EZB-Direktoriumsmitglied: Banken zu langsam für Kyptowährungen

Lars Sobiraj

von Lars Sobiraj

Am · Lesezeit: 2 Minuten

Lars Sobiraj

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Außerdem bringt Lars Sobiraj seit 2014 an der Kölner Hochschule Fresenius Studenten für Sustainable Marketing & Leadership (M.A.) den Umgang mit dem Internet und sozialen Netzwerken bei.

Quelle: EZB-Gebäude via Shutterstock

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Gestern sagte EZB-Direktoriumsmitglied Yves Mersch in Rom, kommerzielle Banken müssten künftig schnellere Geldtransfers durchführen, um den Siegeszug der Kryptowährungen aufzuhalten. Bislang hatte er sich diesbezüglich herablassend geäußert.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, äußerte sich am gestrigen Donnerstag Yves Mersch vom Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB) in Rom über die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit der Banken. Laut Mersch müssen die Banken die Einführung der verzögerungsfreien Überweisung beschleunigen, bei der Gelder unverzüglich rund um die Uhr übermittelt werden können. Dies soll die Faszination ausbremsen, die momentan immer mehr von Kryptowährungen ausgeht.


Yves Mersch hat sich in der Vergangenheit herablassend über digitale Währungen geäußert. Der EZB ist aber offenbar weder das aktuelle Bitcoin-Kurshoch, noch die überaus schnelle elektronische Übertragung von Guthaben mittels Kryptowährungen rund um den Globus entgangen. Auf einer Veranstaltung in Rom sagte Mersch, man brauche eigene Argumente in der Debatte um die „angeblichen Innovationen virtueller Währungssysteme“. Zwar werden die neuen Zahlungsmittel nur im Ausnahmefall von den europäischen Einzelhändlern akzeptiert. Dennoch sorgen sich die Mitglieder des Direktoriums, weil Kryptowährungen ihre Kontrolle über das Bankensystem und die Geldmenge bedrohen, was bedeutet, dass man bei Inflationen nicht mehr gegensteuern könne. Dies könnte laut Mersch die (zentral gesteuerte) Geldpolitik untergraben, weswegen die Zentralbanken von Großbritannien und Schweden eigene digitale Währungen einführen wollen.

Nach Angaben von Yves Mersch würde die EZB mit verschiedenen digitalen Bezahl-Lösungen experimentieren. Er sieht aber keinen Spielraum für „abenteuerliche Einsätze“ einer solchen Technologie. Andere experimentelle Technologien, die die jetzigen Strukturen aufgrund ihrer disruptiven (zerstörerischen) Struktur verdrängen könnten, seien einfach nicht „robust genug“.

Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele stimmte gestern in Berlin den Aussagen seines Kollegen zu. Die Ausgabe eines digitalen Zentralbank-Geldes sei hierzulande in einem vorhersehbaren Zeitraum keine realistische Option, so Thiele. Dies gelte in Deutschland vor allem aufgrund des häufigen Einsatzes von Bargeld.

Geäußert hat sich in jüngster Zeit auch EZB-Chef Mario Draghi. Die EZB habe derzeit nicht die Macht, um digitale Währungen zu verbieten oder zu regulieren. Zuvor kritisierte Draghi die im August bekannt gewordenen Pläne Estlands, den landeseigenen Estcoin einzuführen.

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