Die ewige Debatte: Wie viel Ripple steckt in XRP?

Die ewige Debatte: Wie viel Ripple steckt in XRP?

Für viele Krypto-Investoren und -Interessierte werden die beiden Begriffe Ripple und XRP synonym verwendet. Das Unternehmen Ripple Labs jedoch besteht darauf, beides getrennt voneinander zu betrachten. Neben ideologischer Korrektheit steckt auch ein ganz pragmatischer Grund dahinter – die SEC droht mit Regulierung.



„Der Ripple-Kurs steigt rasant an“, „Ein Ripple kostet derzeit knapp 0,50 US-Dollar“ oder „Immer mehr Investoren setzen auf Ripple“ – diese Art von Aussagen hört man immer wieder im Kryptospace. Doch wie akkurat ist eine solche Bezeichnung?

Wenn man bei den Verantwortlichen bei Ripple selbst nachfragt, dann sind Aussagen wie die oben genannten schlichtweg unzulässig. So gilt seit einiger Zeit die Losung „XRP ist nicht Ripple“, womit in erster Linie gemeint ist „XRP ist nicht NUR Ripple“. Vielmehr ist Ripple ein Unternehmen, welches globale Zahlungsdienstleistungen für Finanzinstitutionen anbietet. Der Token spielt im Ripple-Ökosystem selbstverständlich die ihm zugedachte wichtige Rolle, ist aber eben nur ein Zahnrädchen im Getriebe. XRP ist der Kraftstoff, der die Funktionen im Ripple-Netzwerk – in erster Linie xRapid – am Leben hält.

Ripple will die Unterschiede klar machen

Das Unternehmen Ripple lässt derzeit nichts unversucht, um die Unterschiede zwischen Ripple und XRP deutlich zu machen. Kürzlich postete das Unternehmen auf seinem Twitter-Account dazu eine Grafik. Diese stellte beide Begriffe gegenüber und trennte zwischen Unternehmen und Coin. Darin wird XRP nicht einmal als wesentliches Element des Ripple-Ökosystems bezeichnet, sondern als „unabhängiges digitales Asset“ auf Open-Source-Basis.

Auf seiner Website führt Ripple diese Unterscheidung noch weiter aus. So heißt es, dass der XRP Ledger sich nicht in Besitz einer einzelnen Person oder Institution befinden kann, sondern davon unabhängig existiert. Dementsprechend obliegt dem Unternehmen Ripple, trotz des hohen Anteils an XRP, welches das Unternehmen hält, nicht die Kontrolle über die Kryptowährung. Für Erfolg oder Misserfolg des XRP-Token ist vielmehr die Gemeinschaft der Investoren und Anwender der Tokens verantwortlich. Ein von den Ripple-Machern hervorgehobener Punkt ist zudem, dass ein Investment in das Unternehmen Ripple nicht mit einem Investment in die Kryptowährung XRP gleichzusetzen ist.

Im Zuge des Rebrandings des XRP-Token wurde auch das Icon der Kryptowährung geändert. Zuvor waren die drei in der Mitte verbundene Kreise, die das Logo des Unternehmens darstellen, auch für den Token verwendet worden. Zukünftig betont das in der Mitte horizontal durchtrennte X die Eigenständigkeit des Tokens. So soll die Gleichsetzung von Unternehmen und Kryptowährung von nun an auch visuell erschwert werden.

ExxonMobil oder Saudi Arabien? XRP als digitales Öl

Der aktuellen Klarstellung geht eine Debatte voraus, in die sich sowohl Chief Market Strategist Cory Johnson als auch CEO Brad Garlinghouse eingeschaltet hatten. Johnson zog einen etwas schiefen Vergleich zum US-amerikanischen Ölkonzern ExxonMobil. Dieser verwende Öl in seinem Tagesgeschäft, sei jedoch als Konzern nicht mit dem Rohstoff gleichzusetzen. Was Johnson jedoch nicht beachtet: ExxonMobil produziert kein Öl, sondern fördert lediglich eine bereits vorhandene Substanz. Den Token gäbe es ohne Ripple in der Form jedoch nicht.

Auch Garlinghouse nimmt Öl als Metapher für XRP, wenn auch in einem etwas anderen Zusammenhang. So vergleicht er das Unternehmen Ripple mit dem Staat Saudi Arabien. Dieser besitze einen großen Teil der weltweiten Ölreserven, doch deshalb kontrolliere es noch lange nicht die gesamten Ölflüsse in der Welt. Damit spielt er darauf an, dass Ripple Labs 55 Milliarden der insgesamt 61 Milliarden Token in einem Treuhandkonto hinterlegt hat.

Wieso ist den Ripple-Chefs die Unterscheidung so wichtig?

Man versucht also, den Einfluss des Unternehmens auf die Kryptowährung herunterzuspielen. Die Motivation dahinter dürfte es sein, Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen und das wachsame Auge der US-Börsenaufsicht SEC von sich abzuwenden. In der letzten Woche berichteten wir von der bereits dritten Klage gegen Ripple, die auf die Verquickung von Unternehmen und Token abzielt. Kritisiert wird im Wesentlichen, dass das Unternehmen in der Form von XRP Wertpapiere verkaufe und an diesen zudem den größten Teil halte.

Die Ausgabe von unregistrierten Wertpapieren ist im Bundesstaat Kalifornien nicht erlaubt. Sollte der Token XRP tatsächlich als Wertpapier eingestuft werden, könnte sich daraus also noch ein Problem für das Unternehmen Ripple ergeben. Setzt sich hingegen die nun verbreitete Version Ripple durch, nach der XRP ein Open-Source-Asset ist und lediglich von Ripple genutzt wird, so laufen die Anschuldigungen ins Leere.

Mehr Informationen zum Ripple-Ökosystem und den verschiedenen Funktionen, die der XRP darin einnimmt, findet ihr auch in unserer dreiteiligen Reihe.

BTC-ECHO

Über Tobias Schmidt

Tobias SchmidtTobias Schmidt ist seit August 2017 als Redakteur im Team von BTC-ECHO tätig. Sein Fachgebiet im Krypto-Bereich sind die vielen verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

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