Der Krypto-Markt im Aufbruch? – So ist die Bitcoin-Rallye der letzten Tage einzuordnen

Sven Wagenknecht

von Sven Wagenknecht

Am · Lesezeit: 4 Minuten

Sven Wagenknecht

Sven Wagenknecht ist Chefredakteur von BTC-ECHO. An der Blockchain-Technologie faszinieren ihn vor allem die langfristigen Implikationen auf Politik, Gesellschaft und Wirtschaft.

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Quelle: Shutterstock

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Was für eine wahnsinnige erste Aprilwoche. Der gesamte Krypto-Markt sprang innerhalb von zwei Tagen um knapp 30 Prozent nach oben. Auch wenn sich die Kursrallye etwas abgekühlt hat, stehen wir mit 175 Milliarden US-Dollar Gesamtmarktkapitalisierung und einem Bitcoin-Kurs von rund 5.000 US-Dollar immer noch deutlich höher als vor einer Woche. Nun stellt sich die Frage, wie dieser Kurssprung einzuordnen ist. Was die Auslöser waren und wie es in den nächsten Wochen weitergehen könnte.

Als wir bei BTC-ECHO am 1. April unseren nicht ganz ernst gemeinten Artikel zur Bitcoin-Mondlandung veröffentlicht hatten, war uns nicht klar, dass nur wenige Stunden später der Krypto-Markt einen raketenhaften Aufstieg verzeichnen wird. Dass allein die bullishen Krypto-Aprilscherze Auslöser der Mini-Rallye waren, ist jedoch als eher unwahrscheinlich einzuordnen.

Doch was waren die Faktoren, die dazu geführt haben, dass man sich wieder an den Krypto-Boom in 2017 erinnert gefühlt hat?

Im Schnelldurchlauf – Das hat den Bitcoin-Kurs nach oben katapultiert

Selten sind Kursschwankungen auf nur einen spezifischen Faktor zurückzuführen. So sicherlich auch bei dem Kurssprung dieser Woche. Die Verkettung mehrerer Faktoren, vor allem psychologischer statt fundamentaler Natur, kann man hier als Auslöser identifizieren. Insbesondere im Krypto-Sektor ist das Marktgeschehen deutlich willkürlicher und emotionaler als beispielsweise im professionelleren sowie stärker fundamental getriebenen Aktienmarkt.


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Vor allem größere Kauforderaufträge von sogenannten Walen, also sehr vermögenden Wallets, können hier Marktdynamiken signifikant verstärken. Wie schon in der Vergangenheit bei größeren Kursbewegungen, konnten auch diesmal größere Transaktionen identifiziert werden. So wurde beispielsweise am Dienstag, dem 2. April, eine Kauforder in Höhe von 100 Millionen US-Dollar auf die Börsen Coinbase, Kraken und Bitstamp verteilt. Diese Order allein erklärt zwar nicht den massiven Kursanstieg, aber sie kann dazu beitragen, dass viele Investoren auf den Zug aufspringen und dadurch die eingeschlagene Marktrichtung verstärken.

Korrespondierend zu Hochvolumina-Orderaufträgen können automatisierte Tradingsysteme ebenfalls zu Kettenreaktionen, ergo Kurssprüngen und Kursstürzen, führen. Werden bestimmte charttechnische Level bzw. Marken über- oder unterschritten, dann können beispielsweise durch Trading-Bots Kauf- oder Verkaufssignale und nachfolgende Orderaufträge ausgelöst werden. Es ist stark anzunehmen, dass auch dieser technisch getriggerte Kaskadeneffekt die Kursdynamik verstärkt hat.

Die Marktpsychologie siegt kurzfristig

Fundamental steht das Krypto-Ökosystem nicht besser da als noch vor einer Woche. Es gab keine Meldung, dass ein wichtiger technologischer Durchbruch bei Bitcoin oder Ethereum erreicht wurde. Auch gab es keine Meldung, – Aprilscherze ausgenommen – dass Kryptowährungen eine vorteilhaftere Anerkennung von einem Staat erhalten haben oder das Amazon oder Google auf einmal Bitcoin akzeptiert. Nichts davon ist passiert.

Folglich handelt es sich hierbei nicht um einen fundamental getriebenen Auslöser. Entsprechend gering ist die Nachhaltigkeit des Kurssprungs einzuordnen. Es wäre allerdings genauso verkehrt, nun zu glauben, dass der Krypto-Markt in ein paar Tagen wieder auf seine alten Level zurückfällt. Der Krypto-Markt kämpft schon seit Langem mit einer Durststrecke, trotz insgesamt anziehender Weiterentwicklung des Ökosystems. Soll bedeuten: Es gibt durchaus fundamentale Faktoren, die für einen Kursanstieg sprechen, da das Ökosystem ausgereifter und leistungsfähiger in den letzten Monaten geworden ist sowie viele einzelne Krypto-Projekterfolge zu verzeichnen sind. Diese fundamental einzuordnende Entwicklung geht allerdings auf die letzten Monate zurück und ist kein Produkt der letzten Tage.

Massenmedien haben Bitcoin wiederentdeckt

Bei enormen Kursbewegungen springt auch die Tagespresse bzw. die reichweitenstarken Boulevardmedien auf den Bitcoin-Zug. Dadurch werden potentielle Investoren erreicht, die unter normalen Marktumständen nicht den Weg in den Krypto-Markt finden würden. Die Neu-Investoren tragen dann ebenfalls durch frisches Kapital ihren Teil dazu bei, den Markt anzuheizen.

Neben vielen neutralen oder gar positiven Beiträgen aus den größeren Medienhäusern gab es aber auch kritische Stimmen. So wichtig konstruktive Kritik am noch sehr unreifen Krypto-Markt ist, zeigen sich aber auch massive Defizite in der Berichterstattung, selbst bei etablierten Verlagen. Besonders peinlich ist hier ein Mini-Kommentar (elf schmale Sätze) der ansonsten hochgeschätzten Frankfurter Allgemeine. So heißt es in dem Kommentar Bitcoin-Kasino von Franz Nestler:

Bitcoin sind eher Pferdewetten als eine Währung und gehören nicht in die Hände von Privatanlegern. Die Blockchain-Technologie im Hintergrund aber ist höchst wichtig.

Der Kommentar kann, von einem anderen Standpunkt aus betrachtet, durchaus positiv stimmen. Solange ein nicht unerheblicher Teil der Bevölkerung Bitcoin für so etwas wie Pferdewetten hält, ergo größere Investitionen in Bitcoin & Co. unterlässt, dürfte das Investitionspotential noch längst nicht ausgeschöpft sein. Mit steigendem Verständnis und zunehmenden traditionellen Finanzmarktprodukten, die Kryptowährungen als Basiswert abbilden, dürften noch größere Vermögen in der Bevölkerung gen Krypto freigesetzt werden. Genau wie der kurzfristige Kurssprung ist aber auch dies ein Entwicklungsprozess von mehreren Monaten und Jahren, der sich immer wieder in hochvolatilen Marktphasen entlädt.

Bei aller Euphorie gilt: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. So sehr man sich über Bewegung im Krypto-Markt freuen kann, sollte man der Marktstimmung nicht zu viel Beachtung schenken. Daytrader können sich hingegen über ein hohes Handelsvolumen und gestiegene Volatilität freuen.


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