Die DAO im neuen Gewand – Making the DAO great again?

Dr. Philipp Giese

von Dr. Philipp Giese

Am · Lesezeit: 4 Minuten

Dr. Philipp Giese

Dr. Philipp Giese arbeitet als Chief Analyst für BTC-ECHO und ist auf die Bereiche Chartanalyse und Technologie spezialisiert. Der promovierte Physiker kann dabei auf jahrelange Berufserfahrung als technologischer Berater zurückgreifen. Zudem ist er zentraler Ansprechpartner im Discord-Channel von BTC-ECHO und pflegt als Speaker und Interviewer den Austausch mit Startups, Entwicklern und Visionären.

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Auf der EDCON wurde über das Für und Wider des Konzepts dezentrale autonome Organisation oder kurz DAO diskutiert.

Der Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 30. Juni 2019 05:06 Uhr von Sven Wagenknecht

Totgesagte leben länger: Auch nach dem dramatischen Ende der DAO sind Entwickler weiterhin vom generellen Konzept der dezentralen autonomen Organisation begeistert.

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Diskussionen auf der EDCON 2017, der jüngsten Ethereum Entwickler-Konferenz, zeigen, dass an diesem Konzept weiterhin gearbeitet wird.

Natürlich sind seitdem Entwickler deutlich vorsichtiger mit dem Deployment einer dezentralen autonomen Organisation geworden. Man geht jedoch mit neuem Elan daran, die DAO, oder besser gesagt Smart Contracts an sich, besser und sicherer zu gestalten.

Bei aller Begeisterung gibt es jedoch auch Personen, die dem Konzept der DAO skeptisch gegenüberstehen. Zuviel müssen die Smart Contracts berücksichtigen, zu viele Spezialfälle beim Design müssen schon antizipiert sein.

Diese Meinung vertritt Rick Dudley, einer der Entwickler hinter Omise:

“Persönlich halte ich mich von DAOs fern. Unternehmen benötigen private Vereinbarungen als Basis für Handel und Verträge, was bedeutet, dass man auf Menschen sein Vertrauen setzen muss.”

Innen DAO, außen was anderes?

Doch, wie schon angedeutet, ist bei aller Skepsis die Idee nicht tot. Erst im November haben einige Entwickler hinter der ursprünglichen DAO bekannt gegeben, an einer neuen DAO für wohltätige Zwecke zu arbeiten, einer DAO, bei der ein Exploit wie der Geschehene nicht passieren kann.

Es gibt auch andere DAO-Projekte, doch diese sind oft etwas zögerlicher mit der Selbstdefinition als dezentrale autonome Organisation. So z.B. Colony, eine Jobbörse, die vor kurzem in die Betaphase übergegangen ist. Vor noch einem Jahr haben die Gründer verkündet, dass ihre Plattform den Aufbau einer DAO “so einfach wie das Gründen einer Gruppe auf Facebook” machen soll.

Heute findet sich auf der Webseite kein expliziter Hinweis auf eine DAO, was aber auch daran liegen kann, dass die nächsten Ziele einen geringeren Funktionsumfang und eine leicht andere Zielsetzung besitzen. Aktuell bewirbt Colony beispielsweise das Verdienen von Tokens durch Absolvieren von Aufgaben.

Über Aragon, eine Management-Plattform für “unaufhaltbare Firmen” kann man ähnliches sagen: Letztlich ist ihre Vision eine DAO, sie möchten bloß mehr Leute ansprechen:

“Wir möchten nicht als Nerds herüberkommen und nur Ethereum-Entwickler ansprechen. Wir möchten generell den Menschen mitteilen, dass man mit uns Firmen gründen kann, die dezentral aufgestellt sind.”, so Luis Cuende, Project Lead von Aragon.

Die Plattform ermöglicht es Mitarbeitern in einer dieser dezentralen Firmen, über Entscheidungen der Firma mit zu bestimmen. Aragon möchte gerne Smart Contracts für die Realisierung solcher Voting-Prozesse nutzen.

“Wir haben es also mit einer Peer to Peer-Firma zu tun.”

Sind DAOs für eine Neuauflage bereit?

Generell herrscht ein Konsens, dass man vor einem (Re)launch einer DAO das Konzept selbst noch einmal überdenken sollte. Primavera de Filippi ist Research Fellow am Berkman Center für Internet & Sicherheit an der Harvard Universität. Sie vertritt die Position, dass das Konzept der dezentralen Organistionen vor einem groß angelegten Deployment noch einiges an Arbeit benötigt.

“Was uns die DAO zeigte ist, dass das alte Sprichwort aus dem Anhalter durch die Galaxis stimmt: Alles was schiefgehen kann geht schief. Wir können nicht davon ausgehen, dass ein System so funktioniert wie wir erwarten.”

In ihrem Vortrag auf der EDCON sprach sie über eine DAO, an der sie, vor der von den Leuten um Slock.it entwickelten, arbeitete. In dieser ging es um eine Roboter-Fabrik, die Mikrotransaktionen als Zahlungsmittel akzeptierte. Heute ist sie der Meinung, dass es für die Probleme, die Entwickler am Konzept DAO erkannt haben, ein komplett neues Managementsystem zur Lösung benötigt.

“Da wir nicht alle möglichen Ereignisse voraussehen können, können wir nicht ein komplett automatisiertes System aufsetzen, welches für immer so wie ursprünglich entwickelt bleibt.”

Trotz dieser mahnenden Worte arbeiten andere an Hochdruck an ihrer DAO, ob sie nun so genannt wird oder nicht. Aragon möchten so bald wie möglich ihre Version 1.0 launchen, auch wenn das noch ca. ein halbes Jahr dauern wird.

Um möglichen Exploits aus dem Weg zu gehen, arbeitet Aragon mit Zeppelin zusammen. Zeppelin ist ein Unternehmen, das getestete Smart Contracts anbietet. Außerdem möchte Aragon den Code einem Informationssicherheits-Audit aussetzen und das System vor dem eigentlichen Launch echten Use Cases unterziehen. Schließlich möchte man nicht, dass die Leute ihr Geld verlieren.

BTC-ECHO

Englische Originalversion von Alyssa Hertig via CoinDesk

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