Deutsche Asset Management, Deutsche Asset Management CIO: „Kryptowährungen sind uns wegen mangelnder Bewertbarkeit zu spekulativ“

Quelle: Stefan Kreuzkamp via FAZ

Deutsche Asset Management CIO: „Kryptowährungen sind uns wegen mangelnder Bewertbarkeit zu spekulativ“

Das Bitcoin-Zahlungssystem hält Stefan Kreuzkamp, Chief Investment Officer (CIO) der Deutsche Asset Management, für „brillant“. Ob sich der Bitcoin gegen konkurrierende Währungen durchsetzt, ist für den Chef-Anlagestrategen der Vermögensverwaltungssparte der Deutschen Bank aber ebenso offen wie die Zukunft der digitalen Währungen insgesamt. Die größte Gefahr drohe Kryptowährungen seitens der Zentralbanken, die „um ihr Geldmonopol bangen dürften“.

Was ist ein Bitcoin wirklich wert? Auf diese Frage gibt Stefan Kreuzkamp, CIO der Deutsche Asset Management, in einem kürzlich veröffentlichten „CIO View“ zunächst eine überraschend klare Antwort: 18.685 US-Dollar je Bitcoin haben seine Spezialisten kurz vor Weihnachten als fairen Wert errechnet, auf Basis ihres dreistufigen Bewertungsprozesses, der eine Ertragswertrechnung, eine Peer-Group-Analyse und ein Dividendendiskontierungsmodell beinhaltet.

Viel Wert ist diese Berechnung allerdings nicht, wie Kreuzkamp sogleich klarstellt: „Was schon bei anderen Anlageklassen nur eine grobe Annäherung sein kann, versagt bei der Kryptowährung Bitcoin vollends – die Bewertung.“ Bitcoins als Anlage kann er deshalb nicht empfehlen: „Wir wissen nicht, was sie wert sind, wann man sie kaufen und wann man sie verkaufen soll.“

Sein CIO-View enthält verschiedene Preisszenarien für den Bitcoin. Ein Minimumpreis von 2.200 US-Dollar ergäbe sich beispielsweise aus den Grenzkosten, die vor allem den Stromkosten entsprechen und anzeigen, ab welchem Preis sich das Schürfen neuer Bitcoins noch lohnt. Höher hinaus ginge es, wenn der Bitcoin sich als Absicherung vor einem Kollaps des Geldsystems durchsetzen und in dieser Funktion alles bisher geförderte Gold ersetzen würde: Dann ergäbe sich ein Wert von 333.000 US-Dollar pro Coin.


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Sollten sich Bitcoins als Zahlungsmittel etablieren und weltweit alle M1-Geldmengen ersetzen, läge der Wert eines Coins rechnerisch sogar bei 1,5 Millionen US-Dollar. Kreuzkamp hält das allerdings für reichlich hoch gegriffen: „Mit der immer noch recht optimistisch anmutenden These, Bitcoin könnten nur 1 % des Bargelds und der Sichteinlagen ersetzen, wären es immerhin noch 15.000 Dollar je Coin.“

Die Rolle des Bitcoin als Goldersatz sieht Kreuzkamp skeptisch. Ebenso wie Gold könne der Bitcoin staatlichen Interventionen ausgesetzt sein, der Goldbesitz etwa sei in Ländern wie Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Indien und den USA im 20. Jahrhundert temporär verboten gewesen. Dennoch habe Gold seine Eigenschaft als Wertanker sogar in den vergangenen, von Brüchen geprägten 90 Jahren gezeigt. Bei Bitcoin sei das nicht abzusehen: „Ob man mit dem Bitcoin eine breite öffentliche Sanktionierung aussitzen könnte, darf bezweifelt werden“, meint Kreuzkamp, „denn wer sich aus Investitionsperspektive mit Gold verspekuliert, kann es immer noch in Schmuckform sich oder seinem Partner umhängen. Geht jedoch die Wette mit Bitcoin schief, bleibt man auf einer unnützen Kombination aus Zahlen und Buchstaben sitzen.“

Im CIO-View werden einige Faktoren genannt, die gegen den Bitcoin sprechen und ihn „auch Richtung null Dollar drücken könnten“. Zentralbanken werden als die größte Hürde für die Kryptowährungen bezeichnet, „da keine von ihnen ein Interesse daran haben dürfte, sich beim Thema Geldmenge, Geldschöpfung und Zahlungsverkehr das Heft aus der Hand nehmen zu lassen“.

Zwar hätten bisherige staatliche Eingriffe – etwa in China, Russland oder Indien – den Kurs nur kurzfristig gedrückt, ein klares Signal einer US-Behörde würde jedoch „eine ganz andere Wirkung entfalten“. Gründe für den Wunsch, die Verbreitung des Bitcoins zu verhindern, haben die USA laut Kreuzkamp genügend: Von der Vermeidung der Finanzierung illegaler oder sanktionierter Gegenparteien über die mögliche Steuervermeidung bis hin zu dem wirtschafts- und machtpolitischen Interesse, den US-Dollar als unangefochtene Weltwährung beizubehalten.

Auch technische Fragen könnten den Bitcoin ausbremsen, als Beispiele werden im CIO-View der hohe Stromverbrauch, der Schwierigkeitsgrad des Bitcoin-Algorithmus und die Blockgröße genannt. Zwar seien diese Faktoren nicht unüberwindbar, Änderungen der ursprünglichen Spezifikationen erzeugten jedoch  Abspaltungen, die eine ernste Konkurrenz darstellten. Der Bitcoin stehe zudem nicht nur im Wettbewerb zu seinen eigenen Töchtern, sondern auch zu einer steigende Anzahl anderer Kryptowährungen.

Ein Großteil der Finanzexperten und der Finanzinstitute seien sich zwar sicher, dass eine dem Bitcoin ähnliche Technologie den Zahlungsverkehr im kommenden Jahrzehnt stark beeinflussen wird. Es sei aber völlig offen, welche Technologie das Rennen macht und ob die gängigen Funktionen einer Währung von diesen neuen Instrumenten jemals erfüllt werden können. Kreuzkamp merkt an: „Für die Bewertung wird es aber wichtig sein, ob diese Instrumente lediglich Spekulationsobjekt, Wertaufbewahrungsmedium oder wirklich ein alltagtaugliches Zahlungsmittel werden.“ Erforderlich dafür sei eine staatliche Akzeptanz. Angesichts des stark angestiegenen Marktwertes aller Kryptowährungen im Jahr 2017 und der Zulassung erster Kontrakte auf den Terminbörsen könnten die Zentralbanken und andere staatliche Behörden das Thema nicht mehr ignorieren, die Einführung von Regulierungsrahmen sei nur noch eine Frage der Zeit.

Insbesondere vor dem Hintergrund der Kursexplosionen der vergangenen Monate sieht sich Kreuzkamp derzeit nicht in der Lage, Bitcoin angemessen zu bewerten. „Wir können noch nicht einmal ausschließen, dass beim jetzigen Preis Bitcoin sogar unterbewertet sind“, sagt der Anlagestratege, „doch damit dies der Fall wäre, müssten viele Entwicklungen zum Vorteil des Bitcoins verlaufen und der Wettbewerb und die staatlichen Behörden beinah stillstehen.“

BTC-ECHO

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