Fast zwei Milliarden US-Dollar in Kryptowährungen gestohlen: Startschuss für AML-Wettlauf?

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Fast zwei Milliarden US-Dollar in Kryptowährungen gestohlen: Startschuss für AML-Wettlauf?

Hacker und anderen Cyberkriminellen gelang es im vergangenen Jahr, Kryptowährungen im Gegenwert von rund 1,7 Milliarden US-Dollar zu erbeuten. Das ist ein 3,6 Mal größerer Profit als noch 2017. Entsprechendes geht aus dem Quartalsbericht der Analysten von Ciphertrace.com hervor. Nun gilt es für die Kriminellen, die gestohlenen Coins möglichst schnell zu waschen – bevor ihnen eine globale Bitcoin-Regulierung samt einheitlichen Anti-Geldwäsche-Richtlinien (AML) einen Strich durch die Rechnung machen.

Etwas mehr als die Hälfte der 1,7 Milliarden US-Dollar entstammt aus Krypto-Börsenhacks. Diese zeigen mit schmerzhafter Regelmäßigkeit, dass der Komfort von Bitcoin-Börsen nicht ohne Risiko zu haben ist. Der Bericht von CipherTrace beziffert die aus Börsen-Hacks erbeutete Summe für das Jahr 2019 mit 950 Millionen US-Dollar.

Die übrigen 750 Millionen US-Dollar gehen auf das Konto von Exit Scams, Inside Jobs und Ponzi Schemes. CipherTrace betont, dass es sich bei den 1,7 Milliarden US-Dollar lediglich um den Betrag handelt, den man zweifelsfrei auf cyberkriminelle Machenschaften zurückführen konnte. Die Dunkelziffer dürfte demnach noch deutlich darüber liegen.

Globaler AML-Rahmen bis 2020?

Außerdem finden Cyberkriminelle zunehmend Gefallen daran, den einzelnen Endverbraucher anzugreifen. Besonders SIM Swapping erfreut sich hier wachsender Beliebtheit. Bei SIM Swapping verschaffen sich Angreifer Kontrolle über das Smartphone und damit mittelbar auch über die Identität des Opfers. So können sie sich dann als das Opfer ausgeben, um beispielsweise die Zwei-Faktor-Authentifizierung von Bitcoin-Börsen zu umgehen und die dort hinterlegten Wallets leer zu räumen. Diese Form des Identitätsdiebstahls führt CipherTraces Liste der zehn größten Krypto-Bedrohungen an.

Nun handelt es sich bei den 1,7 Milliarden US-Dollar um Schwarzgeld, das noch der Wäsche harrt. Die Kriminellen müssen sich damit sputen, zumindest wenn es nach der Einschätzung von CipherTrace geht:

„[…] 2018 gab es große Schritte rund um den Globus, um den Wildwestaspekt dieser [Krypto-]Märkte zu zügeln. Bis 2020 werden die meisten modernen Volkswirtschaften strenge Vorschriften zur Bekämpfung der Geldwäsche bei Kryptowährungen eingeführt haben.“

Im vergangenen Jahr gab es weltweit Fortschritte bei der Krypto-Regulierung. So hat etwa Malta als erstes Land eine umfassende AML-Regelung für Firmen aus dem Sektor der virtuellen Finanzanlagen eingeführt. Die US-Börsen- und Wertpapieraufsichtsbehörde SEC hat indes erstmals Schritte gegen eine Krypto-Börse eingeleitet, der der unregistrierte Handel mit Wertpapieren vorgeworfen wurde. In Japan, wo Privacy Coins mittlerweile verboten sind, dürfen sich Krypto-Börsen indes selbst regulieren.

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