Brasilien: Staatsanwaltschaft will Krypto-Hack aufklären

Quelle: shutterstock

Brasilien: Staatsanwaltschaft will Krypto-Hack aufklären

Brasilien. Zur Aufklärung des gehackten Online-Handelsplatzes Atlas führte eine Staatsananwältin in Zusammenarbeit mit dem Finanzministerium eine bemerkenswerte Aktion durch. Mehrere Krypto-Exchanges erhielten einen umfassenden Fragenkatalog, den sie innerhalb von fünf Tagen beantworten sollten. Den Empfängern teilte man mit, ihnen drohe eine Strafe, sofern sie darüber berichten oder die 14 Fragen nicht fristgerecht beantworten würden.

Wie das „Portal do Bitcoin“ exklusiv berichtet, erhielten kürzlich mehrere inländische Krypto-Exchanges Anfragen, die jeweils über das Kontaktformular der Webseiten übermittelt wurden. Als Absender wurde Staatsanwältin Ana Paula Bez Batti und das brasilianische Finanzministerium angegeben. Obwohl in der Botschaft davor gewarnt wird, die Anfrage zu veröffentlichen, liegt der Redaktion von „Portal do Bitcoin“ eine Kopie der Nachricht vor.

Staatsanwältin und Finanzministerium üben Druck aus

In den Anfragen gab man den Betreibern mehrerer brasilianischer Krypto-Exchanges lediglich fünf Tage Zeit, um einen Katalog von 14 Fragen ausführlich zu beantworten. Abgefragt wurde beispielsweise, ob eine ausreichende Überprüfung der Identifikation der Nutzer durchgeführt wird, um Geldwäsche und Korruption zu bekämpfen. Ferner wollte die Staatsanwaltschaft wissen, wie die Exchanges personenbezogene Daten übermitteln und verarbeiten. Von Interesse war für die Staatsanwaltschaft auch, ob es für Transaktionen Limits gibt.

Hier noch ein paar ausgewählte Highlights aus der Anfrage:

  • Bieten Sie ihren Kunden die Möglichkeit, bereits getätigte Einlagen oder Transfers zurückzuziehen?
  • Welche Maßnahmen ergreifen Sie, um Terrorismusfinanzierung und Steuerhinterziehung zu bekämpfen?
  • Welche Möglichkeiten zur Bezahlung der Coins stehen eigentlich bei Ihnen zur Verfügung? Nehmen Sie auch Gelder in Bar oder mittels anonymer Prepaid-Karten an?
  • Mit welchen Hash-Werten sichern Sie die Portfolios Ihrer Kunden? Wie überprüfen Sie die Identität der Empfänger bei Transaktionen? Wie sieht es mit der Annahme von Schecks, Kreditkarten oder anderen Zahlungsmitteln aus?
  • Nach welchen Regeln wechseln Sie die Kryptowährungen?
  • Vergeben Sie auch Kredite?
  • Wenn ja, haben Sie für die Vermittlung eine Provision bezahlt? Wie viele Mitarbeiter sind in Ihrem Unternehmen beschäftigt?

Das ist lediglich eine Auswahl der Höhepunkte, die das News-Portal ungekürzt in Portugiesisch veröffentlicht hat.

Inoffizielles Auskunftsersuchen ignoriert

Die von Staatsanwältin Ana Paula Bez Batti gesetzte Frist ist mittlerweile abgelaufen. Zum Schluss betonte sie noch den vertraulichen Charakter ihrer Anfrage. „Portal do Bitcoin“ spricht von drei Krypto-Exchanges in ganz Brasilien, die diese Mitteilung erhalten haben. Die Anbieter sollen innerhalb Brasiliens zu den Top 10 des Landes gehören. Ein namentlich nicht genannter Betreiber reagierte gar nicht, weil es sich um kein offizielles Dokument der Justiz handelt.

Datenschutz? Fehlanzeige!

Der Betreiber schreibt, jeder könne behaupten, er sammele im Namen einer Behörde Daten. Jeder sei außerdem in der Lage, eine solche Nachricht über das Kontaktformular zu verschicken und gleichzeitig Drohungen auszustoßen. Fraglich sei zudem, ob die angedrohte Strafe rechtens wäre.

Nicht nur die Juristen und Datenschützer dürften ihre Probleme mit der unverschlüsselten Übermittlung der Anfragen per Kontaktformular haben. Die Beantwortung sollte wohl ebenfalls ohne jegliche Verschlüsselung, weil ganz regulär per E-Mail, erfolgen. Der Schutz privater Daten ist in diesem Fall offenbar ein Fremdwort.

Krypto-Börse Atlas aus Brasilien gehackt, Daten von 264.000 Kunden kopiert

Grund des mysteriösen Vorgehens der Behörden ist der Hack der brasilianischen Krypto-Börse Atlas. Wie der YouTuber „Investimentos Digitais“ am 25. August berichtet hat, waren von der Aktion der Hacker Daten von 264.000 Kunden betroffen. Dazu kommt ein geschätztes Vermögen von umgerechnet etwa 33,6 Millionen Euro, welches gefährdet sein soll. Ein im Internet aufgetauchter Auszug des kopierten Datensatzes inklusive der Realnamen, Telefonnummern, E-Mail-Adressen und des aktuellen Guthabens einiger Atlas-Kunden bestätigte den Wahrheitsgehalt des YouTubers. Während Altlas versuchte den Vorfall herunterzuspielen, berichteten die Medien reflexartig von einem Schneeballsystem, der bei diesem Anbieter zum Einsatz gekommen sein soll.

Auch wenn der Vorwurf des Schneeballsystems zum jetzigen Zeitpunkt nicht überprüft werden kann, steht fest: Die hohen Gewinnversprechen von Atlas haben wohl nicht nur die Interessenten, sondern auch einige Cyberkriminelle und in der Folge mehrere Behörden auf den Plan gerufen. Ausbaden muss es jetzt der Wettbewerb und natürlich die ganzen Kunden, deren Wallets wahrscheinlich schon im Nirwana verschwunden sind.

BTC-ECHO

Mehr zum Thema:

Bereit für den nächsten Karrieresprung?

Sichere dir deinen Vorsprung durch Wissen und werde zum Blockchain & Krypto Experten

z.B. "Blockchain Basics Kurs"

Inklusive personalisiertes Teilnahmezertifikat
Zum Online Kurs

Ähnliche Artikel

Bitcoin-Kurs mit Aufwind, IOTA explodiert – Rallye am Krypto-Markt
Bitcoin-Kurs mit Aufwind, IOTA explodiert – Rallye am Krypto-Markt
Bitcoin

Der Bitcoin-Kurs (BTC) hat die 9.000-US-Dollar-Marke erfolgreich hinter sich gelassen. Während der Krypto-Markt insgesamt gut performt, lässt IOTA alle hinter sich. Mit 16 Prozent Plus legt der Token für das Internet der Dinge eine der besten Performances der Top 30 hin.

5 Bitcoin Lightning Games, die du kennen solltest
5 Bitcoin Lightning Games, die du kennen solltest
Bitcoin

Bitcoins Second-Layer-Lösung Lightning wächst weiter. Ein Teil des Wachstums ist Anwendungen wie Blockchain Minigames geschuldet. Hier sind fünf Lightning Games, die du kennen solltest.

Newsletter

Die aktuellsten News kostenlos per E-Mail

Aktuell

Paris Saint-Germain führt Fan Token ein
Paris Saint-Germain führt Fan Token ein
Blockchain

Der französische Erstligist Paris Saint-Germain (PSG) ist der jüngste Spitzenverein, der auf die Blockchain-Technologie setzt. Die am 28. Januar verkündete Zusammenarbeit mit dem Blockchain-Unternehmen Socios ermöglicht es PSG-Fans, mittels sogenannter Fan Token an Abstimmungen teilzunehmen.

Ölgigant Saudi Aramco schließt sich Blockchain-Plattform VAKT an
Ölgigant Saudi Aramco schließt sich Blockchain-Plattform VAKT an
Unternehmen

Saudi-Arabiens staatlicher Ölkonzern Saudi Aramco schließt sich der blockchainbasierten Handelsplattform VAKT an. Die größte Erdölgesellschaft der Welt investiert fünf Millionen US-Dollar in das Unternehmen und wird seinen Handel künftig über die Plattform abwickeln.

Bitcoin mit neuem Jahreshoch, bullishe Tendenz setzt sich fort
Bitcoin mit neuem Jahreshoch, bullishe Tendenz setzt sich fort
Kursanalyse

Der Gesamtmarkt nimmt wieder Fahrt auf. Die bullishe Bewegung bei Bitcoin sorgt gleichsam für eine Stabilisierung der Bitcoin-Dominanz.

Englisches Cricket-Team setzt gesamten Ticketverkauf auf Blockchain
Englisches Cricket-Team setzt gesamten Ticketverkauf auf Blockchain
Krypto

Die Blockchain-Technologie steht im Allgemeinen für Fälschungssicherheit und Vertrauen. Auch eine von Englands beliebtesten Sportarten könnte bald schon von diesen Vorzügen Gebrauch machen.

Angesagt

Bitcoin-Kurs mit Aufwind, IOTA explodiert – Rallye am Krypto-Markt
Bitcoin

Der Bitcoin-Kurs (BTC) hat die 9.000-US-Dollar-Marke erfolgreich hinter sich gelassen. Während der Krypto-Markt insgesamt gut performt, lässt IOTA alle hinter sich. Mit 16 Prozent Plus legt der Token für das Internet der Dinge eine der besten Performances der Top 30 hin.

Singapur führt Lizenzen für Krypto-Dienstleister ein
Regulierung

In Singapur tritt eine neue Gesetzgebung in Kraft, laut der Zahlungsdienstleister künftig eine Lizenz beantragen müssen. Die neue Regelung betrifft auch im Inselstaat ansässige Krypto-Unternehmen.

Asien bekommt seinen ersten Bitcoin-Indexfonds
Invest

Stack hat den ersten Bitcoin-Indexfonds im asiatischen Raum eingerichtet. Der Indexfonds ermöglicht Investoren die Integration von Bitcoin in ihr Anlageportfolio und stößt auf eine steigende Nachfrage an klassischen Finanzprodukten im Anlagebereich digitaler Assets.

Tron: Ex-Angestellte verklagen Justin Sun
Szene

Zwei Ex-Angestellte reichen ein 70-seitiges Gerichtsdokument beim kalifornischen Gericht ein. Die Vorwürfe? Belästigung, Sabotage, Drohung, Diskriminierung und willkürliche Kündigungen – um nur einige wenige zu nennen. Dies geht aus dem veröffentlichten Bericht hervor.