Bundesbank-Vorstand: Kryptowährungen derzeit keine Gefahr für das staatliche Geldmonopol

Gregor Hallmann

von Gregor Hallmann

Am · Lesezeit: 3 Minuten

Gregor Hallmann

Gregor Hallmann ist seit 20 Jahren Wirtschaftsjournalist. Als Redakteur einer Nachrichtenagentur verfolgte der studierte Politologe um die Jahrtausendwende hautnah den Internet-Boom und das folgende Platzen der Dotcom-Blase. Seitdem schreibt er als freier Journalist kritisch über Wirtschaft, Finanzen und Geldanlage – und hat dabei auch Kryptowährungen und Blockchain im Blick.

Quelle: sculpture near office building of Deutsche Bundesbank in Hamburg City via Shutterstock

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Joachim Wuermeling ist im Vorstand der Deutschen Bundesbank für IT und Finanzmärkte zuständig. In einer am Montag in Frankfurt gehaltenen Rede äußerte er sich zu den Chancen und Risiken von Kryptowährungen sowie zu regulatorischen Herausforderungen. Sein Fazit: „Noch ist nicht ersichtlich, welches Problem eine Kryptowährung besser löst als staatliches Geld.“

Wuermeling sagte laut einem von der Bundesbank veröffentlichten Redemanuskript, dass es private Geldschöpfung schon immer gegeben habe, insofern werfe sie keine gänzlich neuen Fragen auf. Privates Geld habe sich aber nicht mehr durchgesetzt, als es stabiles, funktionales staatliches Geld gab. Der Markt entscheide, ob sich Kryptowährungen als Zahlungsmittel oder Anlageform durchsetzen.

„Kryptowährungen sind – marktwirtschaftlich betrachtet – zunächst einmal eine Innovation und damit für sich genommen nichts Schlechtes“,


erklärte der Bundesbank-Vorstand.

Zur Liquidität sagte Wuermeling, das Potenzial des Bitcoin als Transaktionsgeld sei begrenzt. Hohe Transaktionskosten und bislang begrenzte technische Zahlungseffizienz dürften das Gros der internationalen Finanzmarktplayer vom Bitcoin fernhalten, der Handel dürfte potenziell ziemlich illiquide bleiben, soweit nicht gänzlich auf Futures ausgewichen würde. Aus Analystensicht seien Kryptowährungen nicht ausreichend liquide und hochriskant, Wuermeling sprach von einem „rein spekulativen Asset ohne Substanzwert“.

Er verwies auf Berechnungen von Analysten, nach denen die Bitcoin-Rallye Mitte Dezember 2017 sogar die Tulpen-Manie im 17. Jahrhundert übertroffen habe. Der Krypto-Hype erinnere in mancher Hinsicht auch an den „Biotech“-Hype und die „Dotcom-Blase“ Ende der 1990-iger Jahre. Unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit ergibt sich für Wuermeling ebenfalls kein positives Bild, insbesondere das Mining von Bitcoins verbrauche Unmengen an Energie und erhöhe so den CO2-Ausstoß. Ob durch neue Kryptowährungen Stabilitätsrisiken für das gesamte Finanzsystem entstehen, hält Wuermeling derzeit für schwer abschätzbar.

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„Zumindest dürften aktuell noch keine systemrelevanten Marktteilnehmer wie Banken oder Finanzmarktinfrastrukturen übermäßige Risiken in Kryptowährungen eingegangen sein“,

sagte der Bundesbank-Vorstand.

Er hob hervor, dass der „Instrumentenkasten der Regulierung reichlich genug ist, um bei Bedarf schädliche Wirkungen von Kryptowährungen zu begrenzen“. Dies müsse allerdings vornehmlich auf globaler Ebene geschehen. Es bleibe eine große Herausforderung, das Phänomen virtuelle Währungen in traditionelle nationale Rechtsnormen einzufassen.

Der Staat habe aber die Aufgabe, schützenswerte Interessen des Einzelnen und des Gemeinwohls zu bewahren. „Kryptowährungen werden deshalb über kurz oder lang Gegenstand von Gesetzgebung werden, ob zum Beispiel zum Verbraucherschutz oder zu Steuerfragen“, sagte Wuermeling.

Zentralbanken müssten angesichts der neuen Technologie Chancen und Risiken abwägen. „Manches davon, etwa die Blockchain-Technologie, scheint uns für die Weiterentwicklung der Marktinfrastrukturen versuchenswert“, sagte Wuermeling. Digitalem Zentralbankgeld stünden die meisten Notenbanken derzeit aber skeptisch gegenüber. Aus Sicht der Bundesbank gehe es vor allem darum, alle Geldfunktionalitäten durch die staatliche Währung darzustellen. Der Zahlungsverkehr mit herkömmlichem Geschäftsbankengeld etwa solle auf dem technisch neuesten Stand gehalten werden, damit zum Beispiel bargeldlose Zahlungen in Echtzeit möglich werden. Mit Instant Payment „dürfte der Bedarf an digitalen Währungen im Allgemeinen und digitalem Zentralbankgeld im Besonderen gar nicht erst entstehen“, meint Wuermeling.

Jüngste Entwicklungen zeigten, dass – zumindest in geordneten Währungssystemen wie dem Euroraum – Kryptowährungen weder als Zahlungsmittel noch zur Wertaufbewahrung eine Alternative zum staatlichen Geld seien. „Sollten allerdings neue Funktionalitäten digitalen Geldes angeboten werden, werden Zentralbanken in der Lage sein, diese auch mit staatlichem Geld darzustellen“, gab sich Wuermeling zuversichtlich. Die Effektivität der Geldpolitik werde durch Kryptowährungen derzeit in keiner Weise beeinträchtigt:

„Ob Kryptowährungen jemals eine Gefahr für das staatliche Geldmonopol und damit letztlich auch für die Umsetzung der Geldpolitik darstellen werden, ist gegenwärtig nicht im Geringsten zu sehen.“

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