Ethereum: ConsenSys will unrentable Projekte einstellen

Christopher Klee

von Christopher Klee

Am · Lesezeit: 3 Minuten

Christopher Klee

Christopher Klee hat Literatur- und Medienwissenschaften sowie Informatik an der Universität Konstanz studiert. Seit 2017 beschäftigt sich Christopher mit den technischen und politischen Auswirkungen der Krypto-Ökonomie.

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Der Bärenmarkt fordert weitere Opfer. Mit ConsenSys muss sich nun auch eines der erfolgreichsten Blockchain-Start-ups einer Umstrukturierung unterziehen. Unrentablen Ethereum-Projekten droht nun die Auflösung. 

Eigentlich kann sich die Geschichte von ConsenSys durchaus sehen lassen. Alleine innerhalb der letzten 18 Monate hat sich die Zahl der Mitarbeiter von 150 auf über 1.100 vergrößert. Das Unternehmen um Ethereum-Mitbegründer Joseph Lubin hat in und nach dem phänomenalen Krypto-Jahr 2017 ordentlich hochskaliert. Womit man vermutlich nicht rechnete, war der dramatische Kursverfall, der im laufenden Jahr den meisten Kryptowährungen widerfahren ist.

Den Ether-Kurs hat der Bärenmarkt indes besonders schwer getroffen. Von seinem Allzeithoch bei knapp 1.400 US-Dollar setzte Ether zu einem Sinkflug an, der das ganze Jahr andauern sollte. Aktuell gleitet der Kurs knapp über der 100-US-Dollar-Marke. Das hat der ConsenSys-Gründer Lubin zu spüren bekommen. Schließlich gilt Lubin als einer der größten, wenn nicht sogar der größte Ethereum-Hodler.

In einem Rundbrief an alle ConsenSys-Projekte, der BREAKER vorliegt, verkündete Lubin vor Kurzem den Eintritt des Unternehmens in eine neue Phase. Angesichts der Marktlage und wachsender Konkurrenz im Bereich der Blockchain-Entwicklung, möchte ConsenSys nun ein strengeres Maß für die Förderung von Ethereum-Projekten anlegen.

„Wir werden in Bezug auf Meilensteine und Zeitpläne viel strenger werden“,


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so Lubin gegenüber BREAKER.

Das bedeute auch, dass ConsenSys Projekte auflöst, die bei denen sich „frühere Annahmen als falsch erwiesen haben“. Mitarbeiter von gescheiterten Projekten sollen nach Möglichkeit bei anderen Projekten unterkommen. Allerdings schließt Lubin Entlassungen nicht aus. Welche der über 50 Projekte abgesägt werden, darüber hat Lubin noch keine Auskunft gegeben.

„Blockchain ist mehr als nur ein Markt“

Die Zeichen stehen jedoch gut für die ConsenSys-Flaggschiffe Metamask, Truffle und Infura. Diese führte Lubin am 1. Dezember als Belege dafür an, dass die umstrittene Marktkapitalisierung keinen geeigneten Indikator für die Entwickleraktivitäten innerhalb eines Blockchain-Ökosystems liefert. Jeweils über eine Million Metamask- und Truffle-Downloads sowie mittlerweile 51 Millionen Ethereum-Adressen seien Belege dafür, dass „Blockchain mehr ist als ein Markt. Es ist eine Bewegung.“ Mit diesen Worten leitete Lubin einen Tweetstorm ein, in dem er auf zahlreiche Ethereum-Projekte verweist, die bereits in der Realwelt zum Einsatz kommen.

Auch die blockchainbasierte Journalismus-Plattform CIVIL gehört zu den von ConsenSys geförderten Projekten. Lubin verzichtet jedoch darauf, es als beispielhaften Use Case anzuführen. Möglicherweise genügt CIVIL nicht den neuen Ansprüchen von „ConsenSys 2.0“, die neben dem technischen und gesellschaftlichen Mehrweit eines Projekts auch seiner Rentabilität größere Bedeutung beimessen. Gerade in letztem Punkt konnte CIVIL durch das Scheitern des ICO – trotz namhafter Kooperationspartner – nicht gerade glänzen.

Auch wenn Lubin in seinem Tweetstorm einen anderen Eindruck vermitteln möchte – das Ethereum-Ökosystem selbst ist nur bedingt repräsentativ für eine wachsende Aktivität der Blockchain-Entwickler. So führt derzeit Konkurrent EOS in Sachen Blockchain-Aktivität – mit immensem Abstand zum Rest des Feldes.

Die Daten von blocktivity.info zeigen außerdem die mangelnde Skalierbarkeit  von Ethereum und Bitcoin. Zum Zeitpunkt des Schreibens ist die Ethereum-Blockchain zu 100 Prozent ausgelastet; über 100.000 Transaktionen warten noch auf ihre Bestätigung. Deshalb tut es Not, dass Lösungsansätze wie das Lightning Network bei Bitcoin und Sharding bzw. Plasma bzw. Casper mit erhöhtem Tempo verfolgt werden.


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