Fork the DAO? – ein persönliches Statement

Fork the DAO? – ein persönliches Statement

Wir befinden uns in einem der größten Diebstähle der Geschichte. "Wie weiter" kann man sich fragen. BTC-Echo Author Philipp Giese lässt den schwarzen Freitag Revue passieren.

Am Freitag habe ich kurz vor meiner eigentlichen Arbeit noch einmal auf die aktuellen Kursentwicklungen geschaut. Ich hatte am Morgen den Krypto-Klassiker “Why do markets crash” nochmal gelesen (immer eine gute Literatur, wenn man vor lauter Bullen die Weide nicht mehr sehen kann, vllt bespreche ich die mal hier) und habe dementsprechend gedacht, die Vergangenheit würde sich wiederholen, als BTC leicht und ETH extrem gefallen ist.

des Tages hat man dann erfahren, was speziell den Ether-Kurs erbeben ließ – und wie ein ins Wasser geworfene Stein auch woanders Wellen schlägt war auch der Bitcoin-Kurs davon betroffen.

Was passiert ist, ist inzwischen bekannt – es gab einen riesigen Diebstahl, der ca sechzig Millionen Dollar aus dem Fund der DAO in eine Child DAO (die gerne auch als DARK DAO bezeichnet wurde) transferierte.

Als DAO Token Holder (wenn auch eher dem Phytoplankton denn den Walen zugehörig) habe ich auch Geld verloren und dementsprechend geht mich dieser historische Exploit eines Implementierungsfehlers in den Smart Contracts auch an. Wie geht es mir damit?

Sicherlich mag das an meinem Phytoplankton-Status liegen, aber mehr als das verlorene Geld bin ich durch die nachgegangene Diskussion DAOn (Es ist Sonntag, gutes Wetter und heute gibt es Marillenknödel. Man verzeihe mir also diesen Pun).

Die Situation ist tricky. Viel Geld ist nun aus der DAO entfernt worden, dass hier Leute emotional werden ist vollkommen verständlich. Diese Emotionen erklären auch die vielen irrationalen und persönlichen Vorwürfe gegen die DAO und die aktuell präferierte Lösung hinsichtlich der Soft Fork und der Hard Fork. Dennoch habe ich mit beiden Seiten meine Probleme.

Auch Kryptogeld verdirbt den Charakter

In ihrer Wut, dass viel Geld verloren ging, wurde der Verdacht, dass es sich bei dem Coup um einen inside Job handelte, groß. Ich befinde mich nicht in der Position, hier ein endgültiges Urteil zu fällen (ja, ich gebe zu, dass ich als slockit-Fanboy einen bias habe), generell wird es aber, Verzeihung, affig, wenn jemand (wie auf Facebook gelesen) einen inside Job unterstellt, nur weil die Leute von slock.it von einem Dieb und nicht gendergerecht von eine*R Dieb*_In reden.

Man mag gerne über genererisches Maskulinum auf der einen und gendergerechte Sprache auf der anderen Seite diskutieren, als Verdachtsmoment taugt es jedoch in diesem Kontext wenig.

Doch auch andere Positionen werden albern: So hat jemand auf Twitter allen Ernstes den Diebstahl indirekt als was positives dargestellt. Wie schon gesagt bin ich durchaus im Fanboy-Lager, aber man muß nicht als weiß bezeichnen was schwarz ist.

Hier ist viel Geld gestohlen worden, daran ist nichts positives! Man kann sich nur bemühen, den Schaden zu begrenzen – wie es viele Köpfe hinter der DAO aktuell tun.

Wie so oft wenn es um Geld geht (und da ist es leider oft ziemlich egal, ob wir es mit großen Banken oder der Kryptowelt zu tun haben) werden Leute im Rahmen des Gesetzes zu, man verzeihe mir das Wort, Arschlöchern.

So hat ein Schreiben, dass von sich behauptet, von den Dieben verfasst worden zu sein, sich damit herausgeredet, dass der Raub möglich war und dementsprechend auch legal ist – der Dmart Contracts ist die legale Basis, dementsprechend ist es vollkommen ok, die Lücke auszunutzen.

Tja. Wie soll ich sagen… wenn jemand mit Kinderwagen am Fuß einer langen Treppe steht und mich um Hilfe bittet verweise ich auch nicht darauf, dass es keinen Gesetzestext gibt, der mich verpflichtet ihr zu helfen – ich packe einfach mit an.

Anderes Beispiel? Vor einiger Zeit konnte white hat hacker Ryan Castellucci zeigen, dass Brain Wallets unsicher sind. Er kam tatsächlich auf die private Keys von einigen Nutzern, hatte also deren Konten (und deren Bitcoin) in seinen Händen.

Er hatte nicht einmal die Möglichkeit – anders übrigens als bei der DAO – sich an die Bagholder direkt zu wenden. Anders als you know who hat er die Konten nicht geplündert, sondern einige hin und her Transaktionen initiiert, um so hoffentlich den Besitzern mitzuteilen, dass etwas mit ihrem Account nicht ganz koscher ist. Außerdem wies er auf der Def Con im Rahmen eines Vortrages darauf hin.

Mich stimmt traurig, dass es tatsächlich Leute gibt, die meinen, dass alles, was legal ist, auch ok wäre. Damit kommen wir jedoch leider zu noch einem Punkt, diesmal jedoch im eigenen Lager…

What the Fork!?

Es wird seitens Ethereum und slock.it jetzt darüber mehr als nur diskutiert, dass es neben der Soft Fork, die Ether-Transaktionen von der DAO aus verhindern will, man eine Hard Fork ins Leben rufen will, die das Ether in der Mutter-DAO und allen Child-DAOs wieder an seine ursprünglichen Besitzer zurücksendet.

Ich habe mit beiden Dingen meine Bauchschmerzen – auch wenn sie deutlich legaler als der Exploit sind. Viele von Kryptowährungen und Ethereum begeisterten (wie auch meine Wenigkeit) sind unter anderem von dem Gedanken begeistert, dass mein Geld wirklich mein Geld bleibt. Der Soft Fork würde dem Einfrieren eines Bankkontos gleich kommen, der Hard Fork noch mehr machen. Letztlich würde man sich wie die klassische Bank verhalten.

Ethereum ist zwar nicht derart rigoros wie Bitcoin mit “Be your own Bank” angetreten, aber letztlich auch mit dem Anspruch, die middle men aus dem Prozess herauszulösen. Dass das Ganze noch zugunsten einer sich von der Ethereum Foundation unabhängig verstehenden Entität namens DAO zu Gute kommt, macht das Ganze noch pikanter. Ja, es gab in der Bitcoin Geschichte mehrere Hard Forks. Diese betrafen jedoch Bitcoin an sich, nicht einfach einen bestimmten Stakeholder.

DAO oder DEO – Meine Five Cent

Das Team hinter der DAO hat klar gemacht, dass die DAO nun erstmal tot ist. Man wird letztlich den Vorschlag von Emin Gün Sirer realisieren und kontrolliert den Nutzern die Funds zurückgeben. Man animiert, das im Rahmen einer Hard Fork zu machen, eine Soft Fork ist nun schon so gut wie sicher.

Ich bin, muß ich gestehen, mit dem Verlauf der Entwicklung nicht ganz glücklich. Was meine persönliche Präferenz betrifft pendle ich zwischen zwei Extremen.

Entweder man akzeptiert die DAO als autonome Organisation (natürlich wird man die Codebase ändern müssen, das ist klar). Wenn dem so ist, dann ist das Geld weg. Ja, das ist ärgerlich, hätte jedoch auch über Fehlinvestments kommen können. Man teilt den Rest des vorhandenen Ether unter den DAO Token holders so auf, dass es den jeweiligen Beträgen an DAO Token entspricht.

Diese Möglichkeit wäre letztlich ohne Soft Fork gegangen. Ja, der Fund innerhalb der DAO wäre dramatisch reduziert und ein Crook hätte mehr als nur eine goldene Nase erworben, aber man könnte weiterhin voten, weiterhin auf Rewards hoffen etc. Diese Möglichkeit ist durch die Forcierung auf die soft fork nicht mehr möglich. Dennoch könnte man anteilig den Leuten die Funds zurückgeben.

Das andere Extrem betrifft sowohl soft fork als auch hard fork: man kann natürlich die DAO als DEO sehen, als decentralized Ethereum Organization – als einen crowd fund, der nicht nur Lösungen aufbauend auf Ethereum unterstützt – wie es bisher angedacht war -, sondern auch Ethereum selbst. Man hätte dann eine interessante Weiterentwicklung des DASH Governance Modells geschaffen. Autonom wäre die Organisation aber nicht mehr, sie würde eng mit Ethereum zusammenhängen. Wenn wir uns jedoch das Kuratorium der DAO anschauen sehen wir, dass diese Lösung letztlich nahe an der Realität ist.

Man merkt also, dass die aktuelle Lage nicht einfach das Ende der DAO in der bisherigen Form ist – sie markiert auch eine Art Scheideweg für ein Nachfolgemodell. So oder so – sollte es eine Neuauflage des DAO-Frameworks geben, werde ich meine Anteile wieder dahin überschreiben. Die Idee ist weiterhin grandios und ich finde es spannend, ein Teil derselben zu sein!

BTC-Echo

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