#BTCM2017: Eindrücke von der Bitcoin- und Blockchain-Konferenz im Blockchain-Hotel Essen

#BTCM2017: Eindrücke von der Bitcoin- und Blockchain-Konferenz im Blockchain-Hotel Essen

BTC-ECHO war am vergangenen Wochenende (15.09 und 16.09) auf dem Blockchain Tech Crypto Meetup #BTCM2017 im Blockchain-Hotel Essen. Im Rahmen der zweitägigen Veranstaltung konnten wir viele interessante Eindrücke sammeln und mit Top-Speakern aus dem Blockchain-Sektor sprechen – das möchten wir euch nicht vorenthalten. Eine Videoreportage mit vielen interessanten Interviews folgt. Ein Rückblick auf das #BTCM2017.

Der Freitag Morgen startete nach einem leckeren Frühstück in einer unbefangenen Atmosphäre mit einigen Top-Speakern, darunter: Oliver Flasskämper von Bitcoin.de, Andrei Martchouk von KI Dezentralized (beide im Interview mit BTC-ECHO), Friedemann Brenneis (Coinspondent) und Jason King von Unsung.

Unsung – Dezentralität bekämpft den Hunger

Unsung hat es sich zur Aufgabe gemacht aktiv den Hunger zu bekämpfen. Der Betreiber Jason King stellte die Situation in den USA vor, die sich nicht so sehr von unserer europäischen Situation unterscheidet: Es gibt genügend Lebensmittel, es werden täglich Tonnen an Lebensmitteln entsorgt und trotzdem gibt es immer noch Menschen, die aufgrund ihres schwachen Einkommens oder aus anderen Gründen nicht regelmäßig gesunde Lebensmittel kaufen können.

Statt gespendete Lebensmittel in großen Lagerhallen unterzubringen, kam King auf die Idee die Lebensmittel direkt beim Spender abzuholen und zum nächsten Bedürftigen zu bringen. Dezentralität spart hier Zeit und Geld. Geldspenden können auch angenommen werden. Dafür brauchen wir natürlich heutzutage kein Spendenkonto mehr: King nimmt über Unsung spenden in Form von Bitcoin oder Ether an!

TYKN – Die Geburtskurkunde auf der Blockchain sichern

Sie ist das wichtigste Dokument im Leben: die Geburtsurkunde. Sie verbindet eine Identität mit einem Menschen, gibt Aufschluss über Alter, Herkunft und Abstammung. Terroristische Vereinigungen, so erklärte Tey ElRjula von TYKN, zielen bei Übernahmen von Städten immer auf die Zerstörung von solchen Dokumenten. Sobald die Urkunden ausgelöscht sind, sind die Opfer praktisch staatenlos und einem Spießrutenlauf um neue Dokumente ausgeliefert.

ElRjula hat selber einen weiteren Weg hinter sich: Der Syrer musste eine Flucht durch verschiedene nordafrikanische Staaten durchmachen, bis er letztendlich in den Niederlanden ankam. Heute ist er vollständig integriert, spricht Niederländisch, hat eine Arbeit, ein Zuhause und einen Hund. Auf seinem Führerschein steht unter Geburtsort: obekend – niederländisch für: unbekannt.

Selbst heute wird die verletzlichste Urkunde eines Menschen immer noch manuell ausgestellt. TYKN will das ändern: Mit der Verbindung zur Ethereum- oder Hyperledger-Blockchain sollen die Identitäten ein für alle mal gesichert werden, sodass niemand mehr als heimatlos gelten muss.

Liberland – Ein neues Land in Freiheit

Vít Jedlicka ist eigentlich Tscheche. Seine Idee war es von früh an die Welt ins Bessere zu ändern. Er war aktiv in der tschechischen Politik tätig und erreichte sogar die Europa-Ebene. Doch zuletzt bemerkte er, nach eigenen Aussagen, dass er die Grundstrukturen nie ändern werde. Als Reaktion auf diese Erkenntnis schloss er sich mit einigen wenigen zusammen, um Liberland zu gründen.

Liberland ist ein junges Land zwischen Kroatien und Serbien, dass seit 2015 existiert. International anerkannt ist es nicht, aber hohe Politiker aus den USA und anderen Staaten wollen Liberland unterstützen. Gegründet werden konnte das kleine Land nur dadurch, dass Kroatien und Serbien diese kleine Insel in der Donau nicht für sich beanspruchen und den Besitz dem jeweils anderen zuordnen.

Liberland soll eine Steueroase werden. Durch eine sehr liberale Herangehensweise will Präsident Jedlicka alle Teile des Staates Liberland privatisieren: Polizei, Verwaltung, Gesundheitswesen, Handel und vieles mehr.

Mit einer digitalen Verwaltung, inspiriert durch Estland, soll der Staat seinen Bürgern absolute Freiheit geben. Frei nach dem Liberland-Motto: “Leben und leben lassen”.

Perun Network – ein Ansatz zur Skalierung von Bitcoin & Co.?

Um die Skalierungsprobleme von Kryptowährungen wie Bitcoin zu lösen, gab es in der Vergangenheit verschiedene Lösungsansätze. Dies führte nicht zuletzt zur Hard Fork von Bitcoin mit dem Ergebnis des neuen Bitcoin Cash – löst dies das Skalierungsproblem? Prof. Sebastian Faust von der RUB stellte aktuelle Forschungen zu diesem Thema vor. Verschiedene Formen von Payment-Channels, zu denen als sicher bekanntestes Beispiel auch das Lightning-Network zählt, könnten die Skalierbarkeit extrem verbessern. Die derzeitige Menge von sieben Transaktionen pro Sekunde, die vom Bitcoin-Netzwerk verarbeitet werden kann, erfordert eine drastische Erhöhung, um bspw. mit Zahlungsabwicklern wie VISA konkurrenzfähig und massentauglich zu sein. Das im Vortrag vorgestellte Perun Network ist eine Art von Implementation der Payment-Channels. Das zugehörige White Paper wurde bereits veröffentlicht und die Entwickler arbeiten an der Umsetzung.

CryptoPay – Kreditkarten made easy?

Kreditkarten, die sich mit Kryptowährungen aufladen lassen, aber überall (auch für Fiat-Einkäufe) eingesetzt werden können – dafür scheint es derzeit sehr viele Anbieter zu geben. CryptoPay allerdings verspricht, sich durch das Überwinden der regulatorischen Hürden von der Konkurrenz abzuheben. Zur weiteren Finanzierung möchte auch CryptoPay Geld über einen ICO einsammeln – 10 Prozent der Unternehmensgewinne sollen über das Token ausgeschüttet werden, von dem CryptoPay 51 % an Investoren verkauft.

Lamium – ein dezentraler Bitcoin Exchange?

Exchanges für Kryptowährungen sind in aller Regel zentralisiert – eine Eigenschaft, die von Nutzern oft unerwünscht ist. Lamium möchte Nutzern einen speziellen, weitestgehend dezentralen Payment-Service anbieten. Damit sollen Rechnungen von Nutzern gegenseitig bezahlt werden. Möchte ein Nutzer bspw. Bitcoin verkaufen, zahlt er seinen Betrag in Bitcoin, der Käufer der Bitcoins zahlt dann die Rechnung des Verkäufers als Gegenleistung. Bitwala, die ebenfalls vor Ort waren, arbeiten bereits seit längerer Zeit an der Lösung, nehmen die Rechnungsbezahlung jedoch selbst vor – ein Kritikpunkt, den Lamium während des Vortrags äußerte.

LAToken – Assets über die Blockchain digitalisieren?

Assets über die Blockchain auszugeben, scheint auf den ersten Blick ein optimaler Use-Case der Technologie sein. Diese Ansicht teilt auch LAToken (für Liquid Asset Token) und möchte zur Umsetzung des Projekts Geld über einen ICO einsammeln. Zwar bezieht sich das Konzept auf viele Asset-Klassen, als einen zentralen Use-Case führte man aber vor allem den Real-Estate-Sektor an. Damit tritt LAToken in den Konkurrenzkampf mit Projekten, die sich ebenfalls dem Real-Estate-Markt mithilfe der Blockchain gewidmet haben, beispielsweise Atlant oder REAL.

Fake-News – Wie können Blockchains helfen?

Fake-News scheinen sich in der letzten Zeit besonders stark zu verbreiten und können beispielsweise schwere politische Folgen haben – ein Problem, dem sich David Mondrus annehmen möchte. Über die Plattform soll es möglich sein, Recherche-Aufgaben auszulagern und Teilnehmer dafür zu bezahlen, dass sie News auf Korrektheit prüfen. Wenn ein Redakteur über ein Thema berichtet, werden die Informationen zusätzlich von externen Teilnehmern validiert. Diese wiederum werden entsprechend über das eigene Token vergütet. Kritik gab es im Publikum an manipulativen Eingriffen, die nach wie vor möglich sein könnten. Wenn ein Politiker eigentliche Fake-News zu seinen Gunsten als valide kennzeichnen möchte, dann könnte er dies mit vielen Fake-Accounts erreichen – müsste sie aber sehr früh anlegen und sich über einen längeren Zeitraum als Teilnehmer beteiligen, um ein hohes Scoring zu erreichen.

BTC-ECHO

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