Darum feiert Bitcoin ein neues Jahreshoch: Die Krypto-Inventur und der neue Optimismus

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Darum feiert Bitcoin ein neues Jahreshoch: Die Krypto-Inventur und der neue Optimismus

Der Bitcoin-Kurs steht mit über 6.200 US-Dollar so hoch wie seit November letzten Jahres nicht mehr. Die Bitcoin-Stärke zieht den gesamten Krypto-Markt mit nach oben. Gleichzeitig kann Bitcoin seinen Marktanteil weiter ausbauen, mit inzwischen über 57 Prozent Marktdominanz. Doch woher kommt der Stimmungswechsel und was spricht fundamental für weiter anziehende Kurse?

Schon oft wurde über das Potential institutioneller Investoren, die in den Krypto-Markt eintreten, geschrieben und gesprochen. Nicht wenige können das inflationär gebrauchte Mantra, dass das Big Money mit den institutionellen Investoren kommt, nicht mehr hören. Das ändert dennoch nichts daran, dass diese Aussage wahr ist. Das große Geld liegt nun mal bei den Pensionskassen, Family Offices und Investmenthäusern.

Passend in dieses Narrativ gesellt sich der Bitcoin Trading Desk von Fidelity, einer milliardenschweren Vermögensverwaltung aus Boston. Neben dem bereits existierenden Krypto-Verwahrservice soll bereits in den nächsten Wochen der Krypto-Trading-Service für Großkunden an den Start gehen. Derartige News tragen zum neuen Krypto-Optimismus bei, auch wenn sie am Ende nur ein kleines Puzzleteil im großen Ganzen darstellen.

Gern vergessen: Bitcoin als Fluchtwährung

Nach wie vor lässt sich beobachten, dass Bitcoin tendenziell positiv auf größere wirtschaftspolitische Turbulenzen reagiert. Neben Gold und traditionellen Fluchtwährungen wie dem Schweizer Franken erfreut sich auch Bitcoin an einem Zustrom an sicherheitsbedürftigen und inflationsbesorgten Investoren. Schließlich können Kryptowährungen als eigenständige und zum traditionellen Finanzsektor relativ unkorrelierte Anlageklasse ihre Vorteile ausspielen. Weder die expansive Notenbankpolitik einer EZB noch Sanktionen gegen Volkswirtschaften oder drohende Handelskriege bedrohen die Wertstabilität von Bitcoin. Entsprechend naheliegend ist die Krypto-Beimischung im eigenen Vermögensportfolio.

So ist der aktuelle Handelsstreit zwischen den USA und China ein Beispiel für die unterschwellige Verunsicherung an den Märkten. Gerade zyklische Werte wie Automobilaktien haben hier drunter zu leiden. Tendenziell antizyklische Werte wie Gold oder eben immer öfter auch Bitcoin können hingegen von Wirtschaftskonflikten profitieren. Gleiches gilt für die Wirtschaftssanktionen im Streit über das iranische Atomabkommen. So haben diese Woche die europäischen Staaten das von Teheran gestellte 60-Tage-Ultimatum abgelehnt – ein Grund weniger für Investments in den DAX, ein Grund mehr für Bitcoin & Co.

Die Internetgiganten zeigen langsam, wo die Reise hingeht

Welche Unternehmen haben den größten Einfluss auf den Krypto-Markt? Man mag geneigt sein, Binance, Coinbase oder ConsenSys zu sagen, aber das ist nur bedingt richtig. Schließlich wollen nun die größten Unternehmen der Welt bzw. die Unternehmen mit der größten Kundschaft der Welt auf Blockchain und Kryptowährungen umsatteln. Zwar sind deren Konzepte weit vom dezentralen Bitcoin entfernt, dennoch können sie die Bitcoin-Adaption mehr in der Breite fördern als die genannten Krypto-Unternehmen. Dass Facebook bald eine eigene Kryptowährung herausbringt und entsprechend diese Woche verkündet, passend dazu das Krypto-Werbeverbot zu lockern, sind extrem positive Signale für den Krypto-Markt.

Schließlich profitiert auch Bitcoin und Co., wenn hunderte Millionen Menschen durch Facebook Kontakt mit der Krypto-Ökonomie bekommen. Auch sind in den letzten Wochen Gerüchte aufgekommen, dass Samsung – nachdem es bereits mit dem Smartphone Samsung Galaxy S10 ein krypto-kompatibles Smartphone auf den Markt gebracht hat – ebenfalls an einem eigenen Coin arbeite. Bereits heute können sich Besitzer des neuen Smartphones über dApps und eine Ether Wallet freuen. Die Verkündung solcher krypto-affinen Konzernbotschaften zeigen, wohin die Reise geht.

Nur ein paar Dellen: Binance Hack und Tether-Debakel richten nur kleinen Schaden an

Natürlich gibt es auch genügend negative Schlagzeilen im Krypto-Sektor. So haben Hacker diese Woche die größte Krypto-Börse der Welt, Binance, gehackt und um rund 40 Millionen US-Dollar erleichtert. Noch größer als der Schaden von 7.000 entwendeten Bitcoin ist der Vertrauensverlust in das gesamte Ökosystem. Zwar sind Börsenhacks an der Tagesordnung, dennoch hatten viele die Hoffnung, dass der Kelch an Binance vorbeizieht. Entsprechend reagierten die Krypto-Kurse mit roten Vorzeichen, als die Meldung Anfang der Woche einschlug. Dennoch: Ein schlimmer Absturz sieht anders aus. Bitcoin & Co. erholten sich überdurchschnittlich schnell von der Meldung.

Ebenfalls widerstandsfähig hatten sich die Kurse auch bei den Negativschlagzeilen Ende April zu Tether und Bitfinex gehalten. So wurde Tether und Bitfinex wiederholt vorgeworfen, Liquiditätsengpässe von bis zu 850 Millionen US-Dollar vertuscht zu haben. Auch diese Negativ-News konnte den Markt nicht wirklich beeindrucken. Es scheint, als sei der Krypto-Markt gerade in einer relativ starken Phase, wo Negativschlagzeilen besonders gut absorbiert werden können. Trotzdem sollten Trader nicht vergessen, dass ein nicht unerheblicher Teil des Handelsvolumen durch Wash Trading erzeugt wird. Konkret täuschen einige Krypto-Börsen Fake-Volumina vor, um Liquidität vorzugaukeln. Ein Problem, das nach wie vor den Krypto-Markt belastet.

Security Token und Initial Exchange Offerings als Heilsversprechen

Token als offiziell anerkannte Wertpapiere zu emittieren, ergo eine Aktie oder Anleihe in Tokenform herauszugeben, bringt neuen Schwung und vor allem neues Geld in den Krypto-Markt. Die in vielen Punkten seriösere Art und Weise, Krypto- , aber auch Nicht-Krypto-Projekte zu finanzieren, sorgt ebenfalls für positive Impulse. Die neue Finanzierung im Krypto-Ökosystem verspricht nichts Geringeres als die Transformation von physischen Wertpapierurkunden hin zu digitalen Token. Sogar die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat eingeräumt, dass es wahrscheinlich ist, dass man in Zukunft Wertpapiere standardmäßig als digitale Token verbrieft.

Neben Security Token bzw. Security Token Offerings (STOs) sind es aber auch die Initial Exchange Offerings (IEOs), die ebenfalls neues Kapital in den Markt spülen. So finden die Token Sales bei IEOs über Krypto-Börsen wie Binance oder Bittrex statt und versprechen dadurch einen besseren Investorenschutz und bessere Nutzerfreundlichkeit als es bei ICOs in der Vergangenheit der Fall war.

Die Herausforderungen bleiben

Von dem Bärenmarkt und den verbrannten ICOs aus 2018 möchte kaum noch jemand etwas wissen. Die fortschreitende Professionalisierung und Regulierung bestimmt den aktuellen Trend im Krypto-Ökosystem. Der neue Optimismus zeigt sich auch im gestiegenen Transaktionsvolumen von Bitcoin und Ethereum, das so hoch wie schon seit mehreren Monaten nicht mehr ist. Bei dApps wurde sogar ein neues Allzeithoch geknackt. Umso wichtiger wird daher das Thema Skalierung. Gerade Ethereum muss, wie Ethereum-Co-Founder Joseph Lubin kürzlich eingeräumt hat, ordentlich auf die Tube drücken. Gegenwärtig sind die Skalierungslösungen trotz guter Fortschritte immer noch zu weit entfernt.

Gleiches gilt für Bitcoin und das Lightning Network. Zwar gibt es auch hier gute Fortschritte – inzwischen kann auch über die Apple Watch Lightning genutzt werden – von einem Durchbruch kann man aber immer noch nicht sprechen. Mangelnde Fortschritte in der Skalierung können also durchaus als Hemmschuh für die Krypto-Kurse identifiziert werden. Auch müssen sich die vielen neuen Projekte, die sich via STO oder IEO finanzieren, erst noch beweisen. Trotz höherer Standards ist mit einigen faulen Eiern zu rechnen – es wird also auch weiterhin viel Geld im Krypto-Markt verbrannt. Solange es aber sichtbare Projekterfolge gibt, ist dies nicht weiter schlimm, sondern vollkommen normal. Umgekehrt haben Leuchtturmprojekte und Erfolgsstories das Potential, dem gesamten Krypto-Markt eine neue Dynamik und Anziehungskraft zu verleihen.

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