Dabba-Trading: Indische Tradition versus Kryptoverbot

Quelle: Golden bitcoin and indian rupee money via Shutterstock

Dabba-Trading: Indische Tradition versus Kryptoverbot

Indische Krypto-Anleger suchen nach Wegen, das von der Zentralbank RBI im April ausgerufene Verbot von Kryptowährungen zu umgehen. Einige greifen nun auf Dabba-Trading zurück: eine fast hundert Jahre alte Form des Tradings. Doch legal ist das nicht.

Im Frühling dieses Jahres verging indischen Krypto-Anlegern das Lachen. Denn es war kein verspäteter Aprilscherz, als die indische Zentralbank am 5. April per Rundschreiben den Banken des Landes das Geschäft mit Kryptowährungen verbot. Als provisorischen Workaround beschränkten sich die lokalen Kryptobörsen daraufhin auf Krypto-zu-Krypto-Geschäfte konzentrierten. Wie das indische Nachrichtenportal Business Today berichtet, umgehen immer mehr indische Hodler das Verbot, indem sie sich einer fast hundert Jahre alten Handelsform bedienen: Dabba.

Was in mitteleuropäischen Ohren nach Babysprech klingt, ist für die indischen Finanzaufsichtsbehörden alles andere als ein Kinderspiel. Der auch „Bucketing“ genannte Prozess dient dazu, Geld über illegale Kanäle ins Ausland zu schaffen. Dort wird es an einer Börse – in diesem Fall eine Kryptobörse – angelegt. Hier kommt ein Mittelsmann, der sogenannte „Dabba-Trader“, ins Spiel: Sein Büro verfügt wie jedes andere Maklerbüro über börsennotierte Terminals mit Aktienkursen. Der Unterschied besteht jedoch darin, dass die Geschäfte des Anlegers nicht über das Börsensystem, sondern nur in den Büchern des Dabba-Traders ausgeführt werden.

Hawala: Altbewährt und illegal

Gelingt es dem Dabba-Trader, mit dem Geld seines Klienten, beispielsweise durch eine Investition in eine Kryptowährung, einen Gewinn zu erzielen, greift meist ein zweites, noch deutlich älteres Überweissungssystem: Hawala.

Bei Hawala handelt es sich ebenfalls um eine Form der Ausführung von Transaktionen, die sich dem Zugriff durch traditionelle Banken und Regulierungsinstitutionen entzieht. Dabei kommt ein Netzwerk von Angehörigen oder Bekannten zum Einsatz. So verfügen sowohl der Zahlungspflichtige als auch der Empfänger des Geldes jeweils über eine Vertrauensperson, einen „Hawaldar“. Der Zahlungspflichtige gibt sein Geld mitsamt einer Passphrase seinem Hawaldar, der dem Hawaldar des Empfängers das Passwort übermittelt. Unabhängig davon wird die Passphrase auch dem Empfänger mitgeteilt. Dieser geht dann wiederum zu seinem Hawaldar, nennt das Codewort, und erhält das Geld.

Auf diese Weise gelangt der etwaige Gewinn zu den indischen Krypto-Anlegern, die sich für Dabba-Trading entschieden haben. Legal ist das Ganze freilich nicht, weder in Indien noch in Deutschland. Allerdings bleiben indischen Krypto-Investoren sonst wenig Möglichkeiten, ihr Fiatgeld in Kryptowährungen zu tauschen. Es zeigt sich einmal mehr, dass Wasser und Geld eine entscheidende Gemeinsamkeit haben: Bei gegebener Liquidität finden beide stets ihren Weg.

BTC-ECHO

Ähnliche Artikel

Das Regulierungs-ECHO KW51: e-krona und Petro-Zwang
Das Regulierungs-ECHO KW51: e-krona und Petro-Zwang
Krypto

In den USA setzt die SEC ihren Kreuzzug gegen Krypto-Scams fort, während die CFTC Ethereum unter die Lupe nimmt.

AriseCoin: Bitcoin-Scam-Betreiber zahlen Strafe in Millionenhöhe
AriseCoin: Bitcoin-Scam-Betreiber zahlen Strafe in Millionenhöhe
Regulierung

Als die letzte Boom-Phase von Bitcoin gerade abebbte, begann die SEC verstärkt damit, in der ICO-Szene um sich zu greifen.

Niederländische Zentralbank fordert Krypto-Regulierung
Niederländische Zentralbank fordert Krypto-Regulierung
Krypto

Bald werden Krypto-Börsen in den Niederlanden eine Lizenz benötigen, um ihre Dienste anzubieten.

Newsletter

Die besten News kostenlos per E-Mail

Finde einen Job mit Zukunft

    Aktuell

    So röstet die Ripple-Community Western Union auf Twitter
    So röstet die Ripple-Community Western Union auf Twitter
    Altcoins

    Auf Twitter verkündet Western Union stolz, dass sie bereit für Kryptowährungen wie Bitcoin, Ripple, Ethereum & Co.

    Bitcoin erobert das All – mit Blockstream-Satelliten
    Bitcoin erobert das All – mit Blockstream-Satelliten
    Bitcoin

    Bitcoin im All: Blockstream hat ihren Satellitenservice nun auf den asiatisch-pazifischen Raum ausgedehnt.

    Bitcoin-Kurs und Altcoins steigen – Grünes Licht am Ende des Tunnels?
    Bitcoin-Kurs und Altcoins steigen – Grünes Licht am Ende des Tunnels?
    Märkte

    Der Bitcoin-Kurs kämpft nach wie vor mit der 3.500-US-Dollar-Marke. Der Ripple-Kurs konnte bisweilen um 14 Prozent zulegen, selbst Ethereum und IOTA konnten zulegen.

    Malaysia: Erste physische Blockchain-Bank der Welt geplant
    Malaysia: Erste physische Blockchain-Bank der Welt geplant
    Blockchain

    In Malaysia ist die weltweit erste physische Blockchain-Bank gegründet worden.

    Angesagt

    Coinbase-IPO: Börse Hongkong gibt sich skeptisch
    Märkte

    Die starke Abhängigkeit vom Bitcoin-Markt könnte den geplanten Börsengang vom Mining-Giganten Bitmain gefährden.

    Podcast: Der große Jahresrückblick 2018 mit Dr. Julian Hosp
    Bitcoin

    Das ging wieder mal ruckzuck: 2018 neigt sich dem Ende zu.

    Bitcoin Anzahl – Wie viele Bitcoin gibt es?
    Bitcoin

    Die höchste Anzahl an Bitcoin ist auf knapp unter 21 Millionen Bitcoin begrenzt (genau: 20.999.999,9769 BTC).

    Altcoin-Marktanalyse KW51 – Litecoin trotzt dem Bärenmarkt
    Kursanalyse

    Die gesamte Marktkapitalisierung ist auf 104 Milliarden US-Dollar gefallen. Bis auf Litecoin weisen alle Kryptowährungen der Top 10 Kursverluste auf.