Darum drückt die Steuer auf die Kurse

Darum drückt die Steuer auf die Kurse

Investoren erleben dieser Tage die unbequeme Seite der Kryptowährungen: In den USA und vielen Ländern weltweit beginnt die Tax-Season. Unternehmen und Privatpersonen müssen ihre Steuererklärung abgeben. Wer hohe Gewinne in Kryptowährungen erzielt hat, benötigt nun Fiat-Geld, um die Steuer zu bezahlen. Das drückte die Kurse.



Bitcoin alleine ist in 2017 über 1.000 % gewachsen, von unter 1.000 US-Dollar zu Jahresbeginn auf über 13.000 US-Dollar zum Jahresende. Viele Kryptowährungen erlebten eine ähnliche – oder noch bessere – Performance. Während es die neuen Währungen oft in die Medien geschafft haben, ist das Steuerthema bislang unterrepräsentiert. Es herrscht viel Unklarheit, wer, wann, wie viel, und ob überhaupt an den Staat zu zahlen hat. Viele der Investoren mussten sich bislang nicht mit den Steuern beschäftigen. In Deutschland führt der Arbeitgeber die Lohnsteuer und die Banken die Kapitalertragssteuer automatisch ans Finanzamt ab. Wer Wertpapiere verkauft, muss zwar bislang auch Steuern zahlen, sich allerdings nicht selber darum kümmern. Die Berechnung und Zahlung übernimmt die Bank. Bei den Kryptobörsen sieht es anders aus. Hier gibt es keinen einheitlichen Rechtsrahmen, sodass jeder Investor für seine eigene Steuerschuld zuständig ist.

Die Steuersätze sind dabei stark verschieden. In vielen Ländern sinkt der Steuersatz bei einer längeren Halteperiode. Im besten Fall entfällt die Steuerschuld sogar bei langfristigen Investments. Darüber hinaus ist international unterschiedlich, ob Kryptowährungen wie Wertpapiere oder übrige Sachanlagen behandelt werden. Kurzfristige Kapitalgewinne von Kryptowährungen könnten in den USA im schlimmsten Fall mit bis zu 39 % besteuert werden  – das ist ein horrender Steuersatz. Wer einen größeren Teil seiner Ersparnisse in Kryptowährungen investiert hat und sich zunächst über die Gewinne freute, steht nun vor einer großen Frage: Womit bezahle ich die Steuern?

Die Frage ist nicht trivial. Die Gewinne im letzten Jahr überraschten Investoren und Außenstehende zugleich. Die Steuer kann dabei den ursprünglichen Investitionsbetrag um ein Vielfaches übersteigen. Zwar bleibt nach Zahlung der Steuern theoretisch immer noch ein Gewinn übrig, was machen aber diejenigen, die den Gegenwert nur in Kryptowährungen haben? Staaten akzeptieren die Steuern bislang nur in ihren Fiatwährungen. Die Antwort heißt also verkaufen. Wie viele von dem Verkaufsdruck betroffen sind, lässt sich schwer schätzen. Neben Privatpersonen sind insbesondere die Betreiber der Kryptobörsen betroffen, die ihren Umsatz in digitalen Währungen behalten. Hier gilt das Gleiche analog: Sie müssen ihre Steuerschuld in der lokalen Währung begleichen und dazu vermutlich einen nicht geringen Anteil von Kryptowährungen abstoßen.

Die große Unbekannte: Wie viel Steuern fallen auf Kryptowährungen an?

Einer Schätzung zufolge könnte die anfallende Kapitalertragsteuer in den USA bei rund 25 Milliarden US-Dollar liegen. Natürlich ist die Steuerschuld sehr unterschiedlich verteilt und viele Investoren können die kleineren Beträge problemlos bezahlen. Bei der Summe wird allerdings auch klar, welchen Druck Investoren durch einen notwendigen Verkauf auf die Kurse aufbauen.

Einige Investoren sind geneigt, die Steuerschuld zu ignorieren, in der Hoffnung, die Finanzämter finden die Identität und Höhe der Gewinne nicht heraus. Das bleibt ein riskantes Spiel. Ein Bundesgericht in Kalifornien verpflichtete zuletzt im November die amerikanische Börse Coinbase, Daten von 14.000 Usern dem IRS (das amerikanische Finanzamt) zu übermitteln. Spätestens an dieser Stelle ist es mit der Anonymität vorbei. Ähnlich wie in den USA könnten mehrere Staaten die Daten bei den Betreibern anfordern.

Die Tax-Season in den Vereinigten Staaten endet Mitte April. Bis dahin könnte sich der Verkaufsdruck fortsetzen. Danach steht einem erneuten Kursanstieg zumindest das Steuerthema nicht mehr im Weg.

BTC-ECHO

Über Tim Stockschlaeger

Tim StockschlaegerTim Stockschläger hat Wirtschaftswissenschaften mit dem Schwerpunkt Finance in Augsburg und Leipzig studiert. Nach dem Studium hat er zunächst für die Deutsche Bank gearbeitet und ist nun freiberuflicher Autor und Berater.

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