Exklusivinterview: Matthew Schutte von Holochain – Teil 2

Exklusivinterview: Matthew Schutte von Holochain – Teil 2

Im ersten Teil unseres Interviews hat uns Matthew Schutte von den Grundideen von Holochain erzählt und den datenzentrierten Ansatz der Blockchain mit einer Analogie zur Temperaturmessung erklärt. Im zweiten Teil erklärt er uns, wie der akteurzentrierte Ansatz von Holochain funktioniert und wie uns das beim sozialen Netzwerken helfen kann.

Wenn man den datenzentrierten Ansatz der Blockchain mit Temperaturmessung vergleicht, werden in Deinem Beispiel Probleme ersichtlich. Inwiefern ist der akteurzentrierte Ansatz besser?

Ein akteurzentrierter Ansatz ist anders. In unserem Beispiel kann man sagen, dass jedes Thermometer spricht – es äußert Ansprüche. Das Thermometer in Nairobi sagt, dass die Temperatur 25 Grad hat.

Zwei Dinge lassen sich daraus ableiten:

1) Was, wenn das Thermometer falsch kalibriert ist? Es könnte vielleicht behaupten, dass die Temperatur 25 Grad beträgt, wenn sie tatsächlich nur 22 Grad beträgt.

2) Auch wenn es richtig kalibriert ist, befindet sich das Thermometer an einem bestimmten Ort. Es ist nicht überall. Auch wenn die Temperatur in Nairobi 25 Grad beträgt, ist das die richtige Methode, um die globale Temperatur zu bestimmen? Sicher nicht.

 

Akteurzentriert statt datenzentriert

Hier kommen Holochain-Anwendungen ins Spiel. Sie sind dazu in der Lage, solche Faktoren miteinzukalkulieren. In den Anwendungen ist nämlich die Herkunft der Informationen implementiert. Indem man also nachvollziehen kann, was die Thermometer „sagen“ und was sie „behaupten“, kann man beginnen, zu vergleichen, zu kontrastieren und Durchschnittswerte zu erheben. Dadurch erhält man sehr viel nützlichere Informationen als sich einfach nur auf eine bestimmte Gradzahl zu einigen.

Um das nochmal klarzustellen: Ich verwende dieses Beispiel nur als Analogie. In der Welt der Blockchain ist die Information, die aus der „Lotterie“ gezogen wird, nicht die Temperatur. Vielmehr ist es der Eintrag der Informationen in neue Blöcke bzw. in die Blockchain. Diese Lotterie entscheidet letztendlich, wer von den tausenden Elite-Minern neue Informationen beisteuern darf.

In einem akteurzentrierten Modell, indem man nicht nur darauf achtet, was gesagt wird, sondern auch wie es gesagt wird, wird das besser funktionieren. Durch die Kombination verschiedener Perspektiven verbessern wir schließlich auch die Qualität der Information. […] Anstatt nur eine einzelne Perspektive zu wählen, sollen viele Blickwinkel für ein umfassenderes Bild zusammengefügt werden. […] Auch die Möglichkeit der Nutzer, diese Perspektiven nachverfolgen zu können und sich ggfs. eine auszusuchen, ist ein großer Vorteil gegenüber Blockchains.

Holochain-Lösungen gegen die Social-Media-Giganten

In den Anwendungsbeispielen führt ihr soziale Medien, Identität und Geld auf – glaubst Du, es ist möglich, unabhängige Ansätze bei sozialen Medien und Identität durchzusetzen? Facebook, Instagram und Co. sind sehr mächtige Player.

Wir glauben nicht, dass Facebook das Internet für den Rest der Geschichte dominieren wird. Wir glauben, dass neue und andere Anwendungen sich als nützlich erweisen und an den Machtpositionen der heutigen Social-Media-Giganten rütteln werden. Das heißt nicht, es wird „eine“ große Anwendung geben, die sie ersetzt. Es wird ein Tod auf Raten.

Wir sind also nicht darauf fokussiert, die alten Systeme zu Fall zu bringen. Wir wollen neuere, dynamischere hervorbringen. Wie Buckminster Fuller sagte:

„Man schafft niemals Veränderung, indem man das Bestehende bekämpft. Um etwas zu verändern, baut man neue Modelle, die das Alte überflüssig machen.“

Das Interview führte Phillip Horch.

Bilanz, Zukunft & ICO

Bis jetzt läuft das Projekt recht gut an. Bei sechs Hackathons im vergangenen Jahr hat die Community unter anderem an einer Peer-to-Peer-Variante von Twitter gearbeitet. Auch eine Wikipedia-Alternative, die auf der Regierung durch die Community basiert, sowie ein Krypto-Buchführungssystem sind daraus hervorgegangen. Im nächsten Jahr soll dann ein peer-to-peer-basiertes Stromnetz folgen. Weiteres steht noch aus.

Am 9. Januar nächsten Jahres läuft ein ICO für die erste Anwendung für die Holochain an. Diese soll Holo heißen und ein Netzwerk bilden, bei der Teilnehmer über eine Webseite Rechenleistung zur Verfügung stellen können. Diese dient dann dazu, anderen Nutzern zu helfen, mit der Holochain zu interagieren. Wer seine Leistung zur Verfügung stellt, wird dafür bezahlt.

Bis jetzt wurde das Projekt mit einer Indiegogo-Crowdfunding-Kampagne finanziert, um eine stabile Hardware für Holo zu garantieren. Dabei wurden 500 Holoports verkauft, die die Grundlage für den Launch im Frühjahr 2018 herausgegeben. Mehr Infos zum ICO gibt es hier und hier.

BTC-ECHO

Über Phillip Horch

Phillip HorchPhillip Horch ist Chef vom Dienst von BTC-ECHO und für die Strukturierung und Planung der redaktionellen Inhalte verantwortlich. Er sammelte während des Studiums mehrjährige Redaktionserfahrung und war danach als freiberuflicher Journalist tätig, bevor er im Januar 2018 begann, als Redakteur bei BTC-ECHO zu arbeiten. Phillip hat einen Master in Literatur-, Kunst- und Medienwissenschaften, für den er an der Uni Konstanz und an der Universidad de Valparaíso studierte.

Bildquellen

Ähnliche Artikel

Hard Fork für Monero: Beryllium Bullet jetzt verfügbar

Am 18. Oktober 2018 führt das Monero-Netzwerk eine weitere Hard Fork durch: Beryllium Bullet. Mit dem Protokoll-Update sollen Transaktionen weniger Speicherplatz verbrauchen und günstiger werden. Mittlerweile hat das Monero-Projekt die neuen Wallet-Versionen veröffentlicht (v0.13.xx.xx). Wer Monero hält, muss jetzt seine Software aktualisieren. Ein Überblick: Hard Forks sind für Monero ein alter Hut. Zweimal im Jahr […]

Breaking: Fidelity Investments plant Bitcoin-Trading-Desk

Das billionenschwere Finanzunternehmen Fidelity Investments kündigte in der Nacht zum Dienstag, dem 16. Oktober, einen Trading Desk für Bitcoin & Co. an. Die Firma plant die Gründung eines Tochterunternehmens, welches für die Verwaltung von digitalen Wertanlagen zuständig sein soll. Nach Goldman Sachs kündigt das nächste Wall-Street-Unternehmen ihren Eintritt in den Krypto-Sektor an. Berichten zufolge plant […]

Visa und MasterCard: Kryptowährungen und ICOs als „hochriskant“ klassifiziert

Die beiden Kreditkartenunternehmen Visa und MasterCard könnten zukünftig härter gegen Kryptowährungen und Initial Coin Offerings vorgehen. So wurden Assets aus dem Krypto-Sektor als „hochriskant“ eingeordnet. Damit sichern sich die beiden Unternehmen zu, auch im Nachhinein Krypto-Geschäfte rückabwickeln zu können. Wie das Magazin Finance Magnates unter Berufung auf Insiderquellen berichtet, haben die beiden Kreditkartenanbieter Visa und […]

Bitcoin-Börse Bakkt erhält prominente Verstärkung

Es ist offiziell: Die New Yorker Krypto-Börse Bakkt bekommt einen neuen Chief Operating Officer (COO). Mit Adam White ist nun ein Coinbase-Veteran für das operative Geschäft von Bakkt verantwortlich. Bereits seit letzter Woche kursierten Wechselgerüchte um Adam White, den Vizepräsidenten der Bitcoin-Börse Coinbase. Nun ist es offiziell: White bringt seine Expertise ab November bei der […]