Der Goldrausch der Blockchain-Hackathons

Hackathons und Inkubatoren, die ursprünglich aufstrebenden Techunternehmern vorbehalten waren, öffnen nun ihre Tore auch für Blockchain-Projekte.

Natürlich steckt der Blockchain-Sektor noch in Kinderschuhen. Dennoch – an dem Aufkommen an Blockchain Hackathons und entsprechenden Startup Inkubatoren sieht man einen großen Wandel, was die Annahme dieser Technologie angeht.

Die bisherige Strategie vieler Bitcoin-Firmen war, erst den Markt der Bitcoin- und Blockchain-Fanboys anzusprechen. Die Hoffnung bei dieser Geschäftsstrategie ist, so genügend Akzepanz zu erlangen, dass man auch vom Mainstream angenommen wird.

Der Vizepräsident von Plug and Play Fintech Scott Robinson hat als Gründer eines Incubators einige Startups kennen gelernt, die basierend auf der Blockchain bestehende Technologien revolutionieren wollen. Er meint, dass diese Strategie nicht aufgeht:

“Letztlich bleibt es weiterhin doch so: der Kanal, mit dem eine neuartige Finanzapplikation viele Kunden erreicht, ist über die großen Player der Finanzlandschaft.”

Unternehmer aus dem Bitcoin- und Blockchainsektor haben diese Probleme erkannt. Von Hackathons, die oft von genannten großen Unternehmen der Finanzwirtschaft veranstaltet werden, erhoffen sie sich, dass man Netzwerke mit jenen aufbauen kann.

Dass Hackathons für den Aufbau eben solcher Netzwerke hilfreich sind, haben Startups anderer Branchen schon länger erkannt.

Der Accelerator Plug and Play hilft Startups dabei und arbeitet in diesem Kontext seit 2014 mit 96 sehr jungen Unternehmen, die oft noch in der Gründungsphase stecken.

Für die großen Unternehmen lohnt sich die Arbeit des Accelerators jedoch auch: die Kooperation mit Hackathons und Inkubatoren hilft ihnen, mit einer neuartigen Technologie ohne große eigene Investitionen in Kontakt zu kommen. Dadurch kann auch deren etabliertes Business wachsen.

Immer mehr große Firmen nutzen nun diese Gelegenheit. Capital One, um ein Beispiel zu nennen, hat gemeinsam mit Chain einen Hackathon in San Francisco im Juli 2015 organisiert. Zu diesem wurden 70 Angestellte eingeflogen, um gemeinsam mit Blockchain Experten an Blockchain-basierten Lösungen zu arbeiten.

Hackathons wie das von Capital One “bringen jene, die von Finanzen viel, von der Blockchain jedoch wenig Ahnung haben, mit deren Gegenparts zusammen, den Blockchain-Experten ohne großen Finanzhintergrund”, so Robinson.

Netzwerkeffekte auf Hackathons

Es existieren einige mehr oder weniger erfolgreiche Bitcoin und Blockchain Startups, die weiterhin an Hackathons teilnehmen oder sich Acceleratoren angeschlossen haben. Die Bitfury Group, eine Firma, die Services rund um die Blockchain anbietet, hat 90 Millionen Dollar an Kapital für Bitcoin Mining Services gesammelt. Mit diesem Geld konnten sie einen eigenen Accelerator, den Blockchain Trust Accelerator gründen.

Dennoch schloß sich dieses Unternehmen einem von Ernst & Young unterstützten Accelerator an. Bitfury haben letzte Woche einen Preis für den besten Pitch hinsichtlich einer Digital Rights Management Lösung auf Basis der Blockchain erhalten. Das verhalf ihr, gemeinsam mit Ernst & Young ihre Blockchain-basierten Lösungen zu großen Unternehmen zu tragen.

“Natürlich sind wir sehr stolz auf das Ergebnis. Wir haben mit Senior Partnern eine gute Geschäftsbeziehung aufgebaut. Wir haben schnell verstanden, dass eine solche mit Ernst & Young ein guter Weg ist, multinationalen Unternehmen Lösungen rund um die Blockchain anzubieten”, sagte Mark Taverner, der Head of Business Development von Bitfury.

Darren Tseng ist Co-Founder und Vice President of Product bei Adjoint, einer distributed ledger Plattform, die Smart Contract-basierte Lösungen für Finanzdienstleistungen ermöglicht. Im Juni hat er seine Firma gegründet, nimmt jedoch weiterhin an Hackathons teil.

“Ich nehmen an ihnen aus Spaß und zum Netzwerken teil”, so Darren. Diese Hackathons haben letztlich nicht viel mit seiner Arbeit bei Adjoint zu tun, aber auf solchen Hackathons findet man neben neuen Freunden auch potentielle Entwickler.

Orte purer Kreativität

Hackathons sind auch ein guter Nährboden für neue Ideen und potentielle Angestellte bzw. Kooperationspartner.

Jeremy Gardner, Gründer des Blockchain Education Networks und Entrepreneur in Residence bei Blockchain Capital ist von Hackathons begeistert: “Es handelt sich hier um den besten Nährboden für neue Ideen, den ich je kennengelernt habe.”

“Programmierer dazu zu zwingen, innerhalb von 24-72 Stunden von einem Skizzenblatt zu einer funktionierenden Demo zu kommen bringt eine ganz besondere, rohe Form der Kreativität hervor. Diese Art von Kreativität kann man nirgendwo anders finden.”

Gardner ist seit mehreren Jahren für die Organisation von Hackathons verantwortlich. Vor einiger Zeit hat er bei dem Distributed Health Hackathon sich entschieden, bei dem Startup Saavha Co-Founder und Head of Business Development zu werden. Bei Saavha handelt es sich um ein Startup, dass Termine beim Arzt auf der Blockchain sichern will.

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Er ist der Meinung, dass Programmierer und sonstige Entwickler, auch wenn sie schon in einem Unternehmen angestellt sind oder ein laufendes Startup haben, weiterhin bei Hackathons teilnehmen sollen. Nur so werden sie mit neuen Konzepten, Produkten und potentiellen Kooperationspartnern zusammengeführt.

“Für einfache Teilnehmer ist der ROI klar, aber auch für Unternehmen kann es hilfreich sein, ihre Programmierer zu solchen Veranstaltungen zu schicken.”

Schwierigkeiten mit der Software

Generell gilt: Wer auf Hackathons einen Eindruck hinterlässt für den können sich auch weitere Türen öffnen. Tseng hat an einem Ernst & Young Startup Challenge teilgenommen, einem sechswöchigen Programm, dass sich dieses Jahr auf Blockchain Anwendungen fokussierte. Dort haben er und sein Team den Preis für die Firma mit “größten Investitionspotential” gewonnen.

Das ist besonders aufregend, da es aktuell noch eher ein Hindernis denn eine Hilfe darstellt, ein professioneller Blockchain Software Entwickler zu sein.

“Distributed Ledger Technologie ist noch sehr früh im Adoption Cycle. Technologien, die sehr neu sind, tendieren dazu, weniger nutzerfreundlich zu sein und haben dementsprechend eine höhere Eintrittsbarriere.”

Der 18 Jahre alte Gründer des Blockchain Startup Mesh hat in seinem jungen Alter schon sechs Jahre Erfahrung mit der Blockchain. Laut ihm hat die Blockchain Technologie viele Stärken, Benutzerfreundlichkeit gehört jedoch nicht dazu.

Seit er zwölf ist hat Mate Bitcoin auf Grafikkarten gemined und baute einige online Wallets. Generell kam er früh mit Computern und Programmierung in Kontakt: Den Computer, auf dem er begann, Bitcoin zu mienne, baute er mit neun. Er spielte Spiele, die noch in der Betaphase waren, debuggte sie und lernte, die Fehler, die sie hatten, zu reproduzieren.

Doch die Arbeit an Videospielen ist im Vergleich zu der Arbeit an der Blockchain einfach: Es existiert kein Entwickler-Toolkit für die Blockchain. Die Infrastruktur, die eine große Adoption der Blockchain in der Entwicklerszene erlauben würde muss noch entwickelt werden.

Zwar existieren einige Blockchain-APIs, aber diese sind laut ihm nicht gerade flexibel.

Dennoch glaubt Tseng, dass sich das ändern wird: Die Blockchain-Technologie findet Akzeptanz bei Banken und Finanzinstitutionen wie Hyperledger oder R3. Gerade in dieser Woche hat Richard Glendal Brown, der CTO von R3, einen Blogpost über Corda, die Smart Contract Plattform von R3 geschrieben.

Mit Hackathons in die Zukunft

Die Blockchain wird weiter mit großen Schritten in die Zukunft schreiten – wie sie es seit 2008 getan hat. Blockchain-Enthusiasten werden weiterhin Unternehmen gründen und ihre Freizeit auf Hackathons verbringen.

Die Industrie wird jetzt, wo die ersten Verbindungen zwischen Startups und den großen Unternehmen etabliert sind, aufholen; laut Mate wird das zur “Blockchain Revolution” führen, in der diese großen Unternehmen die Blockchain vollständig annehmen werden. Hackathons sind dabei der Königsweg, um wirkliche Use Cases zu finden.

Hackathons, Inkubatoren und Accelerators “zeigen sehr schnell, ob eine Idee für große Unternehmen Sinn macht”, so Plug and Play’s Robinson.

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Englische Originalversion von Bailey Reutzel via CoinDesk