Eine vergessene Anlageklasse: Die Anleihe und ihr Comeback durch Security Token

Sven Wagenknecht

von Sven Wagenknecht

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Sven Wagenknecht

Sven Wagenknecht ist Chefredakteur von BTC-ECHO. An der Blockchain-Technologie faszinieren ihn vor allem die langfristigen Implikationen auf Politik, Gesellschaft und Wirtschaft.

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Die Meldung ist wie eine Bombe eingeschlagen: Das Berliner Krypto-Start-up Bitbond hat diese Woche bekanntgegeben, dass die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ihrem STO-Antrag stattgegeben hat. Der Security Token wird allerdings einer Anleihe und keiner Aktie entsprechen. Warum Schuldverschreibungs-Token unterschätzt werden und was der Meilenstein für die Krypto-Ökonomie bedeutet.

Der Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 26. Mai 2019 05:05 Uhr von Sven Wagenknecht

Bei Security Token denken die meisten wahrscheinlich an Aktien bzw. Anteilscheine, die via Token abgebildet werden. Dass dem nicht so ist, hat Bitbond diese Woche bewiesen, die ihrem Namen treu geblieben sind und eine Anleihe begeben werden. Schließlich umfasst die Bezeichnung Security, ergo Wertpapier, weit mehr als nur die Anlageklasse Aktien. Bis zu 100 Millionen Euro möchte Bitbond so durch Token-Schuldverschreibungen einsammeln. Warum auch nicht? Die Zinsen sind zur Zeit niedrig und Investoren suchen händeringend nach festverzinslichen Papieren mit kalkulierbarer Rendite.

Für Unternehmen, die eine Anleihe begeben möchten, spricht das zur Zeit niedrige Zinsniveau und der Vorteil, keine Anteile am Unternehmen abgeben zu müssen. Anleger auf der anderen Seite suchen nach Anleihen, deren Zinssatz im Verhältnis zu einem angemessenen Ausfallrisiko einen höheren Zins abwirft als beispielsweise Anleihen von Volkswagen oder gar dem deutschen Staat.

Entsprechend geht von dem Bitbond-STO nicht nur die wichtige Signalwirkung aus, dass es möglich ist, in Deutschland einen STO durchzuführen, sondern auch, dass Anleihen eine durchaus attraktive alternative Finanzierungsform zu Aktien sein können. Die teils für tot erklärte Anlageklasse Anleihen kann genau wie die Anlageklasse Aktien von verbesserten Rahmenbedingungen durch die Token-Ökonomie profitieren.

BaFin: Da weiß man, was man hat

Die BaFin ist weltweit bekannt dafür, sehr streng zu sein bzw. sehr hohe Anforderungen an Unternehmen zu haben, die im Finanzdienstleistungsgeschäft tätig werden wollen. Ein Stempel von der BaFin ist mindestens so viel wert wie ein Made-in-Germany-Aufdruck bei deutschen Bohrmaschinen. Dieses Qualitätsmerkmal wird daher bei Investoren auf der ganzen Welt Eindruck machen. Gerade die Investoren, die sich vom wilden ICO-Hype und den Exit Scams betrogen fühlen, bekommen bei einem durch die BaFin genehmigten STO das gute Gefühl, in eine vollregulierte Kapitalmaßnahme mit entsprechendem Anlegerschutz zu investieren.

Korrespondierend dazu machten diese Woche auch positive Nachrichten aus Luxemburg die Runde. So hat die Abgeordnetenkammer von Luxemburg am 14. Februar ein Gesetz verabschiedet, das Rechtssicherheit für über die Blockchain laufende Wertpapiere verspricht. Auch Liechtenstein, wo es bereits erste STOs gab, stärkt den internationalen Druck auf Regulierungsbehörden, einen Rechtsrahmen für STOs zu finden. Es führt über kurz oder lang kein Weg an Aktien- und Anleihen-Token vorbei. Eine Erkenntnis, die jetzt noch mal an Fahrt aufnehmen dürfte.

Darauf kommt es jetzt bei Anleihe- und Aktien-Token an

Mit entsprechend großer Aufmerksamkeit werden Investoren auf der ganzen Welt daher beobachten, wie erfolgreich die aktuellen STOs sein werden. Wie viel wird z. B. Bitbond durch Anleihen einnehmen können? Werden die Zinszahlungen ohne Komplikationen gutgeschrieben? Diese und weitere Fragen werden über die Finanzmarkt-Adaption von Security Token entscheiden. Neben der noch ungeklärten Frage, wo es die ersten regulierten Security-Token-Börsen geben wird, wird sich zeigen müssen, welche Art von Unternehmen sich für einen STO entschließen werden.

Anfänglich ist davon auszugehen, dass STOs vor allem Hochrisiko-Unternehmen ansprechen werden. Allerdings muss sich hier deutlich von ICOs abgegrenzt werden. STOs sind eine reine Kapitalmaßnahme, die auch Unternehmen offensteht, die überhaupt nichts mit der Blockchain zu tun haben. Ganz im Gegensatz zu ICOs, bei denen Utility Token einen Blockchain-Anwendungsfall erfüllen müssen. Aus diesem Grund stehen die Chancen viel besser, dass die Substanz der Unternehmen und vor allem ihrer Geschäftsmodelle besser ausfällt, als dies bei ICOs der Fall ist.

Entsprechend können nicht nur Start-ups, sondern auch mittelständische Unternehmen mit soliden Bilanzen zum Entstehen eines niveauvollen Security-Token-Segments für Aktien und Anleihen beitragen. Zocker brauchen allerdings keine Angst haben. Es wird genug Hochrisikoprojekte geben, die im Pennystock- oder High-Yield-Bond-Segment kursieren werden.

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