Die 10 größten Mythen über Kryptowährungen – Teil 10

In der Reihe „Die 10 größten Mythen über Kryptowährungen“ möchten wir uns die 10 meistverbreiteten Behauptungen bezüglich Kryptowährungen und deren Chancen und Risiken einmal genauer anschauen. Dabei werden wir uns täglich einen neuen Mythos vorknöpfen und diesen auf Richtigkeit prüfen.



Mythos 10: Kryptowährungen wie Bitcoin sind mit MLM-/Pyramiden-/Schneeballsystemen vergleichbar

Im letzten Teil unserer Serie wagen wir uns noch einmal an eines der großen Investment-Themen ran, das für den Handel mit Bitcoin und Co. eine Rolle spielt: Sind Kryptowährungen in ihrem Kern darauf ausgelegt, Anleger und Investoren mit falschen Versprechungen zu locken und anschließen übers Ohr zu hauen? Und lassen sich in der inneren Verfassung der Kryptowährungen Strukturen von Multi-Level-Marketing, Schneebällen oder einer Pyramide erkennen?

Zunächst einmal sollte an dieser Stelle festgehalten werden, dass Kryptowährungen nicht gleich Kryptowährungen sind. Neben der wichtigen Unterscheidung zwischen dem Coin, der die klassischen Funktionen einer Währung erfüllt, und dem Token, der darüber hinaus zweckgebunden vielseitiger einsetzbar sein kann, kann letzterer noch weiter ausdifferenziert werden, etwa in Utility-Token und Equity-Token. Der Utility-Token erfüllt dabei eine ihm fest zugeschriebene Funktion als Zahlungsmittel oder Treibstoff innerhalb eines Blockchain-Netzwerks, während der Equity-Token Anteile an einer Unternehmung bzw. einem Wertgegenstand repräsentiert.

Ebenfalls gesondert betrachtet werden sollte das Feld der ICOs, also neu herauszugebene Coins und Token. Das Instrument des ICO gilt unter Kennern auch als die aktuelle „Killer-App“ im Bereich der Finanzierung und bietet derzeit die wohl vielversprechendste Möglichkeit, im Rahmen einer als Crowd-Funding fungierenden Token Sales finanzielle Mittel für ein Projekt zu beschaffen – sei es eine auf der Blockchain basierende Plattform, deren Gebrauch von der Nutzung eines Utility-Token abhängig ist, oder einfach nur ein Unternehmen, welches über die Ausgabe eines Equity-Token die eigene Expansion finanzieren möchte.

Natürlich zieht eine solch einfache Möglichkeit, finanzielle Mittel zu generieren, die Gefahr mit sich, dass mehr Passagiere auf den Zug aufspringen als es der gesamten Reise gut tut. Mit anderen Worten gesagt: Nicht jeder angebotene Token erfüllt – ob innerhalb oder außerhalb des eigenen Ökosystems – wirklich eine Funktion und nicht hinter jedem Token steckt ein seriöses Geschäftsmodell. Das zentrale Problem dabei ist, dass es derzeit keine nennenswerten Hürden bei der Durchführung eines ICOs gibt und ein Token Sale daher keiner zentralen Qualitätsprüfung unterliegt. Deswegen gibt es wenige bis keine Möglichkeiten, potentiell böswillige ICOs vorzeitig aus dem Verkehr zu ziehen. Vereinzelt kommt es daher zu Krypto-Betrugssystemen, da sich bedingt durch die Gier der Anleger ziemlich einfach Schneeballsysteme aufsetzen lassen.

Um diesem Problem zu entgegnen, kam es bereits zu radikalen Maßnahmen, wie den absoluten ICO-Verboten in China und Südkorea. Auch hierzulande gab es Reaktionen von staatlicher Seite, auch wenn diese in der Form offizieller Warnungen vor möglichem Betrug bei ICOs vergleichsweise moderat ausfielen. Es wäre jedoch der falsche Weg, ICOs und daraus hervorgehende Kryptowährungen unter Pauschalverdacht zu stellen, nur weil es schwarze Schafe unter ihnen gibt. Vielmehr ist der einzelne Investor gefordert, sich das Projekt, in welches er gerne investieren möchte, im Vorhinein gründlich anzuschauen und sich selbst ein Urteil über die Sicherheit der Anlage zu bilden.

Damit kommen wir zum Ende unserer kleinen Serie „Die 10 größten Mythen über Kryptowährungen“. Wir hoffen, dass sie dazu beitragen konnte, Verständnis zu schaffen, Vorurteile gegenüber Kryptowährungen abzubauen und Interesse an der weiteren Auseinandersetzung mit der Thematik zu schaffen.

BTC-ECHO

Über Tobias Schmidt

Tobias SchmidtTobias ist seit August 2017 als Redakteur im Team von BTC-ECHO tätig. Sein Studium hat er im Fach Politik und Wirtschaft an der Universität Münster mit dem Bachelor abgeschlossen und war während seines Studiums zudem am Lehrstuhl als studentische Hilfskraft tätig. Darüber hinaus sammelte er berufliche Erfahrungen in der parlamentarischen Arbeit und in der strategischen Kommunikation, bevor er in das journalistische Fach wechselte. Seit 2017 widmet er sich der Blockchain-Technologie, wobei er sich insbesondere auf die vielen verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft fokussiert.

Bildquellen