Meinungs-ECHO KW45: „Bitcoin ist Falschgeld“

Meinungs-ECHO KW45: „Bitcoin ist Falschgeld“

BIZ-Chef Augustín Carstens hackt beharrlich auf Kryptowährungen herum, während Mike Novogratz seine bullishe Bitcoin-Prognose etwas nach hinten verschiebt. Sein Bullenfreund Tim Draper fordert indes die Freilassung des Silk-Road-Gründers Ross Ullbricht. Bitcoin erhält prominente Unterstützung aus Hollywood, schließlich ist das moderne Finanzsystem ohnehin ein Schneeballsystem. Das Meinungs-ECHO der Kalenderwoche 45.

 

Mike Novogratz: Ein Bulle ist ein Bulle ist ein Bulle….

Mike Novogratz kann es nicht lassen. Da kann der Krypto-Markt machen, was er will – der Milliardär bleibt Permabulle durch und durch. Auch wenn Novogratz mittlerweile deutlich von seiner ursprünglichen 40.000-US-Dollar-bis-Ende-2018-Prognose abgewichen ist, sieht der Ex-Hedgefonds-Manager den Bitcoin-Kurs in absehbarer Zeit wieder im fünfstelligen Bereich. Zunächst müsse BTC die Resistance von 6.800 US-Dollar knacken. Danach sei es nur noch eine Frage der Zeit, bis die psychologisch wichtige Marke von 10.000 US-Dollar erreicht werde – Novogratz vermutet, dass es im ersten Quartal 2019 so weit sein wird. Dann wird die FOMO auch die institutionellen Investoren erfasst haben, was zu einer Kursrallye führen werde, die selbst die Explosion der Krypto-Kurse im Spätjahr 2017 in ihren Schatten stellen werde, so Novogratz gegenüber der Financial News.

Tim Draper fordert Freiheit für Silk-Road-Gründer

Dem hätte Tim Draper (außer einer Zehnerpotenz) wohl nichts hinzuzufügen. Der Mann mit der Bitcoin-Krawatte ist bekannt für seine provokante 250.000-US-Dollar-These. Spätestens seitdem Draper 2014 im Zuge der Silk-Road-Razzia 30.000 vom FBI beschlagnahmte BTC erstand, gilt der Wagnis-Kapitalist als lupenreiner Bitcoin-Maximalist. Verständlich, schließlich hat sich der Bitcoin-Kurs seitdem mehr als verzehnfacht (vom Kursfeuerwerk im Dezember 2017 ganz zu schweigen). Vielleicht fordert Draper auch deshalb die Freiheit für den Mann, dem er diese Investition zu verdanken hat: Ross „Dread Pirate Robert“ Ullbricht. Der mittlerweile 34-jährige ehemalige Betreiber des Darkweb-Schwarzmarkts Silk Road sitzt seit 2014 im Gefängnis. Ullbricht wäre in der Wirtschaft besser aufgehoben, meint Draper gegenüber Breaker:

„Free Ross, Baby! Wir brauchen diesen Typen in der Wirtschaft. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Er ist offensichtlich einer der großen Unternehmer der Welt. Er hat das Gesetz gebrochen und muss dafür büßen. Ich bin mir jedoch nicht sicher, ob Gefängnisse einer Gesellschaft dienlich sind. […]“

Ob Drapers Appell Früchte tragen wird, ist indes mehr als fraglich. Schließlich beträgt das Strafmaß für Ullbricht in der Causa Silk Road zweimal lebenslänglich plus 40 Jahre, und zwar ohne die Möglichkeit einer Begnadigung.

Augustín Carstens: Bitcoin = Falschgeld

Während Draper und Novogratz im Schützengraben die Flagge der Bitcoin-Bullen hochhalten, packt die Gegenseite in Form von Augustín Carstens genüsslich die Gebetsmühle aus. Der Chef der Bank für Internationalen Zahlungsaustausch wird nicht müde zu betonen, dass es sich bei Bitcoin & Co. um einen miserablen Wertspeicher handelt. In einer Rede anlässlich des „Finance and Global Economics Forum of the Americas“ in Miami käute der BIZ-Chef die beliebtesten Argumente der Gegner von Kryptowährungen wieder, inklusive:

  • „Die mit Kryptowährungen verbundenen Energie- und Rechenkosten stellen eine Umweltkatastrophe dar.“
  • „Kryptowährungen wie Bitcoin, Ether und Tether erfüllen nicht die Kernfunktionen des Geldes. Keine Kryptowährung ist eine echte Rechnungseinheit oder ein Zahlungsinstrument“
  • „Käufer von Kryptowährungen kaufen sich in nichts anderes als einen Software-Algorithmus ein.“

Dass Kryptowährungen eines Tages Zentralbanken den Garaus machen könnten, sieht Carstens konsequenterweise nicht:

„Es ist schwer, mit menschlicher Intelligenz und Erfahrung im Management von Prozessen und Systemen zu konkurrieren. Es ist schwer, die sofortige Abwicklung zu überbieten, die viele Zahlungssysteme der Zentralbanken bieten. Und es ist schwierig, das riesige Netzwerk, das mit der heutigen Zahlungsinfrastruktur existiert, zu replizieren.“

Auf Sätze wie diese sollte sich die mitunter stark fragmentierte Krypto-Community zusammenraufen und den Zentralbankern mit einem dreifach schallenden „Challenge accepted!“ antworten.

Patrick Byrne: Das moderne Finanzsystem ist ein Schneeballsystem

Patrick Byrne, Chef des Internethändlers Overstock.com hält genau dieses vermeintlich alternativlose Finanzsystem für ein Schneeballsystem.

„Ich finde, das gesamte moderne Finanzsystem ist ein keynesianistischer magischer Geldbaum, ein Schneeballsystem.“

Byrne zeigt sich in dem Interview überzeugt, dass Krypto in Zukunft auch in der breiten Masse ankommt.

Dabei präsentiert er sich als Revoluzzer mit angezogener Handbremse:

„Ich schätze, ich muss gestehen, so revolutionär wie ich bin – ich bin das, was man einen libertären, nationalen Sicherheitsbefürworter nennen könnte. Deshalb mache ich mir Sorgen um die Bedrohung unseres Landes. Und das bedeutet, dass KYC und AML keine Dinge sind, die man verspotten sollte.“

Dass Byrne viel von Bitcoin hält, hat der Overstock-CEO bereits 2014 bewiesen. Overstock gehörte zu den ersten großen Händlern in den USA, die Bitcoin akzeptieren.

Steigendes Bitcoin-Bewusstsein in Hollywood

Wenn man von den nicht gerade zahlreichen Ausnahmen wie Overstock absieht, ist es um die Bitcoin-Akzeptanz auf Händler- wie auch auf Konsumentenseite noch bei weitem nicht zum Besten bestellt – zum Leidwesen der Hodler, die in der Massenadaption den Treibstoff für die Reise „to the moon“ sehen. Deshalb ist es nicht zu verachten, wenn sich auch einmal Mainstream-Promis, die nicht McAfee, Sun, Novogratz oder Buterin heißen, Bewusstsein für das Thema schaffen. Vergangene Woche haben mit Gwyneth Paltrow und William „Captain Kirk“ Shatner gleich zwei nordamerikanische A-Klasse-Promis auf Twitter bewiesen, dass Bitcoin & Co. für sie keine Fremdwörter sind.

So hat William Shattner den Verdacht geäußert, dass der Ethereum-Erfinder Vitalik Buterin ein Star-Wars-Fan sein muss.

„ […] Die Enterprise Ethereum Alliance? Können wir uns absolut sicher sein, dass Vitalik Buterin kein Star-Wars-Fan ist? Ich hab da Gerüchte gehört… einige habe ich selbst in Umlauf gebracht!“

Offenbar hat Captain Kirk Blut geleckt und ist gerade dabei, sich in die Krypto-Materie hinein zu fuchsen:

„Ich habe die Basis gelernt und bin ein schneller Lerner und habe Freunde, die exponentiell mehr Ahnung von der Sache haben als ich“,

entgegnete Shatner auf ein Lob von Krypto-Investor und -Twitterati „Crypto Shark“:

Gwyneth Paltrow bewirbt indes einen Investment-Guide für Kryptowährungen, der auf der Homepage ihres nicht unumstrittenen, New-Age-affinen „Lifestyle-Unternehmens“ Goop veröffentlicht wurde:

Wenn’s denn der Adaption dient…

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