Die Lage am Mittwoch: Was würde Satoshi sagen?

Die Lage am Mittwoch: Was würde Satoshi sagen?

Die Bitcoin-Nachrichtenlage ist derzeit vor allem von zwei Themen bestimmt: Manipulation und Regulierung. Ob der Bitcoin-Kurs und der angebliche Stable Coin Tether nur Ergebnis und Werkzeug von Wall-Street-Walen sind, daran scheiden sich momentan die Geister. Auf der anderen Seite sind es Regierungen, die versuchen, einigermaßen einheitliche Regelwerke zu schaffen – und sich damit bisweilen schwer tun. Da fragt man sich: Was würde wohl Satoshi Nakamoto sagen? Die Lage am Mittwoch.

Der Bitcoin-Kurs hängt nach wie vor in den Pranken der Bären fest. Die Stimmung an den Märkten war sicher auch schon besser – und das darf einen streng genommen nicht verwundern. Da gibt es nach wie vor jene Stable Coins, die ihrem Namen nach Stabilität in das Ökosystem bringen wollen. Und obwohl erst kürzlich ein Bericht veröffentlicht wurde, der genau das widerlegen soll, schwelt der Manipulationsverdacht nach wie vor im Raum. Und es geht noch weiter: Wie Anthony Pompliano und Travis Kling eindrücklich dargelegt haben, gibt es in diesem Zusammenhang offenbar noch Wall-Street-Wale, die versuchen, sich das Bitcoin-Ökosystem einzuverleiben.

Kühle Köpfe in heißen Zeiten

Von unlauteren Methoden ist die Rede, durch die jene großen Fische – zumindest der Theorie nach – geschickt die Buy- und Sell-Orders beobachten, um dann im richtigen Moment zuschlagen zu können. Private Anleger müssen hier auf der Hut sein, und ihre Trading-Strategien wohlüberlegt angehen. Und wichtiger noch: Sich nicht von Emotionen treiben lassen. Denn FUD und FOMO sind nach wie vor die schlechtesten Ratgeber, wenn es ums Trading geht: lieber einen kühlen Kopf bewahren.

Regulierung muss nicht schädlich sein – wenn sie funktioniert

Denn die Regierungen und Behörden geben sich nach wie vor Mühe, für mehr Stabilität im Ökosystem zu sorgen. Und wenn die bürokratischen Mühlen auch langsam mahlen, so kommt doch (hoffentlich) auch etwas dabei heraus. Zwar tut sich die US-amerikanische Börsenaufsichtsbehörde SEC nach wie vor schwer mit ihrer Entscheidung zu den Bitcoin-ETF. Doch auf europäischer Seite kommt die Sache langsam ins Rollen.

Hier sind es zunächst die Nachbarn aus der Schweiz, die nun offenbar an einer kryptofreundlicheren Regulierung arbeiten wollen. Denn, so die Befürchtung, ist es aktuell der schwere Zugang zum schweizerischen Bankensystem, der einen Abzug von Blockchain-Unternehmen provoziert. Und auch auf deutscher Seite gibt es erste Fortschritte zu verbuchen. Nach langem Kampf mit der BaFin hat es Bitwala hierzulande nämlich geschafft, die Bitwala Card auf den Markt zu bringen –und damit einen Grundstein für eine Brücke zwischen Krypto- und Fiatsystem gelegt.

Der Haken an der Sache

Wenn es auch durchaus positive Signale sind, die von europäischer regulatorischer Seite gesendet werden, haben sie doch einen Haken. Zumindest wenn man es vom Standpunkt Satoshi Nakamotos sieht, der ursprünglich eine dezentrale Peer-to-Peer-Währung schaffen wollte, die ohne Mittelsmann auskommt. Denn was hier streng genommen passiert, ist eine Rezentralisierung der Dezentralität. Hört sich zugegeben komplizierter an, als es sein muss: Indem sich Banken und Behörden zwischen die Menschen und ihre Bitcoin zwängen, bekommt das Ökosystem wieder die Mittelsmänner verpasst, von denen es sich doch ursprünglich trennen wollte. Und hier sind sie wieder: die Gespenster der Dezentralisierung.

Anders betrachtet

Doch auch darüber kann man hinwegsehen. Wendet man seinen Blick auf das gesamte Ökosystem, kann man eine gewisse Aufbruchstimmung nicht ignorieren. In den arabischen Emiraten widmet sich zum Beispiel Dubai einem neuen Blockchain-Zahlungssystem, um zur schlausten Stadt der Welt zu werden. Selbst Risikokapitalfirmen beginnen langsam (aber sicher), in Blockchain-Unternehmen zu investieren. IBM feilt derweil weiter an neuen Patenten, während auch der Bitcoin-Core-Bug weitestgehend behoben scheint. Selbst in der Unterstützung von Geflüchteten soll die Blockchain-Technologie bald zum Einsatz kommen.

Diese Aufbruchstimmung lässt ein starkes Wachstum in den kommenden Jahren in greifbare Nähe rücken. Dann lassen auch die Bären den Bitcoin-Kurs wieder in Ruhe. Denn selbst Sir Howard Davies von der Royal Bank of Scotland verriet BTC-ECHO im Interview:

„Die Kurse werden wieder anziehen.“

Bis dahin bleibt die Devise: kühlen Kopf bewahren.

Eine letzte Sache

Bleibt noch eine Frage zu klären: Was würde wohl Satoshi sagen? Nun, auf Anfragen von BTC-ECHO reagierte er bisweilen leider nicht. Doch in Anbetracht der Tatsache, dass er uns bereits jenes Ökosystem hinterließ, mit dem wir alle Hände voll zu tun haben, würde er sich vielleicht einfach nur wiederholen und sagen:

„Ich werde mich jetzt anderen Dingen widmen.“

BTC-ECHO

Über Phillip Horch

Phillip HorchPhillip Horch ist Chef vom Dienst von BTC-ECHO und für die Strukturierung und Planung der redaktionellen Inhalte verantwortlich. Er sammelte während des Studiums mehrjährige Redaktionserfahrung und war danach als freiberuflicher Journalist tätig, bevor er im Januar 2018 begann, als Redakteur bei BTC-ECHO zu arbeiten. Phillip hat einen Master in Literatur-, Kunst- und Medienwissenschaften, für den er an der Uni Konstanz und an der Universidad de Valparaíso studierte.

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