom Banking der Zukunft bis zu den Auswirkungen künstlicher Intelligenz und von der Macht der Blockchain-Technologie bis zur Zukunft von Mode und Musik. 

1) Welche Konsequenzen ergeben sich für das Ansehen der Blockchain-Technologie im Bezug auf den aktuellen Hypetrend? Chance oder Risiko?

Getreu meinem Vortragsmotto gilt auch hier „Distrust the Hype“. Wenngleich der vorübergehenden Enttäuschung auch im Falle der Blockchain die produktive Entfaltung folgen wird. Viel kritischer allerdings sehe ich die allgegenwärtige Vereinnahmung durch die Banken. Selbst die leistungsfähigste Kettensäge werden sie nicht an dem Ast ansetzen, auf dem sie sitzen.

2) Ist die Blockchain-Technologie schon reif, um in den produktiven Einsatz zu gehen?

Technologisch und für bestimmte enge Anwendungsfelder wie Kryptowährungen und Identitäten sicherlich schon oder bald. Bei umfassenderen Themen wie Nationbuilding, Governance und Constitutional Code besteht allerdings noch erheblicher Forschungsbedarf, bevor man weitergehen kann und sollte. Mir scheint auch mehr der menschliche als der technologische Reifegrad entscheidend. Oder bist Du schon bereit für Fair Trade Music mehr zu bezahlen, als für dein Spotify Abo?

3) Welche Aktivitäten würden helfen, um die Blockchain-Technologie schneller zum weltweiten Erfolg zu verhelfen?

  • Mehr Geld, aber weder von den alten noch von den neuen Mittelsmännern.
  • Mehr Charlottenburger Philosophie im Kreuzberger Hinterhof.
  • Mehr Kreuzberger Coder im Wilmersdorfer Salon.
  • Mehr Experimente sowieso.

Dr. Nina-Luisa Siedler

Nina-Luisa Siedler ist Rechtsanwältin im Finance Bereich und leitete bis März 2017 die deutsche FinTech Working Group von DLA Piper. Sie beschäftigt sich seit Anfang 2016 intensiv mit Blockchain Solutions, von Cryptocurrencies über Smart Contracts bis zu Regionalgeld-Konzepten. Nina-Luisa Siedler ist Advisor des BlockchainHub Berlin und Partnerin bei DWF LLP.

1)     Welche Konsequenzen ergeben sich für das Ansehen der Blockchain-Technologie im Bezug auf den aktuellen Hypetrend? Chance oder Risiko?

Risiko: Bislang halten sich die BaFin und andere Regulatoren noch auffällig zurück, zumeist mit Hinweis auf die bislang „fehlende Relevanz“. Allerdings hat die BaFin bereits im März geäußert, dass sich das Argument nicht mehr lange wird halten lassen und sie sich das Thema nun ernsthaft anschauen müssen. Die steigenden Bewertungen und zunehmende Verbreitung werden daher absehbar eine intensivere Befassung der Aufsicht mit ICOs und anderen Finanzierungsmodellen auf Basis von Kryptowährungen sowie der generellen Nutzung dieser Parallelwährungen auslösen.

Chancen: International zu beobachten ist aber gleichzeitig eine zunehmende Akzeptanz von Kryptowährungen in der Wirtschaft bis hin zur ausdrücklichen staatlichen Anerkennung.

2)     Ist die Blockchain-Technologie schon reif, um in den produktiven Einsatz zu gehen?

Schwer zu beurteilen – sichtbar ist jedenfalls, dass sich auch die Großindustrie zunehmend ernsthaft mit möglichen Geschäftsmodellen auseinandersetzt.

3)     Welche Aktivitäten würden helfen, um die Blockchain-Technologie schneller zum weltweiten Erfolg zu verhelfen?

Die Schaffung eines einheitlichen Rechtsrahmens auf internationaler Ebene wäre sicherlich ein bedeutender Schritt zum Durchbruch dieser Technologie. Das ist allerdings in weiter Ferne. Solange helfen nur lokale oder regionale Initiativen, die Rechtssicherheit zu verbessern. Ferner stets hilfreich für eine verbesserte Akzeptanz und Verbreitung sind auch Standardisierungen. Diese helfen Unternehmen, sich in der Vielfalt von Blockchain-Möglichkeiten schneller zurecht zu finden, auf bewährte Ansätze zu vertrauen, erleichtert zu implementieren und verzahnte Lösungen zu schaffen.

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