Können Ethereum und Ethereum Classic nebeneinander koexistieren?

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Können Ethereum und Ethereum Classic nebeneinander koexistieren?

Wie groß ist der Ethereum-Markt? Mit Blick auf die letzten Entwicklungen keine einfache Frage, die viele Trader und Marktbeobachter verunsichert.

Durch die ungeplante Entscheidung der Ethereum-Community, eine neue Version der Blockchain zu implementieren, existieren nun zwei verschiedene Ethereum-Märkte den Wert einer ehemals identischen Plattform.

Die geplante technische Umstellung wurde schnell ziemlich verwirrend, als ein gesamtes Ökosystem von Börsen, Minern und Tradern auf die eigentlich aufgegebene Blockchain aufgesprungen ist. Dies führte dazu, dass ein Markt für zwei Tokens von zwei verschiedenen Blockchains entstanden ist. Die Blockchain Ethereum, die durch den Hard Fork geschaffen wurde, umfasst eine gegenwärtige Marktkapitalisierung von über 900 Millionen US-Dollar. Die Marktkapitalisierung von Ethereum Classic hingegen umfasst gerade mal 141 Millionen US-Dollar. Ethereum Tokens (Ethers / ETH) stehen zurzeit bei 11 US-Dollar, während Classic Ethers (ETC) bei lediglich 1,70 US-Dollar stehen.

Chris Burniske, Blockchain-Produktmanager bei ARK Invest, äußert sich zur plötzlichen Popularität von Ethereum Classic, wie folgt:

“Anfänglich sah es so aus als würde ETC einen schnellen Tod sterben, da kaum noch ein Wert vorhanden war und die überwiegende Mehrheit der Miner ETH unterstützt hat.”

Nachdem der Hard Fork ausgeführt wurde begannen Big Player im Digitalwährungsmarkt größere Mengen an ETC zu kaufen. Zusätzlich wurde denjenigen, die ETH besessen haben, automatisch die gleiche Menge an ETC gutgeschrieben, was das Handelsvolumen anstiegen ließ und die Spekulation befeuerte.

“Der Markt war nicht wirklich liquide, sodass ein kleiner Anstieg in der Nachfrage starke Auswirkungen auf den Preis haben konnte,” fügt Burniske hinzu.

Nachdem sich nun der Nebel etwas gelegt hat stellen sich viele Marktbeobachter die Frage, wie lange noch ETC und ETH nebeneinander koexistieren können. Wird die Ethereum-Blockchain von den Entwicklern aufgeben? Wird die sich die neue Chain durchsetzen? Oder werden beide hartnäckig weiter koexistieren?

Bislang scheinen sich die Experten nicht einig zu sein.

Von Ideologie getrieben

Auch wenn die beiden Blockchains nahezu identisch sind glauben einige, dass die ideologischen Unterschiede Raum für verschiedene Preisdynamiken lassen.

Petar Zivkovski, Handelsdirektor bei der Bitcoin-Tradingplattform Whaleclub, sprach darüber, wie die Wünsche nach einer unverbesserlichen Ideologie dazu beigetragen haben Ethereum Classic zu kreieren.

Er argumentiert, dass sich durch die Ablehnung der Entscheidung – die gestohlenen Einlagen durch die sogenannten DAO-Hacker wiederherzustellen – ETC als eine Blockchain etabliert hat, welche die Endgültigkeit der Transaktionen bewahrt.

So sagt er:

“Das Aufkommen von ETC ist ein Beweis für die Macht eines dezentralen, nicht-staatlichen Blockchain-Systems, welches trotz seiner Konstruktionsfehler ETH klar ablehnt. Die Verfechter von ETC sehen ETH als ein zentral beeinflussbares System, das von einigen erleuchteten Entwicklern gesteuert wird.”

Zudem sahen einige Miner nach dem Hard Fork, mit dem Ansteigen des Handelsvolumens, ein lukratives Geschäft im Minen der alten Blockchain-Version.

Wie sieht es mit der Nachfrage aus?

Es stellt sich die Frage wie nachhaltig die gegenwärtige Situation ist. Werden beide Märkte die notwendigen Grundlagen bereitstellen?

Zivkovski betont, dass die Volatilität von ETH-Handelspaaren weiter hoch bleiben wird, wie es bei ETH schon seit einem Jahr der Fall ist. Entscheidend dabei ist, ob die Nachfrage auch von Dauer sein wird.

So fügt er hinzu:

“Die Volumen von ETH und ETC waren in der Vergangenheit überwiegend spekulativer Natur und wir alle wissen, dass eine spekulativ getriebene Nachfrage schnell zu einem Ende kommen kann.”

Zivkovski behauptet, dass sich beide Währungen noch als einzigartig, wie Bitcoin, behaupten müssen, da sie bislang nur einen begrenzten Nutzen als Wertaufbewahrungsmittel haben.

Artuhr Hayes, CEO der Bitcoin-Tradingplattform BitMEX, äußert, dass beide Märkte nachhaltig sein können, sofern sie sich als profitabel für Trader erweisen.

“Besitzer von ETH (pre-Fork) haben gegenwärtig ihr Vermögen, seit dem Hard Fork, steigern können, wenn man die aktuellen Preise von ETH und ETC kombiniert”, äußert Hayes.

Technische Bedenken

Einige Marktbeobachter weisen auf die potentiellen, technischen Begrenzungen hin, die von zwei Plattformen ausgehen. Schließlich sind beide Tokens dafür bestimmt dezentrale Ethereum-Applikationen zu ermöglichen, und es ist zur Zeit nicht klar, wie die Entwickler mit zwei Versionen umgehen werden.

Jacob Eliosoff von Calibrated Markets sagt, dass es sehr umständlich für Endbenutzer ist zwei verschiedene Märkte zu haben.

“Die verschiedenen Ideologien mögen ihren Reiz haben, sind aber für diejenigen, die Smart Contracts entwerfen wollen, absolut hinderlich.”

Zudem zweifelt Eliosoff daran, dass beide Blockchains langfristig über genug Entwickler-Talente verfügen, um zukünftig erfolgreich zu sein.

Burniske sieht an dieser Stelle ETC im Nachteil und sagt:

“Während die Unterstützung für ETC auf Entwicklerseite steigt, fehlt es an einem zusammengeschweißten Team an Rockstar-Entwicklern, wie wir es bei ETH gesehen haben.”

Burniske vermerkt, auch wenn er nicht zwangsläufig daran glaubt, dass ETC jemals sterben wird, dass digitale Währungen durchaus dazu neigen in die Bedeutungslosigkeit abzudriften.

Hayes vertritt die optimistischste Sichtweise und fasst zusammen:

“Beide Coins können koexistieren, weil sie über verschiedene Absichten und Stakeholder verfügen.”

BTC-ECHO

Englische Originalversion von Charles Bovaird via CoinDesk

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