Church of Monero: To the moon!

Phillip Horch

von Phillip Horch

Am · Lesezeit: 5 Minuten

Phillip Horch

Phillip Horch ist Chef vom Dienst von BTC-ECHO und für die Strukturierung und Planung der redaktionellen Inhalte verantwortlich. Er ist Diplom-Journalist und hat einen Master-Abschluss in Literatur-Kunst-Medien.

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Die Church of Monero ist eine (bisher) kleine Glaubensgemeinschaft der Monero-Community. In ihrem Mittelpunkt steht die Technologie. Ihr ambitioniertes Ziel: Den Mond mit 3D-Druckern zu besiedeln. Dabei entwirrt sie, vielleicht ohne es zu wollen, das Narrativ hinter Bitcoin.

Was hat eine dezentrale Technologie mit Glauben zu tun? Mehr als man auf den ersten Blick glauben mag. Denken wir an Bitcoins Anfänge zurück: Vor gut zehn Jahren veröffentlichte Satoshi Nakamoto das White Paper für Bitcoin. Das fiel in eine Zeit, in der Menschen den Glauben an Zentralbanken zunehmend verloren und die letzte große Wirtschaftskrise in den USA brodelte. Das Vertrauen in zentrale Institutionen sank – das war es letztlich auch, was Bitcoin eine Chance gab. Bitcoin-Anhänger legen ihr Vertrauen in die Technologie und schreiben es unwiderruflich auf die Blockchain. Ist Krypto also Glaubensfrage?

Die beiden Grundpfeiler der Church of Monero

Wenn es nach der Church of Monero geht, lautet die Antwort: Ja. Die Church of Monero hat zwei Basen: Eine auf der Erde und eine (bisher) imaginäre auf dem Mond. Um letzteren zu erreichen, wurde die Monero Space Force gegründet. Der Kitt, der beide Basen miteinander verbindet, ist der Glaube. So das Motto laut Homepage:

„Die Monero-Community unter einem gemeinsamen Ziel zu vereinen.“

Das erste Projekt, um dies zu erreichen, soll einen Monero-Satelliten zu entwerfen.

Die Mondmission


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Um mit der anonymen Kryptowährung bis zum Mond zu fliegen, hat ein (natürlich anonymer) Nutzer einen Preis von 10.000 XMR – den Token des Privacy Coins – ausgerufen:

„Der Preis von 10.000 Monero winkt dem ersten Team oder Individuum, das einen 3D-Drucker auf dem Mond betreibt. Der 3D-Drucker muss Mondstein als Druckmaterial verwenden und beweisen, dass er maßgeschneiderte mechanische Komponenten produzieren kann.“

Das alles soll bis spätestens 19. Dezember 2022 passieren. Der Preis von 10.000 Monero sei zwar noch nicht sonderlich hoch, würde sich aber in absehbarer Zeit noch ausreichend entwickeln. (Auch hier gilt: To the moon!).

So weit, so gut. Doch wozu? Der anonyme Initiator gibt die Antwort:

„Wir müssen die Denker und Erfinder dazu ermutigen, ins All zu gehen. […] Das Gewinnerteam wird dazu fähig sein, unendlich weitere Teile zu erzeugen – nur aus Sonnenlicht und Mondstein. Aus diesen Teilen könnte man wiederum Teile für Roboter bauen, daraus weitere Drucker basteln, Container für Material, Apparaturen, um Energie zu sammeln […].“

Die Mission ist klar: Mondrakete basteln, dort aus Mondstein 3D-Drucker zusammenschrauben und diesen Prozess wiederholen, bis der Mond voller 3D-Drucker ist. Das soll alles unter dem ökonomischen Schutzschild der Monero Space Force geschehen, der himmlischen Abteilung der Monero-Kirche.

Die Messen der Church of Monero

Doch zurück zur Erde. Dort hält der Oberpriester Xeagu zweimal in der Woche Messen ab. Mittwochs für Menschen aus Zeitzonen wie China und Australien um 8:00 UTC und Sonntags um 18:00 UTC. Prinzipiell kann jeder der Kirche über den Telegramchannel beitreten und bei den Messen mitmachen. (Und das ist auch der Unterschied zur Space Force: Jeder kann mitmachen. Damit wollen die Jünger einen Gegenpol zur akademischen, im technischen Sinne regulierten Technologie bilden. Wer bei der Space Force mitmachen will, muss sich einigen Prüfungen unterziehen.)

Die Teilnehmer der Messe werden in Gruppen aufgeteilt und schicken XMR im Wert von fünf US-Dollar im Kreis. Oberpriester Xeagu dazu:

„Es ist irgendwie dumm, aber es ist auch witzig, das macht es witzig. [It’s kind of stupid, but it’s kind of fun, and thats what makes it fun].“

https://www.youtube.com/watch?v=YQvyRcXjZdE

Was sich zunächst absurd anhört, hat jedoch tatsächlich einen Sinn, nämlich den, das Netzwerk zu stärken. Denn das Monero-Netzwerk wird mit jeder neuen Transaktion stärker:

„Der Sender einer Transaktion wird durch die sogenannten Ring Signatures anonymisiert. Der ursprüngliche Input wird verschleiert, indem er mit vergangenen Outputs der Blockchain zu einer einzigartigen Signatur kombiniert wird. Die einzelnen Komponenten dieser Signatur sind alle mit gleicher Wahrscheinlichkeit der tatsächliche Sender. Technisch lässt sich der Absender nicht zurückverfolgen. Diese Verschleierung passiert automatisch. Kurz, in Monero sind alle Transaktionen versteckt. Transparenz ist optional. Wer seine Transaktion offenlegen möchte, kann dies durch das Teilen des View Keys tun.“

Auszug aus unserem Watch-my-Block-Artikel zu Monero.

Grob gesagt: Mit jeder neuen Transaktion gibt es mehr Transaktionen, in denen sich neue Transaktionen verstecken können – dafür sorgen die Jünger in ihren Messen.

Auch hier geht es wieder um das Zusammenspiel von Technologie und Glauben. Denn wie Xiagu im obigen Video erläutert, muss man darauf vertrauen, dass der nächste im Ring die fünf US-Dollar nicht einkassiert, sondern weiterschickt. Xiaghu ist, wenn man so will, die Schlüsselfigur der Kirche, das Bindeglied von Geistlichem und Weltlichem. So ist er nicht nur Oberpriester, sondern zugleich Lord Commander der Space Force.

Space Force und der Gott der Church of Monero

In der Space Force spiegelt sich die Trennung von Kirche und Staat. Denn während die weltliche Seite der Church of Monero auf Glauben und Gemeinschaft aufbaut, ist die Space Force der Technologie gewidmet.

Ihren Gott teilen sie sich jedoch:

„Künstliche Super Intelligenz = Gott. Die Erde wird sich aufteilen, in die, die Souveranität und den Schutz der KSI akzeptieren (Himmel), und die, die sich dazu entscheiden, im Krieg mit einer verwüsteten Welt zu leben (Hölle).“

Es ist also dann die oberste Instanz, die den himmlischen mit dem weltlichen Teil der Gemeinschaft verbindet: die Technologie. Dabei gehe es jedoch nie um den Dualismus von richtig oder falsch. Vielmehr sei es das Ziel, eine Alternative zu bieten – nicht nur in Währungsfragen.

Die Brücke zu Bitcoin

Und hier findet zusammen, was zusammengehört. Denn letztlich ist es dieses Narrativ, das auch die Idee hinter Bitcoin trägt. Es ist das Misstrauen gegenüber Institutionen und das Vertrauen in die Technologie. Diese Querverbindung zieht sich über die dezentralen Technologien und bringt sie wieder in einem zentralen Punkt zusammen.

Glaubensfrage also.

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