„Die Uhr tickt“ – Facebooks Libra bringt europäische Banken ins Schwitzen

David Barkhausen

von David Barkhausen

Am · Lesezeit: 3 Minuten

David Barkhausen

David Barkhausen hat als freier Journalist bereits für mehrere Tageszeitungen, Funk, Fernsehen und nebenbei seinen eigenen Blog geschrieben. Seit 2017 widmet sich der Master-Student der Politikwissenschaften der Universität Heidelberg dem Themenkomplex Blockchain. In diesem Zusammenhang fokussiert er sich vor allem auf die Bereiche Regulierung, Gesellschaft und Wirtschaftspolitik.

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Facebook Libra

Quelle: Shutterstock

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Facebooks Währungsprojekt Libra erhöht den Druck auf europäische Banken, ihren Kunden Systeme für Echtzeittransaktionen an die Hand zu geben. Überweisungen in Sekundenschnelle sind derzeit nur in Teilen der Eurozone möglich. Der zuständige Europäische Zahlungsverkehrsausschuss EPC erwartet nun, dass bis 2020 nahezu alle europäischen Geldhäuser dem SEPA-Instant-Payment-System beitreten.

Der Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 1. Juli 2019 01:07 Uhr von Andre Winterberg

Nicht nur beim Wetter gibt es dieser Tage die Hitzerekorde. Seitdem Facebook vor zehn Tagen sein Währungsprojekt Libra der Öffentlichkeit präsentiert hat, scheint auch der Wettkampf im Finanzsektor immer hitziger zu werden.

Vor allem mit Blick auf die Abwicklung von Echtzeitüberweisungen bringt Libra Europas Geschäftsbanken zurzeit ins Schwitzen. So könnte der Stable Coin, der weltweite Überweisungen in Sekundenschnelle ermöglichen soll, zunehmend zur Konkurrenz für europäische Finanzinstitute werden. Dies berichten Branchenstimmen gegenüber Reuters.

In der Eurozone ermöglicht derzeit das SEPA-Instant-Payment-System Sofortüberweisungen zwischen verschiedenen Banken. Dem Netzwerk jedoch sind bisweilen nur rund die Hälfte aller europäischen Kassen beigetreten. Der Druck vonseiten Facebooks könnte dies wiederum bald ändern, glaubt Etienne Goosse vom Europäischen Zahlungsverkehrsausschuss EPC:

Die Uhr tickt. [Globale Konzerne] bieten globale Lösungen an, unter einer globalen Marke, die Konsumenten derzeit wunderbar zu finden scheinen […] Wir haben also keine Zeit zu verlieren.

Bis 2020 erwarte er, dass auch die übrigen europäischen Geldhäuser dem SEPA-System, das vom EPC verwaltet wird, beitreten. Nur dann könnten Transaktionsfehler, wie sie bisweilen noch üblich sind, vermieden werden, heißt es vonseiten des Ausschusses weiter.

Ungeachtet ob Libra ein Erfolg werde, müssten Banken Weitsicht beweisen und sich auf den weltweiten Wettbewerb einstellen, so Goosse.

Können europäische Banken mit Libra & Co. Schritt halten?

Mit Blick auf Echtzeittransaktionen konkurrieren in der Eurozone derzeit mehrere Systeme verschiedener Clearing-Stellen, die jedoch jeweils nur eine Handvoll Banken unter ihrem gemeinsamen Schirm versammeln.

Zwei der wohl derzeit größten Anbieter sind einerseits der französische Bankenverband EBA, welcher mit den spanischen und italienischen Bezahldiensten Iberpay und Nexi kooperiert. Anderseits betreibt die Europäische Zentralbank seit dem vergangenen Jahr das System TIPS.

Die Aufgabe ist nun, diese Systeme kompatibel zu machen,

gibt Piet Mallekoote, Geschäftsführer der niederländischen Bezahlvereinigung, gegenüber Reuters zu bedenken.

Doch selbst, wenn ein gemeinsames System für Sofortzahlungen innerhalb der Eurozone gelingt, ist es fraglich, ob dies der Konkurrenz den Wind aus den Segeln nehmen wird. So kann Facebook auf einen etablierten Kundenstamm setzen, dem es schwerfallen wird, sich von einfach bedienbaren Apps abzuwenden. Denn für vergleichbare Bezahldienste müssten sich die Hausbanken – wie etwa beim Online-Banking – zunächst die Erlaubnis der Facebook-Nutzer einholen.

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) warnt in ihrem jüngsten Bericht indes davor, dass sich weltweite Tech-Konzerne zu systemrelevanten Finanzakteuren entwickeln. Zwar besäßen Libra & Co. mit Blick auf finanzielle Inklusion und Effizienz wegweisendes Potential. Unter anderem mit Blick auf den Wettbewerb zwischen Geschäftsbanken jedoch müssten Gesetzgeber nun dafür sorgen, dass sich Konzerne nicht zu digitalen Monopolen entwickeln.

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