„Die Uhr tickt“ – Facebooks Libra bringt europäische Banken ins Schwitzen

Quelle: Shutterstock

„Die Uhr tickt“ – Facebooks Libra bringt europäische Banken ins Schwitzen

Facebooks Währungsprojekt Libra erhöht den Druck auf europäische Banken, ihren Kunden Systeme für Echtzeittransaktionen an die Hand zu geben. Überweisungen in Sekundenschnelle sind derzeit nur in Teilen der Eurozone möglich. Der zuständige Europäische Zahlungsverkehrsausschuss EPC erwartet nun, dass bis 2020 nahezu alle europäischen Geldhäuser dem SEPA-Instant-Payment-System beitreten.

Nicht nur beim Wetter gibt es dieser Tage die Hitzerekorde. Seitdem Facebook vor zehn Tagen sein Währungsprojekt Libra der Öffentlichkeit präsentiert hat, scheint auch der Wettkampf im Finanzsektor immer hitziger zu werden.

Vor allem mit Blick auf die Abwicklung von Echtzeitüberweisungen bringt Libra Europas Geschäftsbanken zurzeit ins Schwitzen. So könnte der Stable Coin, der weltweite Überweisungen in Sekundenschnelle ermöglichen soll, zunehmend zur Konkurrenz für europäische Finanzinstitute werden. Dies berichten Branchenstimmen gegenüber Reuters.

In der Eurozone ermöglicht derzeit das SEPA-Instant-Payment-System Sofortüberweisungen zwischen verschiedenen Banken. Dem Netzwerk jedoch sind bisweilen nur rund die Hälfte aller europäischen Kassen beigetreten. Der Druck vonseiten Facebooks könnte dies wiederum bald ändern, glaubt Etienne Goosse vom Europäischen Zahlungsverkehrsausschuss EPC:

Die Uhr tickt. [Globale Konzerne] bieten globale Lösungen an, unter einer globalen Marke, die Konsumenten derzeit wunderbar zu finden scheinen […] Wir haben also keine Zeit zu verlieren.

Bis 2020 erwarte er, dass auch die übrigen europäischen Geldhäuser dem SEPA-System, das vom EPC verwaltet wird, beitreten. Nur dann könnten Transaktionsfehler, wie sie bisweilen noch üblich sind, vermieden werden, heißt es vonseiten des Ausschusses weiter.

Ungeachtet ob Libra ein Erfolg werde, müssten Banken Weitsicht beweisen und sich auf den weltweiten Wettbewerb einstellen, so Goosse.

Können europäische Banken mit Libra & Co. Schritt halten?

Mit Blick auf Echtzeittransaktionen konkurrieren in der Eurozone derzeit mehrere Systeme verschiedener Clearing-Stellen, die jedoch jeweils nur eine Handvoll Banken unter ihrem gemeinsamen Schirm versammeln.

Zwei der wohl derzeit größten Anbieter sind einerseits der französische Bankenverband EBA, welcher mit den spanischen und italienischen Bezahldiensten Iberpay und Nexi kooperiert. Anderseits betreibt die Europäische Zentralbank seit dem vergangenen Jahr das System TIPS.

Die Aufgabe ist nun, diese Systeme kompatibel zu machen,

gibt Piet Mallekoote, Geschäftsführer der niederländischen Bezahlvereinigung, gegenüber Reuters zu bedenken.

Doch selbst, wenn ein gemeinsames System für Sofortzahlungen innerhalb der Eurozone gelingt, ist es fraglich, ob dies der Konkurrenz den Wind aus den Segeln nehmen wird. So kann Facebook auf einen etablierten Kundenstamm setzen, dem es schwerfallen wird, sich von einfach bedienbaren Apps abzuwenden. Denn für vergleichbare Bezahldienste müssten sich die Hausbanken – wie etwa beim Online-Banking – zunächst die Erlaubnis der Facebook-Nutzer einholen.

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) warnt in ihrem jüngsten Bericht indes davor, dass sich weltweite Tech-Konzerne zu systemrelevanten Finanzakteuren entwickeln. Zwar besäßen Libra & Co. mit Blick auf finanzielle Inklusion und Effizienz wegweisendes Potential. Unter anderem mit Blick auf den Wettbewerb zwischen Geschäftsbanken jedoch müssten Gesetzgeber nun dafür sorgen, dass sich Konzerne nicht zu digitalen Monopolen entwickeln.

Mehr zum Thema:

Ähnliche Artikel

ConsenSys: Ethereum-Entwickler treten Hyperledger bei
ConsenSys: Ethereum-Entwickler treten Hyperledger bei
Unternehmen

Auch jenseits von Bitcoin & Co. liefert die Blockchain-Technologie eine Fülle an Anwendungsmöglichkeiten. Die Adaption der Blockchain erfordert allerdings eine branchenweite Kooperation. Hyperledger hat sich eben dieser Aufgabe verschrieben. Mit ConsenSys erhält es nun ein weiteres prominentes Mitglied.

Bitcoin sicher aufbewahren: AXA versichert Hoyos „sicherste Hot Wallet der Welt“
Bitcoin sicher aufbewahren: AXA versichert Hoyos „sicherste Hot Wallet der Welt“
Sicherheit

AXA XL hat eine Versicherungslösung für mobile Krypto-Wallets des Anbieters Hoyos entwickelt. Hoyos verpflichtet sich nun im Falle eines Hacks, bis zu eine Million US-Dollar an betroffene Nutzer zu zahlen.

Newsletter

Die aktuellsten News kostenlos per E-Mail

Aktuell

„Ich kann mir keinen Bitcoin leisten“ – Billig-Coins als Alternativ-Investment?
„Ich kann mir keinen Bitcoin leisten“ – Billig-Coins als Alternativ-Investment?
Invest

Manche Einsteiger in den Krypto-Markt sind entmutigt, weil sie sich keinen ganzen Bitcoin leisten können. Sollten Investoren sich davon abhalten lassen oder gar „billige“ Coins kaufen?

Bitcoin und traditionelle Märkte – Bitcoin-Kurs seitwärts, aber entkoppelt
Bitcoin und traditionelle Märkte – Bitcoin-Kurs seitwärts, aber entkoppelt
Kursanalyse

Die Korrelation Bitcoins mit den übrigen Märkten ist wieder auf ein Minimum gesunken. Dasselbe lässt sich über die Volatilität und aktuell leider auch über die Performance sagen.

Die Top Bitcoin und Blockchain News der Woche: Dünne Luft für Ripple
Die Top Bitcoin und Blockchain News der Woche: Dünne Luft für Ripple
Bitcoin

Gefälschte QR-Codes bei Bitcoin, gewagte Kursprognosen, ein naherückender ETF und dünne Luft für Ripple: Der BTC-ECHO-Newsflash.

Bitcoin erreicht die Premier League: Bitcoin-Logo ab sofort auf Trikots des FC Watford
Bitcoin erreicht die Premier League: Bitcoin-Logo ab sofort auf Trikots des FC Watford
Bitcoin

Ein großer englischer Fußballverein entschließt sich dazu, das Bitcoin-Logo auf seine Trikots zu drucken. Diese Kampagne dient offenbar dazu, die Beliebtheit der Kryptowährung zu steigern. Gesponsert wird das Ganze von Sportsbet.io, während die Finanzierung über Crowdfunding läuft. Es ist nicht das erste Mal, dass Fußballclubs sich mit Bitcoin & Co. beschäftigen.

Angesagt

ConsenSys: Ethereum-Entwickler treten Hyperledger bei
Unternehmen

Auch jenseits von Bitcoin & Co. liefert die Blockchain-Technologie eine Fülle an Anwendungsmöglichkeiten. Die Adaption der Blockchain erfordert allerdings eine branchenweite Kooperation. Hyperledger hat sich eben dieser Aufgabe verschrieben. Mit ConsenSys erhält es nun ein weiteres prominentes Mitglied.

Bitcoin-Kurs: 5 Szenarien, die den Krypto-Markt beeinflussen
Bitcoin

Der Bitcoin-Kurs bewegt sich seit geraumer Zeit seitwärts. Die 10.000-US-Dollar-Marke scheint bislang zu halten. Doch Anleger träumen von hoher Rendite, während sich die Szene im Sommerschlaf befindet. Von diesen 5 Ereignissen erwarten sich Anleger Signale für den Bitcoin-Kurs.

Bitcoin sicher aufbewahren: AXA versichert Hoyos „sicherste Hot Wallet der Welt“
Sicherheit

AXA XL hat eine Versicherungslösung für mobile Krypto-Wallets des Anbieters Hoyos entwickelt. Hoyos verpflichtet sich nun im Falle eines Hacks, bis zu eine Million US-Dollar an betroffene Nutzer zu zahlen.

Bitcoin Futures „Unlimited“: CME will Obergrenze verdoppeln
Insights

Großinvestoren, die zwar wenig von Bitcoin verstehen, aber umso lieber auf den Bitcoin-Kurs wetten, dürfen wohl bald mit 100 Millionen US-Dollar am Tisch sitzen. Bisher lag das Limit bei 50 Millionen US-Dollar. Dafür hat die Chicago Mercantile Exchange (CME) einen Antrag gestellt.

Warte mal kurz ... !

Kennst du schon unseren Newsletter? Wir versorgen dich kostenlos mit den spannendsten News der Krypto- und Blockchainszene: