Brasilien: Staatsanwaltschaft will Krypto-Hack aufklären

Lars Sobiraj

von Lars Sobiraj

Am · Lesezeit: 4 Minuten

Lars Sobiraj

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Außerdem bringt Lars Sobiraj seit 2014 an der Kölner Hochschule Fresenius Studenten für Sustainable Marketing & Leadership (M.A.) den Umgang mit dem Internet und sozialen Netzwerken bei.

Quelle: shutterstock

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Brasilien. Zur Aufklärung des gehackten Online-Handelsplatzes Atlas führte eine Staatsananwältin in Zusammenarbeit mit dem Finanzministerium eine bemerkenswerte Aktion durch. Mehrere Krypto-Exchanges erhielten einen umfassenden Fragenkatalog, den sie innerhalb von fünf Tagen beantworten sollten. Den Empfängern teilte man mit, ihnen drohe eine Strafe, sofern sie darüber berichten oder die 14 Fragen nicht fristgerecht beantworten würden.

Wie das „Portal do Bitcoin“ exklusiv berichtet, erhielten kürzlich mehrere inländische Krypto-Exchanges Anfragen, die jeweils über das Kontaktformular der Webseiten übermittelt wurden. Als Absender wurde Staatsanwältin Ana Paula Bez Batti und das brasilianische Finanzministerium angegeben. Obwohl in der Botschaft davor gewarnt wird, die Anfrage zu veröffentlichen, liegt der Redaktion von „Portal do Bitcoin“ eine Kopie der Nachricht vor.

Staatsanwältin und Finanzministerium üben Druck aus


In den Anfragen gab man den Betreibern mehrerer brasilianischer Krypto-Exchanges lediglich fünf Tage Zeit, um einen Katalog von 14 Fragen ausführlich zu beantworten. Abgefragt wurde beispielsweise, ob eine ausreichende Überprüfung der Identifikation der Nutzer durchgeführt wird, um Geldwäsche und Korruption zu bekämpfen. Ferner wollte die Staatsanwaltschaft wissen, wie die Exchanges personenbezogene Daten übermitteln und verarbeiten. Von Interesse war für die Staatsanwaltschaft auch, ob es für Transaktionen Limits gibt.

Hier noch ein paar ausgewählte Highlights aus der Anfrage:

  • Bieten Sie ihren Kunden die Möglichkeit, bereits getätigte Einlagen oder Transfers zurückzuziehen?
  • Welche Maßnahmen ergreifen Sie, um Terrorismusfinanzierung und Steuerhinterziehung zu bekämpfen?
  • Welche Möglichkeiten zur Bezahlung der Coins stehen eigentlich bei Ihnen zur Verfügung? Nehmen Sie auch Gelder in Bar oder mittels anonymer Prepaid-Karten an?
  • Mit welchen Hash-Werten sichern Sie die Portfolios Ihrer Kunden? Wie überprüfen Sie die Identität der Empfänger bei Transaktionen? Wie sieht es mit der Annahme von Schecks, Kreditkarten oder anderen Zahlungsmitteln aus?
  • Nach welchen Regeln wechseln Sie die Kryptowährungen?
  • Vergeben Sie auch Kredite?
  • Wenn ja, haben Sie für die Vermittlung eine Provision bezahlt? Wie viele Mitarbeiter sind in Ihrem Unternehmen beschäftigt?

Das ist lediglich eine Auswahl der Höhepunkte, die das News-Portal ungekürzt in Portugiesisch veröffentlicht hat.

Inoffizielles Auskunftsersuchen ignoriert

Die von Staatsanwältin Ana Paula Bez Batti gesetzte Frist ist mittlerweile abgelaufen. Zum Schluss betonte sie noch den vertraulichen Charakter ihrer Anfrage. „Portal do Bitcoin“ spricht von drei Krypto-Exchanges in ganz Brasilien, die diese Mitteilung erhalten haben. Die Anbieter sollen innerhalb Brasiliens zu den Top 10 des Landes gehören. Ein namentlich nicht genannter Betreiber reagierte gar nicht, weil es sich um kein offizielles Dokument der Justiz handelt.

Datenschutz? Fehlanzeige!

Der Betreiber schreibt, jeder könne behaupten, er sammele im Namen einer Behörde Daten. Jeder sei außerdem in der Lage, eine solche Nachricht über das Kontaktformular zu verschicken und gleichzeitig Drohungen auszustoßen. Fraglich sei zudem, ob die angedrohte Strafe rechtens wäre.

Nicht nur die Juristen und Datenschützer dürften ihre Probleme mit der unverschlüsselten Übermittlung der Anfragen per Kontaktformular haben. Die Beantwortung sollte wohl ebenfalls ohne jegliche Verschlüsselung, weil ganz regulär per E-Mail, erfolgen. Der Schutz privater Daten ist in diesem Fall offenbar ein Fremdwort.

Krypto-Börse Atlas aus Brasilien gehackt, Daten von 264.000 Kunden kopiert

Grund des mysteriösen Vorgehens der Behörden ist der Hack der brasilianischen Krypto-Börse Atlas. Wie der YouTuber „Investimentos Digitais“ am 25. August berichtet hat, waren von der Aktion der Hacker Daten von 264.000 Kunden betroffen. Dazu kommt ein geschätztes Vermögen von umgerechnet etwa 33,6 Millionen Euro, welches gefährdet sein soll. Ein im Internet aufgetauchter Auszug des kopierten Datensatzes inklusive der Realnamen, Telefonnummern, E-Mail-Adressen und des aktuellen Guthabens einiger Atlas-Kunden bestätigte den Wahrheitsgehalt des YouTubers. Während Altlas versuchte den Vorfall herunterzuspielen, berichteten die Medien reflexartig von einem Schneeballsystem, der bei diesem Anbieter zum Einsatz gekommen sein soll.

Auch wenn der Vorwurf des Schneeballsystems zum jetzigen Zeitpunkt nicht überprüft werden kann, steht fest: Die hohen Gewinnversprechen von Atlas haben wohl nicht nur die Interessenten, sondern auch einige Cyberkriminelle und in der Folge mehrere Behörden auf den Plan gerufen. Ausbaden muss es jetzt der Wettbewerb und natürlich die ganzen Kunden, deren Wallets wahrscheinlich schon im Nirwana verschwunden sind.

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