Delaware lockt Unternehmen mit Blockchain-Technologie

Piggy bank, laptop, globe, - tax haven concept

Delaware war der erste US-Staat der 2016 die Blockchain-Technologie implementiert hat. Nun möchte der US-Staat es dieses Jahr ermöglichen, dass Unternehmen ihre Dokumente direkt auf der staatlichen  Distributed Ledger ausfüllen und verwalten können.



Auch wenn Delaware nur ein kleiner US-Bundesstaat ist, so sind über 66 % der 500 größten Unternehmen der Welt in Delaware registriert, sowie hunderttausende andere Unternehmen und Startups, die ihren steuerrechtlichen Unternehmenssitz nach Delaware verlagert haben.

Entsprechend herausfordernd ist es für die Initiatoren gewesen, die vielen großen Kapitalgesellschaften und Unternehmenskonstrukte in Delaware auf die Blockchain-Technologie abzustimmen.

Dennoch sollen in 2017 Smart Contracts beim Ausfüllen von Dokumenten, insbesondere kapitalrechtlichen und eigentumsrechtlichen Dokumenten, auf einer Distributed Ledger, helfen. Mit diesem ambitionierten Ziel möchte Delaware seinen First-Mover-Status weiter ausbauen.

Wie sieht es mit der Regulierung aus?

Um sicherzustellen, dass die Regulierung nicht zu kurz kommt, sollen auch einige staatliche Behörden mit der Blockchain arbeiten. Als erstes soll das öffentliche Archiv von Delaware die Blockchain-Technologie nutzen. Des Weiteren soll die Gerichtsbehörde Delaware State Bar Association’s Corporation Law Council dafür sorgen, dass das Unternehmensrecht auf automatisierte Blockchain-Vorgänge abgestimmt wird.

So nutzt das öffentliche Archiv von Delaware Smart Records um Compliance-Vorgänge weiter zu automatisieren, indem staatliche Dokumente transparent dokumentiert werden, bei gleichzeitiger Verschlankung von Rechtsvorschriften. Delaware erhofft sich dadurch vor allem höhere Einnahmen und Attraktivität gegenüber Unternehmen.

Weitere wichtige öffentliche Stellen, die die Blockchain-Technologie in Delaware unterstützen sind die Delaware Division of Corporations (hier sind alle Unternehmen registriert) und das Global Delaware Team (eine Art Wirtschaftsförderungsgesellschaft), sowie das Delaware Court of Chancery, welches für Rechtsstreitigkeiten von Unternehmen zuständig ist.

Die nächsten Schritte in Delaware

Laut der Delaware Blockchain Initiative sollen smarte Dokumente herausgegeben werden, die wiederum eine automatisierte staatliche Überprüfung / Registrierung ermöglichen. Dadurch werden viele Registrierungsprozesse, insbesondere im Kapitalrecht, weiter beschleunigt.

Schließlich sind selbst im effizienten Delaware noch viele Vorgänge, die sich mit Kreditsicherheiten und Aktienrecht befassen, ziemlich papierlastig und fehleranfällig.

Kommentar von Sven Wagenknecht (BTC-ECHO):

Delaware ist als DIE Steueroase der USA bekannt, da hier die Steuersätze für Unternehmen extrem niedrig sind. Egal ob Apple, Google oder Volkswagen, fast jeder Weltkonzern hat hier einen Briefkasten mit seinem Namen. Der US-Bundesstaat tut alles, um es den Unternehmen möglichst einfach und bequem zu machen sich in Delaware zu registrieren. Auch ohne die Blockchain-Technologie und der daraus folgenden Entbürokratisierung und Kostenreduktion, sind die bürokratischen Hürden bereits relativ gering.

Werden nun mithilfe von Smart Contracts und weiteren Auslagerungen auf Blockchain-Register die Verwaltungsvorgänge weiter verschlankt und die Gebühren / Kosten gesenkt, dann dürfte der bereits vorhandene Vorsprung von Delaware gegenüber anderen US-Bundesstaaten und Staaten in Europa noch weiter ansteigen. Entsprechend kann damit gerechnet werden, dass durch die steigende Attraktivität für Unternehmen, die Anzahl an Unternehmen, die sich in Delaware registrieren lassen, weiter steigen wird – zum Leidwesen aller anderen Staaten, denen wichtige Steuereinnahmen verloren gehen.

Es wäre daher nicht verwunderlich, wenn auch die Cayman Islands und Britischen Jungferninseln demnächst Interesse an Blockchain-Lösungen bekunden würden.

BTC-ECHO

Zusammenfassung der englischen Originalversion von Andrea Tinianow via CoinDesk

Über Sven Wagenknecht

Sven WagenknechtSven Wagenknecht ist Chefredakteur von BTC-ECHO und verantwortet neben der redaktionellen Planung auch den Bereich Business Development. Nach seiner Ausbildung zum Bankkaufmann hat er Politik und Wirtschaft in Münster studiert und verschiedene berufliche Stationen, etwa in einer der führenden Unternehmensberatungen und im Bundeswirtschaftsministerium, absolviert. An der Blockchain-Technologie faszinieren ihn vor allem die langfristigen Implikationen auf Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. Als Speaker, zuletzt etwa auf dem St. Petersburg International Economic Forum 2017, referiert er über das makroökonomische Potential der Blockchain.

Bildquellen

  • Piggy bank, laptop, globe, – tax haven concept: © Mediteraneo - Fotolia.com
Ledger Wallet schützt deine Bitcoins