Es brodelt bei Facebook: Warum es um mehr als nur Krypto-Werberichtlinien geht

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Es brodelt bei Facebook: Warum es um mehr als nur Krypto-Werberichtlinien geht

Facebook hat seine Werberichtlinien hinsichtlich Kryptowährungen und Blockchain überarbeitet, sodass Krypto-Werbung, mit Ausnahme von ICOs und binären Optionen, wieder gestattet ist. Die Nachricht hat in den sozialen Medien zu vielen Gerüchten geführt, da einige in diesem Beschluss viel mehr sehen als nur eine kleine Veränderung in den Werberichtlinien. Wie sind die Gerüchte also einzuordnen und welche Implikationen auf den Kryptomarkt und deren User könnten sie haben?

Das Verhalten von Facebook war und ist durchaus nachvollziehbar. Um der Masse an unseriöser ICO-Werbung inklusive Krypto-Schneeballsystemen etwas entgegen zu setzen, hat der Internetgigant im Januar dieses Jahres die Reißleine gezogen und temporär ein generelles Werbeverbot für die gesamte Krypto-Ökonomie erlassen. Dem hatten sich kurze Zeit später auch Google, Twitter und Instagram angeschlossen und ebenfalls eine No-Crypto-Ads-Policy beschlossen. Nicht wenige hatten diese Policy unterstützt, hat sie doch dazu beigetragen, die Inflation an Scam-ICOs und substanzlosen Kryptoprodukten zu bremsen.

Die Schattenseite war hingegen, dass auch seriöse Player unter die Zensur gefallen sind. Wollte beispielsweise eine staatliche Universität Werbung für eine eigene Blockchain-Veranstaltung machen, so wurde dies genauso unterbunden wie Werbung für Schneeballsysteme – Ausnahmen waren, wenn überhaupt, nur schwer zu erwirken. Ein Zustand, der nicht auf Dauer hinzunehmen ist, wie Facebook selbst einräumt. Entsprechend hat man nun die Richtlinien überarbeitet, sodass Unternehmen ab sofort wieder Krypto-Werbung schalten können, wenn ihr Antrag genehmigt wird.

Ein Like für die Bürokratie

Ab sofort müssen Anträge bei Facebook eingereicht werden, wenn man Krypto-Werbung schalten möchte. Zwar sind die Anträge immerhin papierlos, doch werden nicht gerade wenige Informationen von den werbetreibenden Unternehmen erwartet – eine bewusste Hürde, wie Rob Leathern, Product Management Director bei Facebook, äußert: „Im Rahmen der Restriktionen wird nicht jeder werben können, der es vor hat.“ Wie streng die Sachbearbeiter und Algorithmen Anträge bewerten und abwickeln werden, ist unklar. Auch ist die Bearbeitungszeit bislang unbekannt.

Sollte sich das Verfahren als praktikabel und nicht zu aufwendig erweisen, könnte dies zumindest vorübergehend ein anständiger Kompromiss zwischen Wild West und Zensur sein – ein Beigeschmack bleibt trotzdem. Es ist aber genauso gut denkbar, dass das gesamte Verfahren und die Antragskriterien in ein paar Wochen vollkommen anders aussehen.

Führt Facebook die Herde an?

Als Facebook im Januar das Krypto-Werbeverbot ausgesprochen hatte, folgten Google, Twitter und Instagram zeitnah mit eigenen Anti-Krypto-Werberichtlinien. Entsprechend drängt sich die Frage auf, ob jetzt auch die anderen Internetkonzerne ihre Policy korrespondierend zu Facebook lockern werden. Bei Twitter lesen sich zahlreiche solcher Posts:

Auch wenn es noch an offiziellen Statements fehlt und es sich hierbei um Mutmaßungen diverser Personen handelt, liegt es nahe, dass die anderen Player Facebook das Krypto-Werbefeld nicht einfach überlassen werden. Auch wenn ICOs und binäre Optionen, die einen erheblichen Teil des Krypto-Werbebudgets ausmachen, außen vor bleiben sollten, würde allein schon das Bewerben von Kryptobörsen ordentliche Einnahmen bescheren – Geld, das sich auch die Silicon-Valley-Giganten nur ungern entgehen lassen.

Was heißt das für den Kryptomarkt?

Als im Januar das Krypto-Werbeverbot von Facebook bekannt gegeben wurde und Google im März nachzog, reagierte der Kryptomarkt mit einer Korrektur. Natürlich mögen hier auch noch andere externe Faktoren eine Rolle gespielt haben, doch war der Impuls der Beschlussverkündungen tendenziell negativ für die Kurse. Umgekehrt dürfte eine Lockerung der Krypto-Werbepolicy einen positiven Effekt auf den Kryptomarkt haben. Schließlich erreichen die Internetgiganten mehrere Milliarden Menschen, die nun durch wie auch immer geartete Werbung mit der Krypto-Ökonomie in Berührung kommen. So werden auch Personen mit Bitcoin & Co. konfrontiert, die zuvor noch keine oder nur wenige Berührungspunkte hatten – ein klarer Fingerzeig gen Mainstream-Adaption.

Dennoch stellt sich in diesem Kontext die Frage der Unabhängigkeit. Wo hört Verbraucherschutz auf und wo fängt Zensur an? Kann man Facebook wirklich vertrauen, dass es eine weitestgehend faire und unabhängige Bewertung von Kryptoprodukten und -projekten vornimmt? Insbesondere vor dem Hintergrund des Cambridge-Datenskandals sind Zweifel nicht von der Hand zu weisen.

Eins sollte in diesem Kontext nicht vergessen werden: Das gegenwärtige Geschäftsmodell von Facebook steht dem Blockchain-Narrativ diametral entgegen. Facebook ist eine zentralisierte Datenkrake, wohingegen der dezentrale Grundgedanke der Blockchain genau das Gegenteil vorsieht, nämlich die Datenhoheit bei den Nutzern zu belassen.

Lässt sich an den neuen Richtlinien eine Kryptostrategie seitens Facebook ableiten?

Die Gerüchteküche brodelt in den sozialen Medien. Nicht wenige sehen in der Werbelockerung einen ersten Schritt, der zum Teil einer größer angelegten Kryptostrategie Facebooks angehört. Zwar gibt es von der im Mai gegründeten Facebook-Blockchain-Research-Gruppe keinerlei offizielle Statements, die diese Gerüchte untermauern würden, doch gehen nicht wenige davon aus, dass es bald einen Token von Facebook geben wird. Gestützt wird sich dabei vor allem auf die Aussage von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, der im Januar dieses Jahres äußerte, dass er sich stärker mit dem Potential von Kryptowährungen auseinandersetzen möchte – nicht mehr, nicht weniger.

Es ist davon auszugehen, dass Facebook verstanden hat, dass es die Krypto-Ökonomie nicht aufhalten kann und entsprechend gut beraten ist, diese so stark wie möglich in das bestehende Geschäft zu integrieren. Mit einer Nutzerbasis von zwei Milliarden Menschen hat Facebook Möglichkeiten, den Kryptomarkt zu erobern, die kaum ein anderes Unternehmen hat. Schnell könnte Facebook dadurch eine Führungsrolle in der Krypto-Ökonomie einnehmen und Kryptostandards prägen. Entsprechend könnte die Werbelockerung als ein erster Schritt verstanden werden, langsam eine kryptofreundliche Umgebung und Akzeptanz zu schaffen. Schließlich wäre es nicht nur aus PR-Perspektive ein großer Widerspruch, würde Facebook Krypto-Werbung weiterhin untersagen, aber eines Tages seine eigenen Token und Kryptodienstleistungen anbieten.

Klar muss allerdings auch sein: Aller waghalsigen Thesen zum Trotz gibt es – Stand heute – keinerlei Beweise, die eine Token-Emittierung seitens des Internetgigangen untermauern. Es bleibt bei Vermutungen.

Ein Gerücht, das es in sich hat

Neben der Herausgabe eines Facebook-Token wird aktuell noch eine weitere These in den sozialen Medien diskutiert: Da David Marcus, Vizepräsident für die APP Division bei Facebook, auch bei der größten Kryptobörse der USA (Coinbase) im Vorstand sitzt, wird nun gemutmaßt, dass das Unternehmen Coinbase kaufen könnte. Auch hier handelt es sich nicht um mehr als ein Gerücht und es mangelt an stichhaltigen Beweisen, doch wäre eine solche Übernahme mehr als reizvoll für den Social-Media-Dienstleister. Mit über zwei Milliarden Usern könnte Facebook über eine integrierte und ggf. mit eigenem Token abgestimmte Exchange-Lösung ein ganz neues Level an Wertschöpfung erreichen. Die großen Internetkonzerne haben schon lange Finanzdienstleistungen im Visier, wie Apple Pay, Google Pay oder Amazon Pay zeigen. Dass auch Facebook seine gigantische Userzahl dahingehend nicht ungenutzt lassen will, drängt sich auf. Mit Sicherheit ist hier von Facebook noch einiges zu erwarten, egal ob mit oder ohne Coinbase.

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