Dank Ocean zur Data Ownership – BigChainDB-Interview Teil 2

Dr. Philipp Giese

von Dr. Philipp Giese

Am · Lesezeit: 6 Minuten

Dr. Philipp Giese

Dr. Philipp Giese arbeitet als Chief Analyst für BTC-ECHO und ist auf die Bereiche Chartanalyse und Technologie spezialisiert. Der promovierte Physiker kann dabei auf jahrelange Berufserfahrung als technologischer Berater zurückgreifen. Zudem ist er zentraler Ansprechpartner im Discord-Channel von BTC-ECHO und pflegt als Speaker und Interviewer den Austausch mit Startups, Entwicklern und Visionären.

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Im ersten Teil unseres Interviews hat Bruce Pon die Geschichte von BigChainDB und vom Ocean Protocol erzählt. Im zweiten Teil soll Ocean Protocol genauer diskutiert werden. Dabei soll über die Rolle von Daten im Bereich KI gesprochen und der Token Sale genauer betrachtet werden.

Der Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 30. Juni 2019 05:06 Uhr von Dr. Philipp Giese

Zu Teil eins des Interviews geht es hier

Damit die Leser die Vision hinter Ocean Protocol genauer verstehen: Warum braucht künstliche Intelligenz viele Daten?

Die Wurzeln der Erforschung von künstlicher Intelligenz liegen in der Mitte des letzten Jahrhunderts. Die Konzepte von damals konnten erst 50 Jahre später mit dem groß gewordenen Internet wirklich umgesetzt werden, weil nun der Zugriff auf die Unmenge an Daten da war.


Die im Internet vorliegenden Daten liegen oft in unstrukturierter Form vor. Wir mussten deshalb diese Daten aus einem neuen Blickwinkel betrachten und brauchten neue Datenbanken. Umgekehrt brachten uns die Entwicklung von nicht-relationalen Datenbanken wie MongoDB dazu, auf bestehende Daten neu zu blicken und sie unter Fragestellungen, die in relationalen Datenbanken nicht artikulierbar waren, noch einmal zu untersuchen.

Das brachte wiederum die Nutzung von KI voran. Die Nutzung von alten Algorithmen zur Klassifikation dieser Daten ließ die Vorhersagegenauigkeit von 80 % auf 99 % steigen. Selbst mit unterschiedlichen Modellen kam man auf dieselben Ergebnisse und sah, dass die Algorithmen selbst eigentlich nicht so relevant waren wie die Datenbasis, die die Basis der Datenanalysen war.

Wenn man sich das bewusst macht, dass es die Daten selbst sind, die die Qualität von Aussagen bestimmen, kann man verstehen, warum Google und andere Firmen so heiß auf unsere Daten sind. Doch nicht nur Google, Facebook und andere nutzen unsere Daten im großen Stil: MasterCard weiß über die Volkswirtschaft eines Landes inzwischen besser Bescheid als das Land selbst.

Was wäre, wenn die Daten, auf die diese Giganten zugreifen, auf einmal Open Source werden würden? Das würde ein riesiges Empowerment für alle bedeuten. Genau das ist das Ziel von Ocean Protocol: Erstens soll jeder Zugriff auf alle freigegebenen Daten haben. Zweitens soll jeder als Data Provider wahrgenommen und für freigegebene Daten entlohnt werden. Die Hoheit über die Daten soll wieder hergestellt werden und der Einzelne damit wieder Herr seiner Privatsphäre sein.

Um den Bogen zu künstlicher Intelligenz zu schlagen: Für gute künstliche Intelligenz ist die Data Provenance, das heißt der Ursprung der Daten, wichtig. Je näher diese am untersuchten Objekt ist, desto höher ist die Sicherheit der Modelle. Wenn wir diese Data Provenance zum Individuum verschieben, gewinnt auch dieses an Macht.

Mit einem Preis auf diesen Daten könnten die Besitzer der Daten Geld ohne einen Job bekommen. Mit dem Aufkommen von künstlicher Intelligenz werden viele Berufe abgelöst. Was tun wir mit dieser kommenden Welle an Arbeitslosen, die nicht nur Blue Collar Worker umfasst?

Was uns klar sein muss: Unser Stromnetz wird schon jetzt von künstlicher Intelligenz kontrolliert – wenn man sich, gerade im Rahmen der Energiewende, die Probleme einer schwankenden, dezentralen Stromversorgung überlegt, ist das eine Herausforderung, der sich kein Mensch stellen kann. Wir haben also Strom schon in die Hände der KI gelegt – und hier in Deutschland läuft es prima!

Du hast erwähnt, dass jene, die Daten zur Verfügung stellen, dafür entlohnt werden sollen. Wie werden die damit verbundenen Rewards verteilt? Geschieht das On-Chain?

Von den generierten Ocean Token werden 55 % an Investoren, an das Founding Team und kooperierende Unternehmen ausgeschüttet. 45 % werden für einen Block Reward genutzt. Davon wird an Miner, die letztlich auch Daten verarbeiten, ausgeschüttet. Ein großer Anteil geht aber an alle Nodes, die Daten in das System speisen.

Gerade für Daten, für die bisher kein Preis erhoben wird, soll damit ein Anreiz zur Offenlegung derselben geschaffen werden. Daten-Validation und andere Dienstleistungen bekommen auch einen Teil des Block Rewards. Es können also auch Menschen Algorithmen kaufen, mit denen sie ihre eigenen Daten genauer betrachten können.
Der Marktpreis dieser Daten soll den Gesetzen des Marktes unterliegen.

Ich kann nachvollziehen, dass das Ocean-Protokoll dem Einzelnen wieder Macht gibt: Jeder kann eine derartige Node aufbauen, seine Daten teilen und so seinen Anteil an den Block Rewards erhalten. Was jedoch ein Problem sein könnte, ist die Verhinderung von Spam. Viele Systeme lösen das durch Anfangs-Investments, die reine Spam-Absichten wirtschaftlich reizlos werden lassen. Das führt jedoch zu dem Dilemma, dass man zwar Spam durch hohe Barrieren verhindert – was aber den kleinen Mann ausschließt. Wie löst Ocean dieses Problem?

Anders gefragt: Wie geht man gegen Sybil-Attacken vor? Wir machen das mit einem Staking-Mechanismus. Wenn wir Daten veröffentlichen, legen wir dahinter einen Stake an. Andere Nutzer können die Daten ebenfalls staken. Sollte herauskommen, dass das gefälschte Daten sind und jemand das nachweisen kann, geht dieser Stake verloren. Das ist Teil des Validation Proofs. Zugegeben, man ist deshalb nicht 100 % anonym, weil die Reputation transparent sein wird. Aber seien wir mal ehrlich: Anonymität hat seine Use-Cases, für Daten wäre das aber ein Problem. Hier musst du die Data Provenance kennen.

Ihr plant einen Token Sale. Kannst du dazu etwas erzählen? Wie werden deiner Meinung nach Giganten wie Google darauf reagieren?

Token Launch ist am 7. März in Singapur. Die regulatorischen Bedingungen dort sind perfekt. Die Regierung von Singapur will eine Data Economy werden und unterstützt das Projekt deshalb. Zu den großen Unternehmen: Wir waren 2015 am Facebook Campus und da wurde uns gesagt, dass das niemand auf dem Radar hat. Nun hat Mark Zuckerberg vor einigen Wochen gesagt, dass Facebook auf Dezentralisierung schaut. Telegram machen einen ICO. Google, Amazon und Apple werden entsprechend sicherlich darauf reagieren.

Die einzige Option, die diese Giganten meiner Meinung haben, um diese Revolution zu bekämpfen, ist, den Menschen den Besitz der Daten zurückzugeben.

Und was meinst du zu China? Dort steht man der Dezentralisierung eher skeptisch gegenüber…

Die aktuelle Politik Amerikas erlaubt China, außenpolitisch wieder groß zu werden. Russland möchte niemand als Chef haben. EU ist mit dem Brexit und der Regierungsbildung Deutschlands beschäftigt, entsprechend kann China vor allem in den Entwicklungsländern in ein außenpolitisches und weltwirtschaftliches Vakuum vorstoßen. In Afrika, im Nahen Osten läuft es an. In ihrem Land wollen sie alles kontrollieren. Deshalb wollen sie Blockchain unterdrücken – nicht, weil Blockchain anti-Government ist, sondern weil es ein System ist, das dem Einzelnen verhilft, der Regierung auf Augenhöhe zu begegnen.

Mit BigchainDB und Ocean wollen wir nicht China angreifen, aber Data Ownership ist ein wichtiges metapolitisches Thema, welches China nicht gut finden wird.

Wir brauchen die Synthese zwischen den extrem sorglosen Menschen, die alle Services einfach nutzen und den Paranoiden, die die Services nicht nutzen können, weil sie den bisherigen Besitzern der Daten nicht vertrauen. Diese sind vom technischen Fortschritt ausgeschlossen. Wir brauchen deshalb Data Ownership: Ich teile diese Daten (gegen Geld), aber nicht jene Daten.

Hast du noch Dinge, die du erwähnen möchtest?

Wir werden mehrere ICOs für das Ocean Protocol veranstalten, viele in Kooperation mit Firmen. Was BigchainDB betrifft, denken wir auch darüber nach, daraus eine Tokenized Platform zu machen. Bei Kooperationen mit Unternehmen wie Innogy könnten so Projekte im Rahmen „Industrie 4.0“ realisiert werden.

Bruce, vielen Dank für das interessante Gespräch!

Wer sich weiter über BigchainDB und das Ocean Protokoll informieren möchte, sei auf die Webseite des Unternehmens oder des Projekts verwiesen.

BTC-ECHO


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