Chaos in Venezuela: Können der Petro und der „souveräne“ Bolivar die Wirtschaft retten?

Quelle: shutterstock

Chaos in Venezuela: Können der Petro und der „souveräne“ Bolivar die Wirtschaft retten?

In der vergangenen Woche kündigte Venezuelas Präsident Maduro eine Währungsumstellung an, die den Bolivar entlasten und den Petro aufwerten soll. Im Vorfeld des Inkrafttretens stürzt der Bolivar jedoch weiter in den Keller, während die Unsicherheit innerhalb der Volkswirtschaft steigt. Ist die Reform der Geldpolitik in Venezuela bereits jetzt gescheitert?

Wie BTC-ECHO am 17. August berichtete, kündigte Nicolas Maduro an, die Rolle des Petro innerhalb der venezolanischen Volkswirtschaft aufzuwerten. So soll die Kryptowährung den Rang einer offiziellen Landeswährung haben und eine offizielle Rechnungseinheit darstellen. Diese soll fest an den Ölpreis gekoppelt sein. Auch den Bolivar will er modernisieren, indem er fünf Nullen auf den Scheinen streichen lässt und unter dem Namen Bolivar soberano (souveräner Bolivar) neu ausgibt.

Anzeige

Im Vorfeld der Währungsumstellung wurden nun auch genaue Zahlen bekannt gegeben. So wird der monatliche Mindestlohn für alle Venezolaner auf 0,5 Petro festgelegt. Daraus ergebe sich zum ersten Mal seit Monaten eine feste Marke, mit der die Bevölkerung kalkulieren kann. Da ein Petro dem Preis eines Barrels Öl entspricht, der derzeit für 60 US-Dollar gehandelt wird, steigt der Mindestlohn also auf knapp 30 US-Dollar an.

Aufwertung des Petros bindet auch den Bolivar an den Ölpreis

Gleichzeitig wird auch der neue Bolivar soberano an den Petro gebunden. So soll ein Petro fest 3.600 Bolivar soberano (de facto 360 Millionen alte Bolivar) kosten. Dank der Ölpreisbindung des Petros ist somit auch der Wechselkurs des Bolivars zum US-Dollar fixiert und beträgt damit 600:1. Entsprechend passt Venezuela den offiziellen Wechselkurs, der zuvor bei 248.832 Bolivar pro US-Dollar lag, an den inzwischen real gehandelten Wert an.

Damit wird zum ersten Mal eine Kryptowährung zur maßgebenden Referenzgröße einer ganzen Volkswirtschaft. Die Bindung an den Preis eines Barrels Öl soll eine hohe Fluktuation der Währung verhindern. Der neu ausgegebene Bolivar soberano hingegen existiert künftig lediglich in Abhängigkeit vom Petro. Im Grunde ist dies also ein Schritt, um die Landeswährung über einen Umweg an den Ölpreis zu binden und die Hyperinflation so in den Griff zu bekommen.

Bolivar stürzt weiter ab


[Anzeige]
Bitcoin kaufen mit dem Bitwala Konto. Warum ein Bankkonto bei Bitwala? Ein Bankkonto “Made in Germany” mit Einlagensicherung bis zu 100.000 Euro; 24/7 Bitcoin Handel mit schneller Liquidität; Gehandelt werden ausschließlich ‘echte’ Bitcoin – keine Finanzderivate wie CFDs; Sichere Nutzerkontrolle über das Bitcoin Wallet und den private Schlüssel; Mit der kontaktlosen Debit-Mastercard weltweit abheben und bezahlen.

Jetzt kostenloses Konto eröffnen

Am Wochenende vor der angekündigten Währungsumstellung fiel der Preis des Bolivars jedoch weiter. So betrug der reale Wechselkurs für einen US-Dollar – gemessen in Bitcoin – am 17. August noch 6,7 Millionen Bolivar, einen Tag später war er auf 9,2 Millionen Bolivar angestiegen. Oder besser gesagt: gesunken. Darüber kann auch die Augenwischerei der Regierung Maduro nicht hinwegtäuschen, die mit der Streichung von fünf Nullen wieder Normalität suggerieren möchte.

Auch sollte man die Aufwertung des Petros nicht mit einem Schritt in Richtung Krypto-Adaption verwechseln. Die Festlegung der Wechselkurse Öl zu Petro und Petro zu Bolivar hat in erster Linie die Funktion, den Preis des Bolivars an den Ölpreis zu binden. Die „Kryptowährung“ ist somit eher Mittel zum Zweck als ein ernsthafter Versuch, eine nachhaltige Krypto-Ökonomie aufzubauen.

BTC-ECHO

Mehr zum Thema:

Ähnliche Artikel

Finanzbranche first, Industrie second: Wann die Blockchain den Maschinenbauer erreichen wird
Finanzbranche first, Industrie second: Wann die Blockchain den Maschinenbauer erreichen wird
Kommentar

„Blockchain ist viel mehr als Bitcoin.“ Dieser Satz wurde in den letzten zwei Jahren geradezu mantra-artig, selbstbewusst und inflationär von Managern aus der Industrie heruntergebetet. Warum die Realität von dieser Vorstellung noch ein Stückchen entfernt ist, wie lange es dauern wird, bis Blockchain im produzierenden Gewerbe wirklich angekommen ist und wieso die Finanzialisierung der Realwirtschaft voraus ist. Ein Kommentar.

Ripple arbeitet an Software für Ledger und Trezor
Ripple arbeitet an Software für Ledger und Trezor
Kommentar

Das kalifornische Unternehmen Ripple hat über sinen Investmentarm Xpring erneut in Towo Labs investiert. Das schwedische Unternehmen soll eine robuste und praktikable Software schreiben.

Newsletter

Die aktuellsten News kostenlos per E-Mail

Aktuell

Libra-Chef ist Bitcoin Fan, CBDC kommt: Das Meinungs-ECHO
Libra-Chef ist Bitcoin Fan, CBDC kommt: Das Meinungs-ECHO
Szene

Der Libra-Chef bregreift Bitcoin als digitales Gold, während der BaFin-Chef verhindern will, dass aus Libra eine Parallelwährung wird, die Regulierungsbehörden vor neue Herausforderungen stellt. Unterdessen unterdessen wirft der selbsternannte Bitcoin-Erfinder Craig Wright die Frage auf, ob im White Paper plagiiert wurde. Das Meinungs-ECHO.

Bitcoin, Betrug und Pornographie – Das Regulierungs-ECHO
Bitcoin, Betrug und Pornographie – Das Regulierungs-ECHO
Regulierung

Internationale Behörden sprengen den nach Datenvolumen bisher größten Darknet-Ring für Kinderpornographie dank Bitcoin. USA und Kanada denken derweil über ein digitales Zentralbankengeld nach und Wilshire Phoenix versucht, einen Bitcoin ETF durchzuboxen. Das Regulierungs-ECHO.

Die Top Bitcoin-, IOTA und Ripple-News der Woche
Die Top Bitcoin-, IOTA und Ripple-News der Woche
Kolumne

Bitcoin steuert auf die 18 Millionengrenze zu, IOTA rühmt sich mit vielversprechenden Anwendungsfällen und wir haben das Ripple-Ökosystem im Blick. Das interessierte unsere Leser in der vergangenen Woche am meisten.

Wie ticken zentralisierte Krypto-Börsen?
Wie ticken zentralisierte Krypto-Börsen?
Wissen

Einer der größten Stolpersteine bei der Analyse von Krypto-Assets sind zentralisierte Börsen. Während on-chain ein Großteil des Verhaltens verschiedener Akteure verfolgt werden kann, arbeiten Börsen wie Bitfinex, Bithub oder Kraken immer noch weitgehend off-chain. Nur ein Bruchteil ihres Verhaltens kann direkt auf verschiedenen Blockchains beobachtet werden. Für Investoren und andere Akteure auf dem Markt könnten jedoch Blicke hinter diese Barriere viele Vorteile bringen: Anleger könnten eindeutig große Transaktionen zwischen verschiedenen Börsen verfolgen. Derartige Transaktionen stehen häufig im Verdacht, einen nachhaltigen Einfluss auf die Kurse zu nehmen, sodass ein schnelles Wissen über derartige Ereignisse hilfreich wäre. 

Angesagt

Krypto- und traditionelle Märkte: Bitcoin – trotz schwacher Performance attraktiv?
Märkte

Der Bitcoin-Kurs weist aktuell eine sehr geringe Korrelation zu den Vergleichsmärkten auf. Die Volatilität vom Bitcoin-Kurs liegt auch weiterhin bei 3 Prozent. Leider ist die Performance auch in dieser Woche noch vom Kurssturz von Ende September geprägt.

Bitcoin-Diebstahl im Darknet: Hacker infizieren Tor Browser
Sicherheit

Krytpo-Scammer schlugen erneut im Darknet zu. Um ahnungslosen Kunden von Darknet-Märkten die Bitcoin aus der Tasche zu ziehen, kam dieses Mal eine infizierte Variante des Tor Browsers zum Einsatz.

IOTA im Fokus: Mikrotransaktionen und das Tangle
Altcoins

IOTA könnte sich als entscheidende Technologie im Internet of Things etablieren. Dabei sticht vor allem die Möglichkeit kleinster Transaktionen in Echtzeit heraus. Die Killerapp treibt die Autonomisierung von Maschinen voran.

Broadway: Der Auftritt der Blockchain
Blockchain

In Zukunft könnte der Verkauf der Broadway Tickets über eine Blockchain-Lösung laufen. So hat es zumindest der größte Ticketverkäufer des Broadways, die Shubert Organization, geplant. Die Blockchain-Lösung für das Projekt stellt das Bostoner Start-up True Tickets zur Verfügung.

×
Anzeige